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StartseiteInformationen am Morgen"Wir zeigen der FIFA die Rote Karte"28.05.2015

US-Strafverfolgung"Wir zeigen der FIFA die Rote Karte"

Von einer "Weltmeisterschaft der Korruption" spricht der Direktor der US-Steuerfahndung, wenn er die Bestechungstricks nennt, die bei der Vergabe der Fußball-WM nach Südafrika zum Einsatz gekommen sein sollen. Da viele Verbrechen der FIFA-Funktionäre in den USA begangen wurden, will die Justizbehörde ein Zeichen setzen - durch Abschreckung.

Von Marcus Pindur

Pressekonferenz mit US-Justizministerin Loretta E. Lynch (R) zum Stand der Ermittlungen gegen neun FIFA-Funktionäre, gegen die in den USA Anklage erhoben wird. (dpa / picture alliance / Justin Lane)
Pressekonferenz mit US-Justizministerin Loretta E. Lynch (R) zum Stand der Ermittlungen gegen neun FIFA-Funktionäre, gegen die in den USA Anklage erhoben wird. (dpa / picture alliance / Justin Lane)
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Keiner, der sie kennt, bezweifelt, dass Loretta Lynch dieses Verfahren durchziehen wird. Die US-Justizministerin galt schon als New Yorker Staatsanwältin vor 20 Jahren als durchsetzungsstark und unerschrocken. Sie nahm es Ende der 90er-Jahre mit der mächtigen Polizeibehörde von New York auf, um einen Fall von Polizeibrutalität aufzudecken, zu verfolgen und die Täter ihrer Strafe zuzuführen.

Die Verbrechen der FIFA-Funktionäre wurden zum Teil in den USA begangen, deshalb sind amerikanische Justizbehörden zuständig, so Loretta Lynch.

"Die Angeklagten und ihre Komplizen haben ihre verbrecherischen Pläne in den USA besprochen. Sie haben amerikanische Banken benutzt, um ihre Bestechungsgelder zu verteilen. Und sie wollten auch vom wachsenden Fußballmarkt der USA profitieren. Alle Beschuldigten haben das amerikanische Finanzsystem missbraucht und amerikanische Gesetze gebrochen."

Das sei maßgeblich für die Strafverfolgung gewesen, so auch FBI-Direktor James Comey. Außerdem solle ein abschreckendes Beispiel geschaffen werden.

Informationen durch einen Maulwurf

Das frühere FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer im Auto. (picture alliance/dpa/Steffen Schmidt)Das frühere FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer. (picture alliance/dpa/Steffen Schmidt)

"Wer auf amerikanischem Boden ein korruptes Geschäft macht, wird dafür zur Verantwortung gezogen."

Die FIFA-Funktionäre, darunter zwei Stellvertreter Sepp Blatters, werden systematischer Korruption verdächtigt. Der Katalog der Anklagepunkte liest sich wie eine Mafia-Anklageschrift: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Bestechung und Geldwäsche. 40 weitere Anklagepunkte folgen.

Ins Rollen kam der Fall mit dem ehemaligen FIFA-Manager Chuck Blazer, der mehrere Millionen Dollar Steuern in den USA hinterzogen hatte. Er wurde erwischt, kooperierte mit den Behörden, bekannte sich schuldig und zahlte eine Geldstrafe. Doch außerdem nahm er weiterhin an sensiblen Sitzungen der FIFA teil. Was seine Kollegen nicht wussten: Chuck Blazer war ein Maulwurf geworden. Er trug ein Mikrofon versteckt am Körper, die vermeintlich vertraulichen Gespräche wurden vom FBI aufgezeichnet.

Richard Weber, Direktor der amerikanischen Steuerfahndung, unterstrich die kriminelle Energie, mit der die Täter vorgegangen seien.

"Das ist eine Weltmeisterschaft der Korruption. Und wir zeigen der FIFA heute die Rote Karte."

Geldübergabe im Koffer

Genutzt wurden alle Tricks aus dem Mafia-Repertoire: Falsche Beraterverträge, Briefkastenfirmen, Schließfächer und die gute alte Geldübergabe in bar, im Koffer, in Zehntausend-Dollar-Bündeln, selbstverständlich in gebrauchten Scheinen. So hatte Jack Warner, damals Mitglied des Exekutivkomitees der FIFA,  die Vergabe der Fußball-WM in Südafrika verscherbelt.

Außer den FIFA-Funktionären sind auch eine Reihe von Managern aus der Sportindustrie angeklagt. Sie hätten Millionen-Schmiergelder gezahlt, um Sponsoren- und Übertragungsrechte zu bekommen. Das sei seit über zwei Jahrzehnten nachweisbar, so Justizministerin Lynch.

"Sie haben dies immer wieder gemacht, ein Jahr nach dem anderen, ein Tournier nach dem anderen."

Das FBI schätzt die Gesamtsumme der Bestechungsgelder in den letzten 20 Jahren auf 150 Millionen Dollar – es könne aber auch mehr sein. Eins machten die US-Strafverfolgungsbehörden klar: Dies sei erst der Anfang, so FBI-Direktor James Comey.

"Wir werden die Arbeit fortsetzen, bis die Korruption komplett offengelegt ist. Die weltweite Botschaft ist: Das wird von uns nicht geduldet."

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