Montag, 23.07.2018
 
Seit 10:10 Uhr Kontrovers
StartseiteKommentare und Themen der WocheDas Spiel um die Welt hat begonnen15.06.2018

US-Strafzölle gegen ChinaDas Spiel um die Welt hat begonnen

US-Präsident Donald Trump hat gegen China Strafzölle in Höhe von 50 Milliarden Dollar verhängt. China hat mit Strafzöllen in gleicher Höhe reagiert. Damit sei der Handelskrieg unbestreitbar in eine neue Phase eingetreten, kommentiert Klemens Kindermann. Allerdings könnte sich Trump diesmal verzockt haben.

Von Klemens Kindermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
China, Peking: Eine Frau geht an einem Laden für US Bekleidung vorbei.  (dpa / AP / Ng Han Guan)
China hat mit Strafzöllen in gleicher Höhe auf die von US-Präsident Trump verhängten Strafzölle in Höhe von 50 Milliarden Euro reagiert (dpa / AP / Ng Han Guan)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

Es ist fast so wie im James-Bond-Film "Sag niemals nie": Der undurchsichtige Largo – Klaus Maria Brandauer – lädt Bond zu einem spektakulären Computerspiel ein: erst geht es um einzelne Länder, schließlich um die ganze Welt. US-Präsident Trump fordert jetzt Chinas Staatschef Xi heraus: erst geht es um die heute verhängten 50-Milliarden-Dollar-Strafzölle, im weiteren Verlauf des Handelskriegs dann um die ganze Welt. Die wichtigste Volkswirtschaft USA gegen die vielleicht schon ebenso wichtige: China.

Zu recht warnt der Internationale Währungsfonds jetzt, die aggressive Handelspolitik Trumps sei inzwischen ein Risiko für die globale Wirtschaft.

Trump unterschätzt die psychologische Seite seines Vorgehens

Dabei könnte sich der Handels-Hans-Dampf Trump diesmal verzockt haben: Denn er verhängt die Zölle gerade auf Waren aus dem strategischen Staatsprogramm "Made in China 2025". Damit aber will Peking vor allem Industrie- und High-Tech-Produkte voranbringen. Es ist das Herz des chinesischen Vormachtstrebens, das die Volksrepublik an die Spitze aller Volkswirtschaften führen soll - der ganze Stolz der Parteiführung. Umso verletzender die Aktion des US-Präsidenten, der die psychologische Seite seines Vorgehens völlig unterschätzt.

In China werden Wirtschaftsbeziehungen langfristig angelegt. Man legt äußersten Wert auf Verlässlichkeit, was einen großen Teil des Erfolges deutscher Unternehmen auf dem chinesischen Markt ausmacht. Mit Peking Wochen und Monate über das 375-Milliarden-Dollar-Handelsdefizit zu sprechen, um dann plötzlich die Strafzoll-Peitsche herauszuholen, das wird die chinesische Führung als maximalen Affront des US-Präsidenten werten.

Nicht von ungefähr spricht Peking heute von einem "überholten Benehmen" Trumps. Die Folgen für US-Unternehmen in China werden verheerend sein. Unberechenbarkeit schätzt man auf dem wichtigsten Markt der Welt am allerwenigsten.

Leider kein James-Bond-Film

Unbestreitbar ist: Der Handelskrieg ist seit heute in eine neue Phase eingetreten. Peking hat knallhart zurückgeschlagen – mit Gegenzöllen in gleicher Höhe. Trump droht bereits neue Zölle im Volumen von dann 100 Milliarden Dollar an. In diesen verhängnisvollen Sog von Schlag und Gegenschlag werden auch andere Länder geraten. Allen voran das sowohl in den USA wie in China aktive Deutschland. Deutsche Firmen sind einerseits von den US-Zöllen betroffen, von deutschen Unternehmen in den USA produzierte Waren werden andererseits durch die chinesischen Gegen-Zölle belastet. Wohlfahrtsverluste drohen überall. Es ist leider kein James-Bond-Film: Das Spiel um die Welt hat begonnen.

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk