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StartseiteCampus & KarriereRassismus in Studentenverbindungen25.03.2015

US-UniversitätenRassismus in Studentenverbindungen

Mitglieder einer Studentenverbindung an der Universität von Oklahoma haben ein Video veröffentlicht, auf dem sie ein rassistisches Lied singen. Universität und Studentenverbindung zogen Konsequenzen, doch das Problem hat tiefe Wurzeln.

Von Kerstin Zilm

Zwei palästinensische Studierende in Talar und Dokturhut während ihrer Graduation an der Uni in Nablus.  (picture alliance / dpa / Alaa Badarneh)
Rassismus an US-Universitäten ist kein neues Phänomen. Fest verwurzelt ist er in Studentenverbindungen. (picture alliance / dpa / Alaa Badarneh)
Weiterführende Information

Theater - Bürokrieg als Spiegel des Rassismus in den USA
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 11.03.2015)

Rassismus in den USA - Es kann nicht sein, was nicht sein darf
(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 14.02.2015)

Martin-Luther-King-Day in den USA - Erinnerungen an Polizeibrutalität und Rassismus
(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 20.01.2015)

Diskriminierung in den USA - "Es ist ein ökonomischer Rassismus"
(Deutschlandradio Kultur, Interview mit dem Historiker Norbert Finzsch, 29.12.2014)

Blaine Ayes, Direktor der 1965 gegründeten Studentenverbindung Sigma Alpha Epsilon, verspricht Veränderungen.

"I want to start my remarks today by saying that the recent actions ..."

Video und darauf sichtbare Handlungen der Studenten reflektierten nicht Werte der Verbindung, erklärte Ayes. SAE werde die Position eines Direktors für Integration einrichten, einen Pflichtkurs für alle Mitglieder zu Rassismus und Sexismus sowie eine Beschwerde-Hotline.

"Obwohl wir den Song ekelhaft finden, erkennen wir, dass dies eine Gelegenheit ist, einen wichtigen Dialog über Rasse und andere Themen der Gleichberechtigung zu beginnen. Wir werden uns dem stellen!"

Fast täglich Proteste gegen Diskriminierung

Auch die Universitätsleitung hat eine offene Diskussion über Rassismus angekündigt, beginnend mit der Tatsache, dass keine sechs Prozent der Studierenden an Oklahoma University afroamerikanisch sind. Elf Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates sind schwarz. Studenten fordern außerdem mehr afroamerikanische Professoren und Dozenten sowie stärkere Förderung von afroamerikanischen Studentenorganisationen.

Rassismus an US-Universitäten ist kein neues Phänomen. Fest verwurzelt ist er in Studentenverbindungen, die auf jedem US-Campus eine große Rolle bei Partys, Akzeptanz und Netzwerkbildung spielen, erklärt Soziologieprofessor Matthew Hughey, Experte für Rassenidentität.

"Viele denken, sobald schwarze Studenten in ehemals rein weiße Verbindungen aufgenommen wurden, gibt es kein Problem mehr. Doch sie sind innerhalb der Organisation Rassismus ausgesetzt, bekommen keine Führungspositionen oder werden als Alibi benutzt selbst wenn von hundert Mitgliedern nur ein oder zwei schwarz sind."

Auf dem Unigelände von Oklahoma gibt es fast täglich weiter Proteste gegen Diskriminierung. Der Tenor ist fast immer gleich: Afroamerikanische Studenten sind entsetzt über das Video, aber nicht überrascht. Eric Striker, Star-Spieler des College-Footballteams ist gekränkt:

"Es tut wirklich weh. Manche von den Jungs kommen nach dem Spiel zu uns, lächeln, machen Fotos mit uns, umarmen uns. Zu erfahren, was hinter vorgehaltener Hand vor sich geht und was gesagt wird, wenn wir nicht dabei sind, tut weh."

Studenten supendiert

Soziologieprofessor Hughey sagt: Dieses Verhalten ist nicht nur auf Universitätsgeländen zu beobachten. Es ist allgegenwärtig in der US-Gesellschaft.

"Unser Land ist hochgradig von Rassentrennung bestimmt. Es hat Tradition, dass weiße Zuschauer afroamerikanische Entertainer und Athleten anfeuern während sie ihnen gleichzeitig Gleichberechtigung vorenthalten. Dieses Paradox steht im Zentrum von Rassismus in den USA."

Das Gebäude der Sigma Alpha Epsilon Studentenverbindung von Oklahoma University ist inzwischen verbarrikadiert, alle Mitglieder mussten sich eine andere Unterkunft suchen. Zwei Studenten aus dem Video sind suspendiert und haben sich entschuldigt. Der SAE-Ortsverband hat Anwälte eingeschaltet. Sie prüfen, ob die Pauschalverurteilungen rechtmäßig sind und ob der rassistische Liedtext durch das Recht auf Meinungsfreiheit geschützt ist. Professor Hughey fordert eine breiter angelegte Diskussion:

"Wir müssen Diskussion und Analyse auf alltägliche Formen von Ungerechtigkeit lenken und dürfen uns nicht ablenken lassen von einem Vorfall, in dem ein paar Menschen scharfen Rassismus zeigen, wie auf dem Video."

 

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