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StartseiteKommentare und Themen der WochePräsident Trump ist kein Kriegstreiber21.06.2019

US-Vergeltungsangriff gestopptPräsident Trump ist kein Kriegstreiber

US-Präsident Donald Trump geht einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Iran aus dem Weg: er verfolge eine andere Strategie, kommentiert Philipp May. Diese sei aber nicht besser, sondern nur viel gefährlicher - maximaler Druck auf das iranische Regime, bis es von innen in sich zusammenfällt.

Von Philipp May

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Ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug des Typs "RQ-4A Global Hawk" steht auf einem Rollfeld (US Air Force/Darrion Brownin)
Eine solche US-Drohne wurde vor der Küste des Iran abgeschossen (US Air Force/Darrion Brownin)

Man kann, man muss über Trump viel Kritisches sagen, aber: Ein Kriegstreiber ist er nicht. Das allein ist wohl der Grund, warum es gestern Nacht nicht zu einem Militärschlag im Iran gekommen ist, der das Zeug gehabt hätte, den Flächenbrand im mittleren Osten vollends neu zu entfachen. Doch es ist irritierend, fast schon verstörend, wie nah sich der US-Präsident, der Oberbefehlshaber der mit weitem Abstand mächtigsten Armee dieser Welt, an den äußersten Rand einer militärischen Konfrontation hat treiben lassen, die er selbst so wohl nie wollte.

Aus gutem Grund: Denn die USA mit Soldaten im Nachbarland Irak sind in der Region verwundbar. Ein Luftschlag gegen den Iran würde wohl eine Gegenreaktion des Mullah Regimes nach sich ziehen. Ein Ende wäre wieder nicht absehbar. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hat einen Grund: Der Ausstieg der USA aus dem Atomdeal mit dem Iran. Um es direkt vorweg zu sagen: Es gab und gibt gute Gründe, den Deal zu kritisieren. Der Iran hat in den Jahren des Deals seinen Einfluss im mittleren Osten massiv ausgebaut.

Druck von außen ist kein Mittel gegen autoritäre Regime

Und dieser iranische Einfluss, die Stärkung der schiitischen Milizen, wie beispielsweise der Hisbollah, hat die Region nicht friedlicher gemacht. Doch immerhin hat der Vertrag, den Trumps Vorgänger Obama maßgeblich vorangetrieben hatte, den Iran vom Bau einer Atombombe abgehalten. Und darum ging es nun einmal. Und wenn man einen Vertrag – gemeinsam ausgehandelt mit seinen vermeintlich engsten Verbündeten – kündigt, dann sollte man auch gleichzeitig eine bessere Strategie haben.

Und Trumps Strategie ist nicht besser, wie sich jetzt zeigt, sondern nur viel gefährlicher. Sie klingt erst einmal gar nicht so unplausibel: Maximaler Druck auf den Iran, bis das Regime - am besten von innen – in sich zusammenfällt. Doch erstens sind Regime unter Druck meistens sehr zäh, siehe Nordkorea oder auch Venezuela. Und zweitens herrschen in Trumps Lager offensichtlich ziemlich unterschiedliche Vorstellungen davon, was genau unter "Maximalem Druck" zu verstehen ist. 

Trump hat keine politischen Strategen in seiner Regierung

Trump sitzen die Falken im Nacken, in seiner Partei und an seinem Kabinettstisch: Dort haben mittlerweile Kriegstreiber das sagen. Zum Beispiel der nationale Sicherheitsberater John Bolton. Der war schon in der Bush-Administration einer der Treiber für den unheilvollen Irak-Krieg. Mäßigende, die Konsequenzen sauber abwägende Stimmen, wie Verteidigungsminister Jim Mattis haben längst hingeworfen.

Es scheint, als sei nur noch eine letzte Sicherheitslinie übrig geblieben, die die USA vor einem neuen Militärkonflikt abhält: Trump selbst. Ein Luftangriff mit möglicherweise 150 Toten wäre eine unverhältnismäßige Antwort auf einen Abschuss einer unbemannten Drohne gewesen, twitterte er. Daher habe er den Angriff zehn Minuten vor Ausführung abgeblasen. Trump als Stimme der Vernunft in der US-Regierung? Es sind beunruhigende Zeiten.

 

Philipp May (Deutschlandradio/ Bettina Fürst-Fastré) (Deutschlandradio/ Bettina Fürst-Fastré)Philipp May wurde 1980 in Schleswig geboren. Er studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule in Köln mit dem Schwerpunkt Medien und Kommunikation. Nach diversen journalistischen Stationen in Deutschland und Australien volontierte er bei Antenne Bayern. Seit März 2011 ist er Redakteur und Moderator beim Deutschlandfunk; erst in der Sportredaktion, jetzt im Zeitfunk.

 

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