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StartseiteSport am WochenendeWie Sportler zu Wahlkämpfern werden01.11.2020

US-WahlWie Sportler zu Wahlkämpfern werden

"Wir wollen den Wechsel - geht wählen": Mit diesen Worten und einer großen Kampagne versucht LeBron James Wählerstimmen für die Demokraten zu mobilisieren. Und der Basketballprofi ist nicht die einzige prominente Stimme aus dem Sport, die im US-Wahlkampf deutlich zu hören ist.

Von Doris Simon

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LeBron James im Trikot der LA Lakers (imago sportfotodienst)
Basketballstar LeBron James ist im aktuellen US-Wahlkampf eine der prominentesten Stimmen aus dem Sport. (imago sportfotodienst)
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Dem King entkommt in diesen Wochen niemand. LeBron James ist überall, wie hier in einer eigenen Fernsehshow mit Barack Obama: Ob in seinen Social-Auftritten oder in seiner riesigen Kampagne zur Wählermobilisierung, oder in haushohen Billboardanzeigen in New York und vielen anderen Städten, die Botschaft ist immer dieselbe: Es liegt an Euch, wir wollen den Wechsel, geht wählen.

More than a vote, mehr als eine Stimme – das ist die Kampagne des Basketballstars. LeBron James ist in diesen Wochen im Dauereinsatz, um Stimmen für die Demokraten zu mobilisieren. 2016 soll sich nicht wiederholen: Damals waren viele schwarze US-Amerikaner zu Hause geblieben, Stimmen, die Hillary Clinton am Ende fehlten. Diesmal dürfe keiner auf der Couch bleiben, warnt der vierfache Meisterschaftsgewinner, es sei ein entscheidender Moment.

Vier Jahre Donald Trump sind für den Superstar des US-Basketball und andere NBA-Spieler wie Steph Curry von den Golden State Warriors, Kevin Durant von den Brooklyn Nets oder Chris Paul von den Oklahoma City Thunder gleichbedeutend mit Dutzenden von afroamerikanischen Toten durch Polizeigewalt, Trumps Unwillen, zu agieren, seine Unterstützung weißer Milizen. Vor jungen Basketballern in North Carolina sprechen Chris Paul und Steph Curry in einem Video darüber, wie wichtig wählen ist, und dann kommt Joe Biden in die Turnhalle: "dein Freund", sagt Paul zu Curry.

Lauter und wirkungsvoller Protest von US-Sportstars

Politisches Engagement von Sportlern habe es in den USA schon immer gegeben, sagt der Soziologe und frühere Spitzensportler Dr. Harry Edwards. Edwards, ein Zwei-Meter-Mann mit Prediger-Stimme, war Impulsgeber der Black Power Protestaktionen bei Olympia 1968 in Mexiko, der Spieler mit der gereckten Faust - heute berät er Spitzensportler zu politischem Engagement. Über ein Jahrhundert lang sei es um Protest gegangen: gegen Diskriminierung, Rassismus, Gewalt. Das sei jetzt anders, so Edwards gegenüber dem Deutschlandfunk: In diesem Sommer hätten die Spieler nicht protestiert, sondern Clubbosse, Fans, das ganze Land ihre Macht spüren lassen. Nach den Schüssen eines Polizisten auf den Afroamerikaner Jacob Blake in Kenosha streikten die Spieler, die Liga stand still:

"Eine Basketball-Liga musste stoppen und die Aufmerksamkeit auf das richten, was für sie (die Spieler, Anm. der Red.) eine höhere Priorität hatte. Das war eine Machtdemonstration", so beschreibt es Edwards. Am Ende stimmte die Liga zu, sich für ein Ende der Wählerbehinderung einzusetzen, für Reformen bei der Polizei und im Strafrecht. Ein weiteres Ergebnis des Streiks: Viele Stadien dienen in diesen Corona-Tagen als Wahllokale.

Diese Aktionen der Spieler stünden im Zeichen und würden befeuert von den BlackLivesMatter-Protesten, sagt Soziologe Edwards. Das politische Engagement der Spitzensportler ist inzwischen breit akzeptiert. Die Repubikaner und ihre Unterstützer haben lauten Widerstand aufgegeben.

Wenige Spitzensportler unterstützen öffentlich Trump

"Shut up and dribble - Halt die Klappe und dribbel", hatte Fox-Moderatorin Laura Ingraham vor zwei Jahren noch über LeBronJames und Kevin Durant gesagt. Heute scheint die Angst groß zu sein, mit Kritik noch mehr Wähler zu vergraulen. Präsident Trump hat so gut wie keine Unterstützer im Spitzensport, jedenfalls keine, die darüber öffentlich reden. Ausnahme sind ein paar Wrestler, der frühere Basketballstar Shaquille O'Neal und Trumps alter Football-Freund Hersch Walker. Der beteuerte auf dem Parteitag der Republikaner, er komme aus den Südstaaten und habe Rassisten erlebt. Der Präsident sei keiner.

Umso breiter ist dieses Mal die Unterstützung für Joe Biden und Kamala Harris Fussballweltmeisterin Megan Rapinoe sagte Sports Illustrated schon im letzten Jahr, jetzt gehe es darum, diesen ZITAT "Wahnsinnigen" aus dem Weißen Haus raus zu bekommen. Sie könne Leute gut motivieren, und würde an jede Tür klopfen, um Menschen zur Stimmabgabe zu bewegen. Bei einer virtuellen Schalte mit Joe und Jill Biden auf ihrem Channel überraschte Rapinoe im Juni den demokratischen Kandidaten: Sie könne auch Vizepräsidentin.

Die frühere Eiskunstläuferin Michelle Kwan unterstützt Joe Biden noch länger: Der frühere Vizepräsident bekomme auch schwierige Dinge hin, begründete die chinesischstämmige Kwan im April 2019 ihren Einstieg in das Wahlkampfteam. In diesen Wochen spricht sie häufig asiatisch-amerikanische US-Wähler an.

Soziologe Harry Edwards ist sicher, dass die aktiven und früheren Spitzensportler tatsächlich viele US-Bürger motivieren können: Der Kontext stimme, die Appelle der Idole, unbedingt wählen zu gehen und den Demokraten ihre Stimme zu geben, passten zur Erfahrung vieler Wähler, dass es so wie die letzten Jahre nicht weitergehe. Die Leute seien einfach erschöpft, sie hielten das Chaos nicht mehr aus, ist Edwards überzeugt.

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