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StartseiteInformationen am MorgenUnd wieder Empörung über Trump 02.08.2016

US-WahlkampfUnd wieder Empörung über Trump

Nach den Anfeindungen gegen ein Ehepaar, dessen Sohn im Irak-Krieg fiel, wird die Kritik an Donald Trump noch lauter. Doch bislang wagt niemand, ihn zur Mäßigung aufzurufen - bis auf seinen republikanischen Parteikollegen John McCain. In den Umfragen führt wieder die Demokratin Clinton.

Von Thilo Kößler

Donald Trump auf dem Nominierungsparteitag der US-Republikaner (picture alliance / dpa / EPA / David Maxwell)
Donald Trump auf dem Nominierungsparteitag der US-Republikaner (picture alliance / dpa / EPA / David Maxwell)
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Die Kritik wird immer lauter: Donald Trumps abfällige Bemerkungen über ein muslimisches Ehepaar, das einen Sohn als Soldaten im Irak-Krieg verlor, erregt den Unmut selbst in den eigenen Reihen der Republikaner. Es war Senator John McCain, einer der Parteigranden und selbst ehemaliger Soldat der US-Armee und Kriegsgefangener in Vietnam, der Donald Trump in einer schriftlichen Erklärung scharf kritisierte: Die Tatsache, dass die Republikanische Partei Donald Trump das Amt des Spitzenkandidaten übertragen habe, sei noch kein Freibrief, um die Besten unserer Gesellschaft zu diffamieren, schrieb McCain empört. Trump habe die Eltern eines gefallenen Soldaten in Misskredit gebracht. Er, McCain, könne nur hoffen, dass die Amerikaner nicht die republikanische Partei insgesamt für diese Entgleisung verantwortlich machten.

Vorwürfe gegen Trump

Die Vorgeschichte führt auf die Bühne des demokratischen Parteitages vergangene Woche in Philadelphia zurück. Da hatte ein muslimisches Ehepaar heftige Vorwürfe gegen Donald Trump erhoben – Khizr und Ghazala Khan erinnerten an ihren Sohn, der im Irak als Soldat gefallen war – und sie warfen Trump vor, muslimische Mitbürger auszugrenzen, amerikanische Bürger nach Religionszugehörigkeit zu unterscheiden und damit die Verfassung zu verletzen. Während seine Frau Ghazala schweigend neben ihm stand, zog Khizr Khan ein abgegriffenes Taschenexemplar der amerikanischen Verfassung aus dem Jackett und fragte, ob Trump sie jemals gelesen habe. Gerne sei er bereit, ihm sein Exemplar auszuleihen.

Während ihr Sohn für Amerika sein Leben gelassen habe, habe Donald Trump keinerlei Opfer für sein Land gebracht. Donald Trump reagierte zunächst über Twitter, stellte Mutmaßungen darüber an, wer diese Rede wohl geschrieben habe; beklagte sich darüber, von dem Elternpaar brutal angegriffen worden zu sein und erklärte schließlich in einem Interview, er bringe auch Opfer, indem er sehr, sehr hart arbeite. Trump äußerte außerdem die Vermutung, Ghazala Khan, die Mutter des Gefallenen, habe auf der Bühne nichts gesagt, weil sie vielleicht nichts habe sagen dürfen.

Gemeinsames Interview

Das empörte das Ehepaar derart, dass es sich zu gemeinsamen Interviews entschloss: Ghazala Khan stellte klar, dass sie niemals daran gehindert worden sei, ihre Meinung zu sagen. Aber sie hätte befürchtet, auf der Bühne von ihren Gefühlen überwältigt zu werden. 

Und auch Khizr Khan fühlte sich von den Äußerungen Donald Trumps zutiefst verletzt – sie seien Beweis für seine Ignoranz und seine Unfähigkeit zur Empathie. Irgendjemand müsse doch Donald Trump einmal erklären, dass jeder in den USA Anspruch auf gleiche Rechte und dieselbe Würde habe.

Neben John McCain fühlen sich mittlerweile auch andere Republikaner zur Schadensbegrenzung aufgerufen – die Ehre eines gefallenen Soldaten infrage zu stellen und die Gefühle der Hinterbliebenen zu verletzen, ist ein allzu offensichtlicher Tabubruch: Im Laufe des Tages würdigte der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell den Gefallenen als "amerikanischen Helden". Der Chef des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, erklärte, Opfer wie das der Familie Khan sollten immer in Ehren gehalten werden. Doch niemand außer John McCain wagte es, Donald Trump direkt zu kritisieren und zur Mäßigung aufzurufen. Einer seiner engsten Berater etwa, Ex-General Michael Flyn, bemerkte, er habe Trump nicht vorzuschreiben, was er zu tun und zu lassen habe.

Angeblich bemüht sich das Team Donald Trumps mittlerweile um aktive Unterstützung republikanischer Parteifreunde im Kongress. Doch auch sie dürften sorgenvoll auf die letzten Umfragewerte blicken: Den jüngsten Erhebungen zufolge führt jetzt Hillary Clinton mit sieben Prozentpunkten vor Donald Trump.

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