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Startseite@mediasresWahlempfehlungen - kontrovers aber wirkungslos?03.11.2020

US-ZeitungenWahlempfehlungen - kontrovers aber wirkungslos?

In Deutschland sind sie eine große Ausnahme, in den USA gehören sie dagegen zum Alltag im Wahlkampf: Wahlempfehlungen in Zeitungen. In diesem Jahr rät die deutliche Mehrheit dazu, den demokratischen Kandidaten zu wählen - wie schon 2016. Doch etwas ist anders als vor vier Jahren.

Von Kerstin Zilm

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Wählerinnen und Wähler am 30. Oktober 2020 in einer Schlange vor einem Wahllokal im kalifornischen Yorba Linda, USA (imago images / Jeff Gritchen)
Die US-Wahl 2020 ist in vielerlei Hinsicht anders als vorherige Wahlen - auch was die traditionellen Wahlempfehlungen von US-Zeitungen angeht (imago images / Jeff Gritchen)
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In diesem Jahr empfehlen auch traditionell konservative Zeitungen, den Demokraten Joe Biden zu wählen, wie der "Austin American Statesman" aus Texas und die "Chicago Tribune". Sogar Publikationen, die noch nie eine Empfehlung gegeben haben, raten dazu, gegen Trump zu stimmen. 

Die älteste Wissenschaftszeitung der USA –"The Scientific American" - hat sich 175 Jahre lang aus Wahlkämpfen herausgehalten. Bis jetzt. Chefredakteurin Laura Helmuth in einem NPR-Interview:

"Donald Trump ist ein ungewöhnlicher Präsident. Sein Verhältnis zur Realität und zu wissenschaftlichen Beweisen ist sehr speziell. Angesichts der vielen Verschwörungstheorien und Falschinformationen, die er verbreitet, hoffen wir, dass alle, denen Wissenschaft etwas bedeutet, diesmal Biden wählen."

Die "New York Times" war die erste US-Tageszeitung, die jemals einen Kandidaten empfahl: am 11. Oktober 1860 warb sie für Abraham Lincoln. Zu der Zeit waren Zeitungen sehr offen parteiisch. Erst im 20. Jahrhundert änderte sich das. 

Trennung von Meinung und Nachrichten

US-Zeitungen trennten ihre Nachrichten-Redaktionen von den Meinungsseiten, erklärt Robert Moore, ehemaliger leitender Redakteur der "El Paso Times".

"Im Idealfall, in größeren Redaktionen, gibt es bis heute Kommentatoren, die nichts mit der Nachrichtenredaktion zu tun haben. Aber das ist schwer durchzuhalten, besonders bei kleineren Zeitungen. Die Öffentlichkeit versteht diese Trennung sowieso kaum, und glaubt nicht an sie, aus gutem Grund."

Stimmabgabe für die Präsidentschaftswahl 2020 im Brooklyn Museum in New York City (Angela Weiss / AFP) (Angela Weiss / AFP)Der Weg ins Weiße Haus - Wie funktioniert das US-Wahlsystem? 
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Die Trennung sei künstlich, sagt Moore. Für Leserinnen und Leser sei in der Regel die politische Ausrichtung einer Zeitung leicht erkennbar, egal ob "New York Times", "Wall Street Journal" oder "Palm Beach Post".

Morddrohungen nach Wahlempfehlung 2016

Wenn eine Zeitung eine Wahlempfehlung gegen den Strich ihrer üblichen Berichterstattung und Kommentare abgibt, kann das schwere Konsequenzen haben. 

Fotomontage mit Bildern aus Wahlkampfauftritten von Donald Trump und Joe Biden, dern zwei Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen in den USA am 3. November 2020 (AFP / Angela Weiss / Saul Loeb)Joe Biden oder Donald Trump - mit jeder Empfehlung riskieren Zeitungen, Abonnenten zu verlieren (AFP / Angela Weiss / Saul Loeb)

Beispiel "Arizona Republic": 2016 unterstützte das Blatt zum ersten Mal in seiner 126-jährigen Geschichte nicht den Kandidaten der Republikaner, Donald Trump, sondern empfahl, Hillary Clinton zu wählen.

Die erste Morddrohung sei um neun Uhr morgens gekommen, sagt Herausgeberin Mi-Ai Parrish in einem CBS-Interview. Alle zehn Minuten wurde ein Abo gekündigt. E-Mails voller Hass und Beleidigungen füllten ihre Nachrichtenbox.

Smartphone auf dessen Display die Twitter-Nachricht "Four more years" von Barack Obama angezeigt wird.  (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand) (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)Social-Media-Kampagnen - Kampf um jede einzelne Stimme 
Auf Facebook und Co. wollen Joe Biden und Donald Trump auch kurz vor der US-Präsidentschaftswahl noch potenzielle Wähler erreichen und geben viel Geld für sogenanntes Microtargeting aus.

Parrish sagt, Präsident Trump stachle diese verbalen Ausfälle mit seiner Rhetorik an: "Leute haben Angst, sich zu wehren und zu sagen: Das ist nicht cool. Das ist nicht Amerika, es muss nicht so scheußlich sein."

In diesem Jahr gibt die "Arizona Republic" keine Wahlempfehlung ab.

"Empfehlungen, die keine Meinung ändern werden"

Es gibt auch ein paar regional wichtige Zeitungen, die 2016 Hillary Clinton oder den Libertarian Gary Johnson unterstützten und nun Donald Trump empfehlen. Dazu gehört die "Spokesman Review" aus dem Bundesstaat Washington im US-Nordwesten.

"Donald Trump ist ein Bully und ein Eiferer. Wir empfehlen trotzdem, ihn zu wählen, " schreibt das Blatt, und weiter: "Die Politik, die Joe Biden und seine Unterstützer dieser Nation aufdrücken würden, wäre schlimmer."

Ein Mann steht mit Maske am 24.10.2020 an einer Wahl-Station im Madison Square Garden in New York City (imago images / Levine-Roberts) (imago images / Levine-Roberts)US-Präsidentschaftswahl 2020 – der Zeitplan
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Mit jeder Empfehlung riskieren Zeitungen, Abonnenten zu verlieren. Einfluss auf den Wahlausgang hätten sie dagegen kaum, sagt Robert Moore.

"Das ist die große Ironie an all dem. In einer Zeit, wo sie darum kämpfen, Leser zu gewinnen, geben sie diese kontroversen Empfehlungen, die keine Meinung ändern werden."

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg) (picture alliance / Wolfram Steinberg)

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