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StartseiteKommentare und Themen der WocheEingeknickt vor Donald Trump01.08.2019

US-ZinsentscheidEingeknickt vor Donald Trump

Die Zinssenkung durch die US-Notenbank könnte fatale Folgen haben, kommentiert Eva Bahner. Der bislang standhafte Fed-Chef Jerome Powell muss sich den Vorwurf gefallen lassen, er habe sich Forderungen von Präsident Donald Trump gebeugt - und dabei auch noch den Geldhahn zu früh aufgedreht.

Von Eva Bahner

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US-Präsident Donald  Trump (r.) und US-Notenbank-Chef Jerome Powell (picture alliance / Photoshot)
Die Zinssenkung der US-Notenbank unter Jerome Powell (l.) sei ökonomisch nur schwer zu rechtfertigen, meint Eva Bahner (picture alliance / Photoshot)
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Die Arbeitslosigkeit steigt, Amerikaner schnüren den Gürtel enger, das Wachstum bricht dramatisch ein, die Wall Street gerät ins Schlingern – nichts fürchtet ein US-Präsident mehr als dieses Szenario: eine Wirtschaftskrise im Wahljahr. Dass Donald Trump, der um jeden Preis wiedergewählt werden will, alle Hebel in Bewegung setzt, um die Wirtschaft am Laufen und die Wähler bei Stimmung zu halten, ist also durchaus nachvollziehbar. Dazu gehört in der Trump'schen Welt eben auch die Schützenhilfe der Notenbank, die - Unabhängigkeit hin oder her - gefälligst mit niedrigen Zinsen für den nötigen Schmierstoff sorgen soll.

Nicht nachvollziehbar ist allerdings, dass Fed-Chef Jerome Powell, der lange Trump die Stirn geboten hat, dieses gar so durchsichtige Spiel nun doch mitspielt: mit einer Zinssenkung, die ökonomisch nur schwer zu rechtfertigen ist. Das fanden auch zwei Fed-Mitglieder, die im Ausschuss dagegen stimmten. Die Arbeitslosigkeit verharrt noch immer auf einem Rekordtief, die US-Wirtschaft wächst mit ordentlichen zwei Prozent, und auch die amerikanischen Konsumenten sind noch immer in bester Kauflaune. Es fällt also schwer, diese geldpolitische Lockerung, die Trump vehement eingefordert hat, NICHT als ein Einknicken des Notenbank-Chefs zu werten, der seit Monaten Verbalattacken aus dem Weißen Haus ausgesetzt ist.

Fed verspielt leichtfertig Spielraum für Krisenzeiten

Und dabei ist diese Zinssenkung alles andere als eine harmlose Lockerungsübung. Sie mag wie eine kleine Korrektur daherkommen, doch in Wahrheit markiert sie einen historischen Wendepunkt in der Geldpolitik der amerikanischen Währungshüter: das Ende der Normalisierung. Im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank hat es die Fed nämlich geschafft, sich mühsam aus dem Krisenmodus nach der großen Finanzkrise wieder herauszukämpfen. Seit knapp vier Jahren haben die US-Währungshüter die Zinsen wieder angehoben und sich so den Spielraum verschafft, den es braucht für das nächste Krisenmanagement – und den die Fed nun leichtfertig verspielt, ohne ökonomische Notwendigkeit.

Zugegeben: Der von Trump eingesetzte Notenbank-Chef war von Anfang an in einer Zwickmühle: Zum Wahlkampfhelfer wollte sich Powell nicht degradieren lassen, aber am Ende eben auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn der anhaltende Aufschwung der US-Wirtschaft doch wider Erwarten abrupt zum Erliegen kommt, womöglich schon im Wahljahr 2020.

Diese Zinssenkung könnte fatale Folgen haben

Doch bei allem Verständnis für diesen schwierigen Job, der nicht einfacher wird, je näher der Wahltermin rückt: Diese Zinssenkung könnte fatale Folgen haben. Ökonomisch, weil die US-Notenbank als Taktgeberin für Notenbanken in Europa und Asien nun möglicherweise zu früh die Weichen gestellt hat für eine erneute Geldflut.

Politisch, weil Powell mit dieser Zinssenkung die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Fed leichtsinnig aufs Spiel gesetzt hat – und das auch noch, ohne den US-Präsidenten wirklich glücklich zu machen.

Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner wurde 1973 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Volkswirtschaft in Tübingen und Boston, danach Volontariat in der n-tv-Wirtschaftsredaktion und an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Heute arbeitet sie in der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion.

  

 

 

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