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StartseiteEine WeltRepublikaner gegen Trumps Wiederwahl18.07.2020

USA Republikaner gegen Trumps Wiederwahl

Lange haben die Republikaner zu US-Präsident Donald Trump gehalten, doch inzwischen verweigern ihm nicht nur einige Senatoren und Gouverneure die Gefolgschaft. Auch treue Wähler protestieren gegen Trumps Politik und versuchen, seine Wiederwahl im November zu verhindern.

Von Thilo Kößler

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US-Präsident Donald Trump  (picture alliance/dpa - Yuri Gripas/ABACAPRESS.COM)
Am 3. November 2020 findet die nächste US-Präsidentenwahl statt (picture alliance/dpa - Yuri Gripas/ABACAPRESS.COM)
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Josh steht auf einem Feld, er raucht eine Zigarette und filmt sich mit bloßem Oberkörper

"My name is Josh and I live in North Carolina. And I voted for Donald Trump."

Josh kommt aus North Carolina und hat 2016 Donald Trump gewählt. "Das war nicht gerade der stolzeste Moment meines Lebens", sagt er in seine Smartphone-Kamera.

100 solcher ein-minütiger Amateur-Videoclips wollte die Wählerinitiative einsammeln - "Republican Voters against Trump", heißt sie, "Republikanische Wähler gegen Trump". 400 sind es mittlerweile geworden – viele von ihnen unaufgefordert eingesandt, wie auch der Clip von Josh. Die Videos laufen zur besten Sendezeit in den großen Fernsehstationen als sogenannte Testimonials - als authentische Bekenntnisse enttäuschter Trump-Wähler, die wie Josh sagen: Ich wähle zum ersten Mal in meinem Leben einen Demokraten.

"For the first time that I will have voted for a democrat."

Josh würde selbst noch dann Demokraten wählen, wenn sie eine Büchse Tomaten nominieren

Josh sagt, er würde selbst dann nicht mehr Donald Trump wählen, wenn Joe Biden aus irgendeinem Grund aufgeben müsste und die Demokratische Partei eine Büchse Tomaten nominieren würde. Schließlich richte eine Konservendose weit weniger Schaden an, als Donald Trump in einer zweiten Amtszeit.

Das wollte er mal loswerden, sagt Josh zum Schluss. Clark Packard will auch etwas loswerden. Er ist 36 Jahre alt und arbeitet als Anwalt für Handelsrecht in einem großen Think Tank in Washington DC. Und er hat eine ähnliche Botschaft wie Josh.

"I'm a critic of his policies." Er sei ein Kritiker der Politik von Donald Trump, sagt Clark am Telefon - Corona-halber. Trump habe mit den Freihandels-Prinzipien der Republikaner gebrochen und sich zu einer protektionistischen Handelspolitik entschlossen.

Dieser Präsident werde der Würde des Amtes nicht gerecht

Auch charakterlich habe er massive Probleme mit Donald Trump, sagt Clark: Dieser Präsident werde der Würde des Amtes nicht gerecht.

"People should reflect the dignity of the office. I just don´t believe that a President Trump meets the standards that I have in my own mind for that position."

Clark sagt, er habe immer republikanisch gewählt. 2004 George W. Bush. 2008 John McCain. 2012 Mitt Romney. Dann kam 2016 und Clark dachte sich: Donald Trump ist völlig indiskutabel. Deshalb habe er sich jetzt entschlossen, die politischen Lager zu wechseln. Clark will den Demokraten Joe Biden wählen. Nicht nur, weil Joe Biden besser für das Land ist, wie er sagt, sondern auch, weil es besser für die Republikanische Partei sei: Je länger sie an Trump festhalte, desto größer werde der Schaden sie.

"Lincoln Project": Initiative von ehemaligen republikanischen Parteistrategen

Das Wohl des Landes vor dem Wohl der Partei: Das ist auch das Anliegen des "Lincoln Project" – einer Initiative von ehemaligen republikanischen Parteistrategen, die 2016 mitverfolgten, wie die "Never Trump"-Bewegung floppte und im Sande verlief. Seit Anfang dieses Jahres hat das "Lincoln Project" fast 19 Millionen Dollar an Spenden eingesammelt, um mit professionellen Videos eine Wiederwahl Donald Trumps zu verhindern.

Es herrscht Trauer in Amerika, sagt der Sprecher, während Särge von Corona-Opfern zu sehen sind. Unter der Führung Donald Trumps werde das Land schwach und schwächer, kranker und immer ärmer.

Würde es nach einer zweiten Amtszeit überhaupt noch ein Amerika geben?

Der Clip endet mit der besorgten Frage: Wenn diesen vier Trump-Jahren eine zweite Amtszeit folgt, wird es dann überhaupt noch ein Amerika geben? Der Anwalt Clark Packard aus Washington DC hat bisher weder dem "Lincoln Project" noch der Initiative "Republican Voters against Trump" Geld gespendet. Aber er findet die Botschaft dieser Videos einfach nur großartig: Diese Initiativen seien sehr wichtig, sagt Clark: Er glaube zwar nicht, dass sich die 94 Prozent, die Donald Trump in der republikanischen Partei hinter sich weiß, von diesen Videos umstimmen lassen. Aber angesichts der in der Regel sehr knappen Wahlergebnisse könnten Joe Biden am Ende ein paar tausend Stimmen mehr über die Ziellinie helfen.

"I think that it can have a positive impact in helping get Vice President Biden over the finish line."

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