Kommentare und Themen der Woche 05.11.2019

USA-Rückzug aus KlimaabkommenEin Rückschlag, der schwer zu verkraften istVon Georg Ehring

Beitrag hören Eine Figur von Donald Trump greift den Globus an. (imago | epd Umweltschutz)Die Klimapolitik von US-Präsident Donald Trump steht seit Jahren in der Kritik (imago | epd Umweltschutz)

Nicht nur gegenüber der Welt, auch gegenüber der eigenen Bevölkerung ist der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen verantwortungslos, kommentiert Georg Ehring. Kein Land habe in seiner Geschichte mehr Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen als die USA.

Das Gegenteil wäre eine Überraschung gewesen: Wie schon lange angekündigt, vollziehen die USA den Abschied vom Pariser Klimaabkommen. Kein Land weltweit hat in der Geschichte mehr Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen als die USA - doch an der Lösung des Problems will Präsident Donald Trump sich nicht mehr beteiligen. Sein Ziel ist nicht die Rettung des Planeten, sondern ausschließlich die eigene Wiederwahl.

Der nächste US-Präsident wird schon im kommenden Jahr gewählt und Klimaschutz ist eine Aufgabe mit langfristiger Perspektive, also nicht relevant für Donald Trump.

Auch den USA stehen verheerende Schäden ins Haus 

Nicht nur gegenüber der Welt, auch gegenüber der eigenen Bevölkerung ist diese Haltung völlig verantwortungslos. Wissenschaftler aus den USA waren an führender Stelle dabei, als vor Jahrzehnten sämtliche vernünftigen Zweifel an der menschengemachten Erderwärmung widerlegt wurden. Sie zeigen auch heute mit immer neuen Forschungsergebnissen, welche verheerenden Schäden durch Hitzewellen, durch Wirbelstürme ungeahnter Wucht, durch den Anstieg des Meeresspiegels, durch Dürren und Starkregen auch den USA bevor stehen. Und auch der US-Wirtschaft, deren Wohl ihm angeblich so am Herzen liegt, erweist der Präsident einen Bärendienst, wenn die sich dazu verleiten lässt, auf überholte Produkte wie Autos mit verschwenderischen Verbrennungsmotoren oder Kohlekraftwerke zu setzen. Wer will so etwas in einigen Jahren noch kaufen?

Donald Trump kann sich nicht mit Zweifeln am menschengemachten Klimawandel herausreden. Als Präsident der USA wäre er verpflichtet, sich in dieser Frage über den Stand der Forschung zu informieren, es geht nicht um Glauben, sondern um Wissen.

Der Abschied der USA aus der internationalen Verantwortungsgemeinschaft für das Weltklima ist ein Rückschlag, der schwer zu verkraften ist.  Das Bedauern ist in der Tat weltweit: Selbst Russland Regierungssprecher Dmitri Peskow äußerte Kritik, dabei ist sein Land in dieser Hinsicht bisher selbst völlig untätig. Bundesumweltministerin Svenja Schulze verwies in ihrer Reaktion zwar zu Recht darauf, dass der Rest der Welt beim Klimaschutz weiter zusammensteht.

Kein Land der Welt tut bislang genug

Doch was ist das wert? Der Rest der Welt steht zwar zusammen, aber viel mehr als zusammen zu diskutieren und ehrgeizige Ziele zu verkünden, ist bisher nicht dabei herausgekommen. So gut wie kein Land auf der Welt tut bisher genug, um die Erderwärmung wie in Paris beschlossen deutlich unter zwei Grad oder sogar unter 1,5 Grad zu halten. Deutschland und die Europäische Union sind in dieser Hinsicht zwar weiter als viele andere Staaten. Doch allen Bekenntnissen zum Trotz – es hapert auch bei uns an der Umsetzung.

Mehr als 11.000 Wissenschaftler aus aller Welt haben deshalb heute den "Klima-Notfall" ausgerufen. Wenn das menschliche Verhalten, das zum Ausstoß von Treibhausgasen führt, nicht grundlegend verändert werde, sei unsägliches menschliches Leid nicht mehr zu verhindern, so ihr Appell. Er richtet sich nicht nur an die USA und ihren Präsidenten, sondern an die gesamte Weltgemeinschaft – zu Recht.  

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

Mehr zum Thema

Empfehlungen