Dienstag, 20.08.2019
 
StartseiteVerbrauchertippBeta-Carotin-Kapseln schützen nicht vor Sonnenbrand03.07.2019

UV-StrahlenBeta-Carotin-Kapseln schützen nicht vor Sonnenbrand

Einige Hersteller von Beta-Carotin-Kapseln werben damit, dass die Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels die Haut vor Sonnenstrahlen schützt. Verbraucherschützer und Hautärzte widersprechen. Die Tabletten ersetzen keine Sonnencreme und können bei unvorsichtiger Einnahme sogar gesundheitsschädlich sein.

Von Felicitas Boeselager

Beta-Carotin Kapseln  (picture-alliance / dpa / Robert Guenther)
Beta-Carotin Kapseln ersetzen nicht das einschmieren mit Sonnenmilch (picture-alliance / dpa / Robert Guenther)
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Das wäre doch schön, wenn man im Sommer auf das mühsame einschmieren mit Sonnencreme verzichten könnte: Keine weißen Ränder mehr auf den Klamotten, keine klebrige Masse aus Sand und Öl auf der Haut und nicht die Sorge, ob die Creme nach dem Schwimmen noch schützt. Manche Verbraucher glauben, dass sie diesen Effekt durch das Schlucken Beta-Carotin-Kapseln erreichen können, sagt Gertraud Huisinga von der Verbraucherzentrale Bremen:

"So ist unsere Erfahrung, dass viele erst mal nur das lesen womit geworben wird und es wird damit geworben, dass es ein Sonnenschutz ist, indem man diese Beta-Carotin-Kapsel isst, dass man damit praktisch einen Lichtschutzfaktor aufbaut und man eigentlich gar nicht mehr viel machen muss und das stimmt aber nicht."

Natürlicher Sonnenschutz der Haut kann verlängert werden

Beta-Carotin-Kapseln können den natürlichen Sonnenschutz der Haut zwei- bis dreimal verlängern. Das ersetzt aber keine Sonnencreme, ist kein ausreichender Schutz vor Sonnenbrand. Der Bremer Hautarzt Falk Rühlmann erklärt die Wirkungsweise von Beta-Carotin:

"Das Beta-Carotin ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der im Körper zu Vitamin-A umgewandelt werden kann, hat da so ganz verschiedene Aufgaben, zum Beispiel antioxidative Aufgaben, das heißt so zellenschützende Aufgaben, zum anderen ist es am Aufbau von unterschiedlichen Geweben beteiligt, also für den Körper auf jeden Fall wichtig, auf der anderen Seite ist es aber nichts anderes als ein Farbstoff."

Das heißt, wer viel Beta-Carotin zu sich nimmt, dessen Haut verfärbt sich leicht orange-braun – aber das ist eine rein kosmetische Wirkung, kein Sonnenschutz. Der Wirkstoff ist in vielen Gemüse- oder Obstsorten vorhanden, zum Beispiel Grünkohl, Spinat, aber auch in Mango. Dem Körper reicht die Dosis an Beta-Carotin, die wir über die normale Nahrung zu uns nehmen, wir brauchen keine hochdosierte Zufuhr von Beta-Carotin durch Kapseln. Trotzdem können die Kapseln in Einzelfällen helfen, sagt Rühlmann.

"Es gibt bestimmte Krankheitsbilder, wo es in letzter Zeit benutzt wurde, zum Beispiel die Weißfleckenkrankheit, oder auch eine Sonnenallergie, das ist aber nicht immer so gut reproduzierbar. Also: Man kann, wenn man das hat, das durchaus mal probieren, aber nicht zu optimistisch sein über das Ergebnis."

Kapseln können auch gesundheitsgefährdend sein

Außerdem sollte man die Kapseln, wenn überhaupt, immer in Absprache mit dem Hautarzt einnehmen. Und in bestimmten Fällen gelten sie sogar als gesundheitsgefährdend, sagt Verbraucherschützerin Huisinga:

"Es müssten auch unserer Meinung nach mehr Hinweise drauf stehen, wenn die höher dosiert sind, dass es zum Beispiel kritisch ist für Raucher, weil es hat da nämlich Untersuchungen gegeben, vor ein paar Jahren, wenn es um Lungenkrebs ging, hat man festgestellt, dass es eine Wirkung hat, wenn man Beta-Carotin gibt, dann hat man das sehr hoch dosiert Krebspatienten gegeben und hat dann aber festgestellt, dass das eher nachteilig war."

Raucher sollten also am besten ganz auf die Kapseln verzichten. Für sie, wie für alle anderen aber gilt: Verlässlichen Sonnenschutz bieten nur Sonnencremes. Auch hier kann man sich in der Apotheke oder vom Hautarzt beraten lassen. Schließlich ist jeder Hauttyp anders, braucht einen anderen Sonnenschutz. Für alle gilt: Nicht zu lange braten, Mittagssonne vermeiden und regelmäßig eincremen.

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