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StartseiteBüchermarktZwischen Wahnsinn und Utopie16.03.2020

Uwe Timm: "Der Verrückte in den Dünen"Zwischen Wahnsinn und Utopie

Seit einem halben Jahrhundert begleitet Uwe Timm die deutsche Gegenwartsliteratur. Kurz vor seinem 80. Geburtstag fragt Uwe Timm danach, was die Literatur und die Utopie gemeinsam haben: "Literatur ist eine vorgestellte Welt", sagt Uwe Timm im Deutschlandfunk.

Uwe Timm im Gespräch mit Tanya Lieske

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Uwe Timm, deutscher Schriftsteller, aufgenommen 2015 in Mainz (picture alliance / Erwin Elsner)
Uwe Timm hat einen neuen Essayband über Utopien geschrieben (picture alliance / Erwin Elsner)
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Ausgehend von seinem neuen Essayband "Der Verrückte in den Dünen" spricht Uwe Timm über den Stellenwert von Utopien heute.

Als geschlossene Systeme und Gedankengebäude wie etwa der Marxismus seien Utopien nicht verwirklichbar, weil sie die Emotionen des Menschen nicht mit bedacht hätten. Anders sei es mit dem Projekt des titelgebenden "Verrückten in den Dünen" geschehen. Diesem Mann namens Silvio Idaho Gesell ist es 1931 gelungen, eine Stadt in den Sanddünen von Argentinien zu gründen. Die kleine Gemeinschaft, die dort siedelte, sollte nach strengen sittlichen Regeln funktionieren. Doch heute, sagt Uwe Timm, sei die Villa Gesell eine "Glücksritterstadt", eine Stadt in der fleißig der Cuba Libre getrunke würde, eine Stadt der jungen Menschen und "voller Lust". Sie habe überlebt, im Gegensatz zu anderen utopischen Projekten, die an ihrer Strenge gescheitert sind.

Utopien, wörtlich "Nicht-Orte", sind für Uwe Timm der Literatur verwandt: Die Sprache habe die Möglichkeit des Konditionals. "Literatur ist eine vorgestellte Welt", erklärt Uwe Timm und weist in einem Nachgedanken auf die Nähe einer jeden Utopie zur Dystopie hin: Aus dem Schrecken erwachse der Wille zur Veränderung.

Utopische Bewegungen waren stark zur Zeit der Studentenbewegung, das war das Jahrzehnt, in dem die schriftstellerischen Anfänge des Autors liegen. Uwe Timm sieht einen Neubeginn von Utopien in der heutigen Gegenwart etwa in der Bewegung "Fridays for Future" um Greta Thunberg. "Es geht um eine Politik, die mit der Natur versöhnt und nicht nur Raubbau treibt", so Uwe Timm.

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk dankt der Autor, der am 30. April 80 Jahre alt wird, auch seinen vielen Lesern, "die meine Bücher kaufen, lesen und offensichtlich auch weiter empfehlen"

Uwe Timm: "Der Verrückte in den Dünen"
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln. 256 Seiten, 20 Euro.

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