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StartseiteKultur heuteBlumen, Obst und Wagemut25.10.2019

Van Gogh im Museum BarberiniBlumen, Obst und Wagemut

Geld für Modelle hatte er nicht, und immer nur Landschaften waren irgendwann langweilig. Also nutze van Gogh Stillleben, um vom zaghaften Amateur zum großartigen Farbmaler zu werden. Eine Ausstellung in Potsdam konzentriert sich nun zum ersten Mal auf diese Werkgruppe.

Carsten Probst im Gespräch mit Mascha Drost

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Zwei Mitarbeiter des Aufbauteams hängen beim Aufbau der Ausstellung „Van Gogh. Stillleben" im Museum Barberini das Werk „Vase mit roten Gladiolen, 1886" des Malers Vincent van Gogh (Foto: Christoph Soeder/dpa)
Farbe ausprobieren: Vincent van Goghs „Vase mit roten Gladiolen" von 1886 (Foto: Christoph Soeder/dpa)
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Berühmt sind seine Landschaften mit Getreidefeldern, die Ansichten von Paris - und vor allem die "Sonnenblumen", von denen es mehrere Fassungen gibt. Eine Ausstellung, die sich nur auf die Stillleben Vincent van Goghs konzentriert, hat es aber bislang nicht gegeben. Dabei ist es gerade diese Werkgruppe, in der sich der Maler ausprobieren konnte. Vor allem in den Blumenbildern, deren Höhepunkt die Sonnenblumen-Serie darstellt, experimentierte van Gogh mit Form und vor allem mit Farbe.

Die Potsdamer Ausstellung belegt nun, wie sich der Autodidakt erst langsam von den dunklen, erdtonigen Kartoffel- und Apfelbildern seiner frühen Jahre in den Niederlanden, von Arrangements mit Vogelnestern und Tonflaschen zu jenem Meister der Farbmalerei entwickelt, als der er heute berühmt ist. Schon das erste bekannte Van Gogh-Gemälde war ein Stillleben, für das er einen Kohlkopf neben Holzschuhe legte, so Probst: "Das ist am Anfang noch nicht der Kolorist, den wir in Paris aufblühen sehen."

"Keine Fingerübungen mehr"

In der französischen Hauptstadt, wo Vincent van Gogh von 1886 bis 1888 bei seinem Bruder Theo, einem erfolgreichen Kunsthändler, lebte, lernte er auch die Impressionisten kennen. Allein in dieser Zeit seien über 30 Blumenstillleben entstanden, bei denen er sich am bewunderten Vorbild, dem französischen Maler Adolphe Monticelli, orientierte, sagte Carsten Probst in "Kultur heute": "Aber er geht - etwa in einem Fliederbild - auch erkennbar eigene Wege. Und später haben wir in seinen Bildern immer diese entgegengesetzten Schraffuren. Das sind keine Fingerübungen mehr."

Vieles nicht mehr ausleihbar

Ein Fünftel aller bekannten Van Gogh-Gemälde seien Stillleben. 27 davon seien nun in Potsdam zu sehen. So spät komme die erste Ausstellung dieser Werkgruppe auch, erklärte Carsten Probst im Deutschlandfunk, weil der Van Gogh-Mythos sehr lange das Bild vom vor allen farbenstarken Landschafts- und Porträtmaler vorgegeben habe und die Erwartungen entsprechend waren.

Berühmte Werke wie die "Sonnenblumen" oder die "Schwertlilien" seien im Museum Barberini ebenso wenig zu sehen wie andere berühmte Stillleben des Niederländers. Diese Bilder werden von den Museen, die sie besitzen, nicht mehr ausgeliehen. Dafür sei es aber gelungen, einige Bilder aus Privatbesitz zu zeigen, die in der Vergangenheit nur selten in der Öffentlichkeit zu sehen waren: "Der Nachweis, dass man die Stillleben von van Gogh nicht in die zweite Reihe setzten sollte, ist gelungen - durchaus beeindruckend."

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