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StartseiteWirtschaft und GesellschaftVattenfall trennt Europageschäft ab23.07.2013

Vattenfall trennt Europageschäft ab

Veränderte Konzernstruktur soll dem Unternehmen neuen Schwung bringen

Eine gewöhnliche Bilanz-Pressekonferenz war das nicht, zu der der schwedische Energiekonzern Vattenfall geladen hatte. Vielmehr sollte der Ernst der Situation hervorgehoben werden. Und ernst ist die Lage allemal. Das Sparprogramm wird erneut verschärft, das komplette Unternehmen neu aufgeteilt.

Von Tim Krohn

Die Netzleitwarte von Vattenfall in Berlin. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
Die Netzleitwarte von Vattenfall in Berlin. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)

Wenn der Chef vorsichtshalber gleich noch seinen Aufsichtsrats-Boss zu sich auf die Bühne holt, dann merkt man schnell: Das hier wird keine gewöhnliche Bilanz-PK:

"Der Grund, weshalb wir heute beide zusammen hier auf der Bühne stehen, ist der, dass wir den Ernst der Situation, in der sich Vattenfall befindet, unterstreichen wollen."

Wie ernst es tatsächlich ist, daran ließ Lars Nordström, der Aufsichtsrats-vorsitzende bei Vattenfall, kaum einen Zweifel. Das Sparprogramm des
Energiekonzerns wird noch einmal verschärft, das ganze Riesen-Unternehmen neu aufgeteilt.

Ab 2014 werden die Geschäftsfelder in Kontinental-Europa und Großbritannien von den Unternehmensgeschäften in Skandinavien abgetrennt. Außerhalb des Heimatmarktes in Schweden hat dann der Deutschland-Manager Tuomo Hatakka das Sagen.

Vattenfall spricht von trüben Geschäftsaussichten vor allem in Deutschland und den Niederlanden. Die Ertragsmargen sind gering, die Preise an den Strombörsen so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Schwedens Finanzmarkt-Minister Peter Norman macht es konkret:

"Vattenfall hat drei Problembereiche: Das sind die Kohle in Deutschland, die Atomkraft in Deutschland und Gas in Holland."

Umgerechnet knapp dreieinhalb Milliarden Euro muss Vattenfall bei seinen Vermögenswerten abschreiben. Die deutschen Steinkohle-Kraftwerke schlagen dabei mit rund 500 Millionen zu Buche. Der holländische Gaskonzern Nuon kostet die Schweden sogar knapp 1,7 Milliarden.

Die schwedische Zeitung "Dagens Industri" spricht bereits von einer Katastrophe. Mit dem Staatsunternehmen Vattenfall stünde Schwedens Tafelsilber auf dem Spiel.

"Alles hausgemachte Probleme", meint der Stockholmer Wirtschaftsjournalist Claes Aronsson.

"Sie haben viel zu schnell überall investiert. Sie haben im Prinzip alles gekauft, was sie kaufen konnten. Das ging viel zu schnell. Man kann also sagen, dass Vattenfall jetzt endlich mal die Handbremse zieht."

Nicht auszuschließen, dass bei diesem Bremsmanöver noch einige auf der Strecke bleiben. Vattenfall hat die Sparvorgaben für das kommende Jahr erhöht und einen weiteren Stellenabbau ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Die Konzernspitze in Stockholm verhängt einen Einstellungs-Stopp.

"Ich möchte nicht sagen, dass Vattenfall vor dem Abgrund steht oder so. Aber jetzt ist die Zeit, in der wirklich große Veränderungen gemacht werden müssen. Um Ordnung reinzubringen in diesem großen Unternehmen."

Ordnung oder Kahlschlag? Bei Vattenfall scheint auch der Verkauf des Europa-Geschäftes nicht mehr ausgeschlossen. Man wolle "die Risiken langfristig teilen", heißt es aus der Konzernspitze.

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