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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Keine so gute Idee für Schwangere und Kinder"18.10.2017

Vegane Ernährung"Keine so gute Idee für Schwangere und Kinder"

Einer Studie des Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge haben Veganer ein gutes Ernährungswissen. Mögliche Mangelerscheinungen seien vielen bekannt und es sei die Einsicht vorhanden, etwa bestimmte Vitamine zu ersetzen, sagte Alfonso Lampen, Experte für Lebensmittelsicherheit, im Dlf. Schwangere und Kinder sollten sich jedoch nicht vegan ernähren.

Alfonso Lampen im Gespräch mit Susanne Kuhlmann

Ein veganer Burger, u.a. mit Tofu und Guacamole (imago/Westend61)
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"Vegane Ernährung als Lebensstil" – mit diesem Thema haben sich Forscher des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Rahmen einer Studie befasst. Am Telefon in Berlin ist Professor Alfonso Lampen, beim BfR zuständig für Lebensmittelsicherheit. Guten Tag!

Alfonso Lampen: Schönen guten Tag.

Kuhlmann: Was ist positiv an der veganen Ernährung?

Lampen: Die vegane Ernährung ist positiv, weil sie positive Einflüsse auf die Gesundheit hat. Zum Beispiel weiß man, dass die Cholesterin-Spiegel geringer sind und das Risiko für den Typ II Diabetes auch geringer sein kann.

Kuhlmann: Wer mit Veganern spricht, der hört ja häufig, es gebe bei dieser Ernährungsform keine Unterversorgung mit bestimmten Vitaminen und Nährstoffen. In Ihrer Studie kommen Sie aber zu einer anderen Aussage. Wo sehen Sie gesundheitliche Risiken?

Veganer haben gutes "Ernährungswissen"

Lampen: Wir sehen Risiken in der Art und Weise, dass bestimmte Vitamine, Minerale oder auch Aminosäuren fehlen könnten, beispielsweise das Vitamin B12, das von Mikroorganismen gemacht wird und das wir nur durch tierische Lebensmittel aufnehmen. Das heißt, eine reine vegane Ernährung hätte zur Folge, dass die Vitamin-B12-Speicher bei Erwachsenen sich laufend leeren und deswegen eine Zufuhr von Vitamin B12 hier erforderlich ist.

Wir haben aber auch durch unsere Studie festgestellt – das war ja eine Risiko-Kommunikationsstudie -, dass die Veganer und Veganerinnen Ernährungswissen haben, auch durchaus ein Risikobewusstsein haben und entsprechend dann auch reagieren, das heißt bestimmte Vitamine, die fehlen könnten, wie das Beispiel Vitamin B12, dann supplementieren.

Kuhlmann: Womit denn zum Beispiel?

Lampen: Das kann man durch zwei Sachen. Einerseits kann man das machen, indem man in der Ernährung auf bestimmte angereicherte Lebensmittel beispielsweise zurückgreift, die angereichertes Vitamin B12 haben. Oder, indem man sogar supplementiert, das heißt ein Vitamin-B12-Präparat zuführt. Allerdings würden wir immer empfehlen, wenn man so was macht, wenn man überhaupt generell vegane Ernährung vorhat, oder man ist Veganer, durchaus den Vitamin- und Mineralstatus zu testen, indem man zum Arzt geht oder zur Ernährungsberatung und entsprechend ein Blutbild macht. Dann kann man schnell herausfinden, ob ein Vitamin-B12-Mangel oder eine Unterversorgung vorliegt, und entsprechend kann man dann viel genauer die Nährstoffe supplementieren beziehungsweise auch Ernährungsberatung machen, denn bestimmte Nährstoffe können wir auch durch vegane Produkte auffüllen. Beispielsweise bestimmte essentielle Aminosäuren können wir auch durch Getreide-, Hülsenprodukte, Kartoffeln, über den Tag verteilt eingenommen, entsprechend aufnehmen. Das heißt, diejenigen, die das betrifft und die das machen beziehungsweise machen wollen, sollten sich sehr gut beraten lassen und aufgrund dieser Beratung dann Entscheidungen treffen, denn dann ist auch eine gesunde Ernährung möglich.

Gefahr von Mangelerscheinungen bei Schwangeren und Kindern

Kuhlmann: Gibt es Personengruppen, die Sie eher davor warnen, sich vegan zu ernähren? Wie sieht das zum Beispiel aus mit Säuglingen oder Kleinkindern? Die können das ja auch nicht selbst entscheiden.

Lampen: Bei Säuglingen, die gestillt werden, oder Kleinkindern raten wir von einer rein veganen Ernährung ab, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ebenfalls, weil die Säuglinge keine Speicher haben. Sie bekommen quasi über die Mutter bestimmte Vitamine, aber auch essentielle Aminosäuren, beispielsweise langkettige Aminosäuren, und das sehen wir als problematisch. Das heißt, Schwangere und Kinder, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, sollten nicht vegan ernährt werden, weil einfach der Nährstoffbedarf größer ist und natürlich die Gefahr, die Möglichkeit, dass hier schnell Defizite, Mangelerscheinungen auftreten, die dann etwa beim Mangel von langkettigen Fettsäuren, Omega-III-Fettsäuren beispielsweise, zu neurologischen Erscheinungen führen, oder Vitamin-B12-Mangel auch zu möglichen neurologischen, aber auch Blutparametern, die sich verändern, führen. Deswegen ist das keine so gute Idee für Schwangere und für Kinder.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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