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StartseiteForum neuer Musik 2016Forum neuer Musik 2016 - 8. April08.04.2016

VeranstaltungenForum neuer Musik 2016 - 8. April

In Erinnerung an das Pogrom in Iaşi vor 75 Jahren widmet sich der zweite Veranstaltungstag jüdischen Spuren in der Avantgardemusik Rumäniens. Beleuchtet werden zwei jüdische Frauen, die Deutschland in den 1930er-Jahren verließen: die Musikethnologin Edith Gerson-Kiwi und die Komponistin Brigitte Schiffer.

Forum neuer Musik 2016: Veranstaltungen am 8. April 2016 ( imago / Rüdiger Wölk)
Forum neuer Musik 2016: Veranstaltungen am 8. April 2016 ( imago / Rüdiger Wölk)
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Forum neuer Musik 2016 Jüdische Identitäten, 7. bis 10. April 2016


Deutschlandfunk Foyer 17 Uhr  - Lecture II
"Edith Gerson-Kiwi und die Musikethnologie in Jerusalem"

Referentin: Dr. Susanne Borchers

Edith Gerson-Kiwi (Nachlass Edith Gerson-Kiwi im EZJM)Edith Gerson-Kiwi (Nachlass Edith Gerson-Kiwi im EZJM)Edith Gerson-Kiwi, geboren 1908 in Berlin, gestorben 1992 in Jerusalem, zählt zu den Begründern der Musikwissenschaft in Israel. Ihre private Forschungsbibliothek und ein Teil ihres Nachlasses – darunter Korrespondenz, Fotos, Materialsammlungen – kamen nach ihrem Tod in das Europäische Zentrum für Jüdische Musik (EZJM) der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Der derzeitige Sichtungs- und Erschließungsprozess ermöglicht es, anhand der verschiedenen Materialien Facetten ihres Lebens und Wirkens nachzuzeichnen. Bekannt ist Gerson-Kiwi für ihr Phonogramm-Archiv für Jüdische und Orientalische Musik. Fast 10.000 Aufnahmen, heute in Jerusalem verwahrt, entstanden unter ihrer Leitung. Es sind Dokumentationen musikalischer Traditionen, die die jüdischen Einwanderer nach der Staatsgründung Israels aus ihren jeweiligen Herkunftsländern mitbrachten.

 

Deutschlandfunk Foyer 17 Uhr - Lecture III

"Jüdische Spuren in der Bukarester Avantgardemusik"

Referent: Thomas Beimel

Anatol Vieru (links) und Myriam Marbe (rechts) (Erben Anatol Vieru / Camilla van Zeuylen)Anatol Vieru (links) und Myriam Marbe (rechts) (Erben Anatol Vieru / Camilla van Zeuylen)

In Sommer 2016 jährt sich zum 75. Mal das Massaker an der jüdischen Bevölkerung von Iaşi, der Hauptstadt der rumänischen Provinz Moldau. Die genaue Zahl der Opfer lässt sich bis heute nicht ermitteln. Die rumänische Beteiligung am Holocaust ist bis heute unaufgearbeitet; in der Zeit des Kommunismus war sie tabu. Das Schweigen darüber hat sich dementsprechend auch in das Leben von Komponisten jüdischer Herkunft eingeschrieben – und manifestiert sich in unterschiedlicher Deutlichkeit in ihrer Musik. Anhand von Leben und Werk der Komponisten Myriam Marbe und Anatol Vieru wird aufgezeigt, wie es trotz der zeitweise rigorosen Abschottung des Landes möglich war, dass sie in ein Geflecht internationaler Beziehungen eingebundene Künstler sein konnten.

 

Deutschlandfunk Kammermusiksaal 20 Uhr - Konzert

Brigitte Schiffer (1909–1986): Streichquartett

Brigitte Schiffer war Komponistin und promovierte Musikwissenschaftlerin, sie war Musikpädagogin, Musikethnologin und Musikjournalistin. Sie hat in Deutschland, in der Schweiz, in Ägypten und in England gelebt, sie sprach Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Arabisch fließend, sie hat sogar Schriften über Schönberg in arabischer Sprache publiziert und fungierte in Ägypten unter anderem als Ministerialreferentin. Sie war die erste Frau, die bei den Darmstädter Ferienkursen einen Vortrag hielt, und zwar 1950. Sie stand mit praktisch allen wichtigen Akteuren der Neuen Musik ihrer Zeit in Kontakt, war vernetzt in der internationalen Szene.

Sonar Quartett:
Susanne Zapf, Violine
Wojciech Garbowski, Violine
Nikolaus Schlierf, Viola
Cosima Gerhardt, Violoncello

 

Deutschlandfunk Kammermusiksaal 20:30 Uhr - Konzert

Im Gedenken an die 75. Wiederkehr des Progroms von Iaşi (1941) widmet sich ein Konzert des namhaften Bukarester Ensemblul Profil (Leitung: Dan Dediu) jüdischen Spuren in der neuen Musik Rumäniens. Im Mittelpunkt dieses Konzertes stehen Kompositionen von Myriam Marbe (1931–97) und Anatol Vieru (1926–98). Vieru erlebte das Massaker als Kind. Der letzte Marbe-Schüler, der rumänische Komponist Christian Lolea erhält einen DLF-Kompositionsauftrag. Dieses Konzert ist nach 2007 und 2012 die dritte Kooperation des Forum neuer Musik mit rumänischen Partnern.

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Musikuniversität Bukarest.

 Ansamblul Profil (Mihail Cucu)Ansamblul Profil (Mihail Cucu)

JOC SECUND

MYRIAM MARBE (1931–1997)
Joc secund

ANATOL VIERU (1926–1998)
Stufen des Schweigens, DE

LUDOVIC FELDMAN (1893–1987)
Konzertante Variationen, DE

MYRIAM MARBE
Streichquartett Nr. 3 'Lui Nau'

CRISTIAN LOLEA (*1977)Cristian Lolea (Ionut Macri)Cristian Lolea (Ionut Macri)
The Journey, UA
Kompositionsauftrag des Deutschlandfunk, finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung





MYRIAM MARBE
Trommelbass

 

Ansamblul Profil:
Diana Moş, 1.Violine
Petru Nemţeanu, 2. Violine
Marian Movileanu, Viola
Mircea Marian, Violoncello
Emil Vişenescu, Klarinette
Adriana Maier, Klavier
Sorin Rotaru, Schlagzeug

Dirigent: Dan Dediu

 

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