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StartseiteKommentare und Themen der WocheGegen solche Praktiken braucht es empfindliche Strafen11.06.2019

Verbot der KonversionstherapieGegen solche Praktiken braucht es empfindliche Strafen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die sogenannten Konversionstherapien für Homosexuelle noch in diesem Jahr verbieten. Dass so etwas überhaupt noch erlaubt sei, sage viel aus über den Stand von Schwulen und Lesben, kommentiert Christoph Schäfer. Umso wichtiger sei Spahns Vorstoß jetzt.

Von Christoph Schäfer

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Gesundheitsminister Spahn gemeinsam mit Experten auf dem Weg zur Pressekonferenz (dpa/Britta Pedersen)
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant ein Verbot von Konversionstherapien (dpa/Britta Pedersen)

Homosexualität ist keine Krankheit und daher auch nicht behandlungsbedürftig. Das sind die Worte von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Es ist schlimm, wenn so etwas im Jahr 2019 tatsächlich noch gesagt werden muss. Egal von wem: ob vom Bundesgesundheitsminister, von Ärzten oder von Bürgern auf der Straße. 

Umso wichtiger ist es, dass Jens Spahn handelt: Noch in diesem Jahr will er ein Verbot von wirkungslosen Konversions- oder auch Reparativtherapien auf den Weg bringen – ein Verbot von angeblichen Behandlungen also, die Menschen von ihrer Homosexualität heilen sollen.

Konversionstherapie kann gefährlich sein

Dazu ist eine gar nicht so kleine Gruppe an Menschen bereit: Ärzte, Therapeuten, Angehörige christlich-evangelikaler Kirchen – und sogar Menschen aus dem familiären Umfeld der Betroffenen. Die Magnus-Hirschfeld-Stiftung geht etwa von 1.000 Fällen pro Jahr allein in Deutschland aus. Dabei wecken die vermeintlichen Behandler falsche Erwartungen und lösen bei den Opfern psychische Probleme und sogar Suizidgedanken aus. Erst 1990, also vor gerade mal 30 Jahren, hat die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus dem Katalog psychischer Krankheiten gestrichen. Kurze Zeit später stelle sie klar: Gleichgeschlechtliche Sexualität sei weder eine Geisteskrankheit noch moralisch verwerflich. Und Versuche sie irgendwie zu reparieren, würden nichts anderes darstellen als psychologisch verbrämte soziale Vorurteile.

Therapien werden nicht vollständig verschwinden

Nichtsdestotrotz gibt es einen harten Kern, der Homosexualität wegtherapieren möchte und zu dem der wissenschaftliche Konsens – Homosexualität ist keine Krankheit - nicht durchdringt. Noch schlimmer, mit solchen Pseudotherapien wird sogar Kasse gemacht. Ärzte versuchen, ihre angebliche Heilung über Krankenkassen abzurechnen. Damit mit solchen Praktiken Schluss ist, braucht es empfindliche Strafen. Deshalb sind die Pläne von Bundesgesundheitsminister Spahn richtig, wenn er Geldbußen im vierstelligen Bereich in Aussicht stellt. Dennoch sollte man sich nichts vormachen: Spahns Vorstoß ist auch Symbolpolitik. Auch durch seine Pläne werden solche Behandlungen nicht vollständig verschwinden. Was sich in vertraulichen Sitzungen und Gesprächen abspielt, ist unmöglich nachzuvollziehen.

Und klar ist auch: Jeder einzelne Mensch, der eine solche fragwürdige Behandlung durchmacht, ist bereits einer zu viel.

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