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StartseiteVerbrauchertippReisende dürfen nicht alles einführen06.03.2019

Verbotene SouvenirsReisende dürfen nicht alles einführen

Ein bisschen Sand als Mitbringsel aus dem Sommerurlaub - das sollten sich Reisende zweimal überlegen. Bei Souvenirs aus dem Ausland ist Vorsicht geboten, denn sonst wartet schnell eine böse Überraschung beim Zoll.

Von Anja Nehls

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Stoßzähne aus Elfenbein liegen auf einem Tisch. (dpa/ picture-alliance/ Paul Zinken)
Der bislang größte Fund konfiszierter Stoßzähne aus Elfenbein vom Zoll in Berlin (dpa/ picture-alliance/ Paul Zinken)
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Wer nach dem Urlaub auf dem heimatlichen Flughafen beim Zoll den grünen statt den roten Kanal wählt, ist sich in der Regel sicher: Nichts muss beim Zoll angemeldet werden, kein verbotenes Souvenir im Koffer. Kontrolliert wird aber stichpunktmäßig dennoch sagt Ronny Kaczmarek vom Hauptzollamt Potsdam, zuständig für die Berliner Flughäfen:

"Wir bitten einen Reisenden mit seinem Koffer zu unserer Röntgenanlage und schieben seinen Koffer dann durchs Röntgenband, merken irgendwas stimmt da nicht und lassen den Koffer öffnen und mit großem Erschrecken und Erstaunen schlagen wir den Koffer dann genauso schnell wieder zu wie er geöffnet wurde, als uns daraus eine quicklebendige Schlange ansah."

Elfenbein und Schildplatt sind tabu

So etwas kommt glücklicherweise selten vor. Die Einfuhr von geschützten Tieren und Pflanzen regelt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, kurz: CITES. Unter Schutz stehen nicht nur Löwen, Elefanten und exotische Schlangen, sondern auch fast alle Korallenarten, Muscheln, Schnecken oder Seepferdchen. Geschützt sind nicht nur lebende Tiere, sagt Katharina Trump vom WWF:

"Wenn die Art geschützt ist, dann ist wirklich das komplette Tier geschützt. Also bei Meeresschildkröten dürfen Sie weder das Tier für die Badewanne mitbringen, Sie dürfen sich aber auch keine Produkte aus Schildpatt mitbringen und auch keine ausgestopften Meeresschildkröten. Elfenbein oder Schildpatt ist ja einigermaßen gut erkennbar, da muss man dann wirklich aufpassen. Koralle ist ein gutes Beispiel, da sind wirklich nur die roten Korallen, aus denen ja ganz viel Schmuck gemacht wird, die sind frei, die darf man sich auch mitnehmen als Urlaubssouvenir, alle anderen Korallen sind aber leider verboten."

Handelsgenehmigung für Orchideen

6.000 Tier- und 30.000 Pflanzenarten sind geschützt, zum Beispiel auch viele Kakteenarten und Orchideen:

"Orchideen sind alle geschützt, werden aber sehr, sehr viel gehandelt. Wenn die Art geschützt ist über CITES, können Sie die nur mitbringen, wenn Sie eine entsprechende Genehmigung haben. Es macht keinen Unterschied, ob die Orchidee aus einer Zucht kommt oder nicht, weil all das kann der Zollbeamte im Fall der Fälle eben nicht mehr nachvollziehen. Deswegen brauchen Sie einen Nachweis und eine Genehmigung für den Handel der Orchidee."

Diese Genehmigung muss in Deutschland eingeholt werden und ist schwierig zu bekommen. Auch Steine oder Sand aus dem Urlaubsparadies sollten als Erinnerung nicht bedenkenlos mitgenommen werden. Steine gelten in einigen Ländern, wie der Türkei, als Kulturgut - besonders wenn sie in der Nähe antiker Ausgrabungsstätten aufgesammelt werden. In Island ist das Sammeln von Mineralien und Kristallen streng verboten. In Italien, besonders auf Sardinien, ist das Entwenden von Sand untersagt. In der Karibik dürfen bestimmte Schnitzereien nicht außer Landes gebracht werden. Der deutsche Zoll wiederum sieht gefälschte Markenprodukte, wie T-Shirts oder Uhren, als Mitbringsel gar nicht so gerne, meint Ronny Kaczmarek:

"Solange wir nicht den Eindruck haben, dass es gewerblich ist und ich mir zehn T-Shirts in zehn verschiedenen Größen mitgebracht habe, kann es durchaus sein, dass man als Reisender Glück hat und dass ein T-Shirt, was man sich mitgebracht hat, am Ende sogar behalten darf. Das hängt immer vom Rechteinhaber ab, das heißt dem Markenhersteller, der uns vorher gesagt hat: ‚Lieber Zoll, nehmt bitte ab dem ersten Exemplar weg oder eben erst ab dem dritten.‘"

Freigrenze bis 430 Euro

Die Sachen werden dann vernichtet und die Markenrechtsinhaber entscheiden, ob und wie sie zivilrechtlich gegen den Reisenden vorgehen. Je nach Einzelfall sind Bußgelder fällig. Bei heftigen Verstößen gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen kann auch eine Haftstrafe infrage kommen.

Grundsätzlich gilt für nicht verbotene Mitbringsel und Souvenirs eine Freigrenze von 430 Euro pro Reisenden. Auch 200 Zigaretten sind erlaubt. Alles, was darüber ist, muss beim Zoll angemeldet und die entsprechenden Zölle und die Umsatzsteuer müssen nachgezahlt werden. Dafür gibt es am Heimatflughafen beim Zoll den roten Kanal.

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