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StartseiteUmwelt und VerbraucherVerbraucherschützer rät zur Überprüfung von Brustimplantaten09.01.2012

Verbraucherschützer rät zur Überprüfung von Brustimplantaten

Gefährliche Brustimplantate von französischem Hersteller

Christoph Kranich von der Hamburger Verbraucherzentrale sagt, dass Patientinnen, die Implantate der französischen Firma PIP in ihrer Brust tragen, über eine Entfernung nachdenken sollten. Bei ästhetischen Operationen könnten die Patientinnen allerdings an den Entfernungskosten beteiligt werden.

Christoph Kranich im Gespräch mit Georg Ehring

Brustimplantate der französischen Firma PIP könnten Schäden nach sich ziehen. (picture alliance / dpa / Stefan Puchner)
Brustimplantate der französischen Firma PIP könnten Schäden nach sich ziehen. (picture alliance / dpa / Stefan Puchner)
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Was tun bei PIP-Brustimplantanten?

Georg Ehring: Was man in den Körper einbauen lässt, sollte eigentlich gut geprüft und zumindest unschädlich sein. Doch im Fall der Brustimplantate der französischen Firma PIP ist dies anscheinend nicht der Fall. Es besteht die Gefahr, dass sie platzen und krankmachen. Es wurde wohl minderwertiges Silikon verwendet, um mehr Gewinn zu machen. Jetzt rät das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte betroffenen Frauen zur Entfernung der Implantate.

Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg, sollten Betroffene dieser Empfehlung eigentlich auf jeden Fall folgen?

Christoph Kranich: Also wenn schon eine regierungsamtliche Stelle dazu rät, diese Dinge auszutauschen, dann, würde ich sagen, tut sie das nicht ohne Not. Die halten sich ja eher zurück mit so was. Frankreich hat das ja schon früher getan. Deswegen rate ich jeder Frau, die ein Implantat hat, das auf alle Fälle zu prüfen, ob es eines von PIP ist, und dann auch über einen Austausch nachzudenken.

Ehring: Das heißt, wer so ein Implantat hat, weiß nicht in jedem Falle, welche Firma das hergestellt hat?

Kranich: Da muss man entweder in den Implantatpass gucken, den man mitbekommen hat, oder die Klinik fragen, bei der man das hat operieren lassen.

Ehring: Solche kosmetischen Operationen sind ja meist eine Privatleistung. Zahlen die Krankenkassen eigentlich die Entfernung solcher Silikonkissen?

Kranich: Bei Menschen, die das wegen einer Krebsoperation eingesetzt bekommen haben, ist das gar keine Frage, weil die haben ja auch die Operation von der Krankenkasse bezahlt bekommen und kriegen auch jetzt den Austausch und die Neuimplantierung eines ordentlichen Implantats bezahlt. Bei denen, die das als ästhetische Operation selber bezahlt haben, müssen die Krankenkassen die Patienten selber auch beteiligen an den Kosten. Ich gehe davon aus, dass die Krankenkassen die Explantation, also den Ausbau des fehlerhaften Implantats bezahlen werden, wenn es eine medizinische Notwendigkeit dafür gibt, das heißt, wenn ein Arzt sagt, wir müssen das herausnehmen, damit da kein Schaden entsteht. Und wenn man weiß, dass die Dinger auslaufen können, platzen können und dass dann minderwertiges Silikon drin ist, dann ist die Gefahr so groß, dass man jeden Arzt dazu wird überreden können, das zu bescheinigen, denke ich mal. Nur die Neuimplantation von einer neuen Prothese, die wird natürlich die Krankenkasse in keinem Fall bezahlen.

Ehring: Kann man sich denn da vorher absichern, dass die Krankenkasse es wirklich zahlt? Was raten Sie da den betroffenen Frauen?

Kranich: Da würde ich in jedem Fall erst mal vom Arzt mir das bescheinigen lassen, dass es medizinisch gesehen notwendig ist, einer Beschädigung da vorzubeugen, wenn es nicht schon eine gegeben hat, und das dann der Krankenkasse vorlegen und mir bestätigen lassen, dass sie es auch bezahlt.

Ehring: Haben die Betroffenen denn Ansprüche an den Hersteller dieser Implantate, Schadensersatz möglicherweise?

Kranich: Ja, ja. Natürlich haben sie den direkt an den Hersteller. Nur der ist insolvent und sitzt in Frankreich, also das wird nicht so einfach sein, da Geld zu bekommen.

Ehring: Und dann könnte ja auch der Arzt, der das implantiert hat, in der Haftung sein?

Kranich: Wenn der gewusst hat, dass er da was Fehlerhaftes implantiert, oder so ein Pfuschding - aber das wird man den Ärzten, wenn es überhaupt jemanden gibt, der das gewusst hat, gar nicht nachweisen können.

Ehring: Solche Medizinprodukte werden eingebaut. Werden sie eigentlich vorher genügend geprüft?

Kranich: Na ja, natürlich werden die irgendwie geprüft. Aber wahrscheinlich hat man dann zur Prüfung ein ordentliches Implantat vorgelegt und hat dann die Silikonimplantate mit den Industriesilikonen hinterher gemacht. Man kann ja nicht jedes Ding prüfen, jedes Exemplar einer Serie, sondern es wird dann eben nur eins geprüft und die nächsten 10.000 nicht oder so, und wenn da jemand mit krimineller Energie herangeht - und das ist ja offenbar der Fall; sonst wäre der Geschäftsführer nicht verschwunden -, dann kann man das nicht verhindern.

Ehring: Kann man dem durch strengere Regeln vorbeugen?

Kranich: Natürlich! Zum Beispiel kann man mehr prüfen, aber das ist dann auch ein größerer Aufwand. Man sollte auf alle Fälle auch in Deutschland ein Implantatregister einführen, was ja schon für Hüft- und Knieimplantat-Prothesen diskutiert wird und teilweise auch schon existiert, und in Frankreich und anderen Ländern gibt es schon solche Implantatregister auch für Brustimplantate, aber eben nicht in Deutschland. Da wehrt sich die Anbieterseite immer noch dagegen. Das wären alles Maßnahmen, um ein bisschen mehr Sicherheit herzustellen. Vollkommene Sicherheit wird es da nie geben, weil kriminelle Energie immer Wege findet.

Ehring: Sind die deutschen Behörden in solchen Fällen zu zögerlich?

Kranich: Sie sind sehr zögerlich. Ob sie zu zögerlich sind, ist eine schwierige Frage. Ich finde, sie sind zu zögerlich, weil sie auch immer schlechte Erfahrungen gemacht haben mit Warnungen, die sie dann zurücknehmen mussten und wo sie dann Schadensersatz zahlen mussten und so weiter. Das wird immer gesagt als Grund, warum sie so zögerlich sind, weil sie eben auch schon mal daneben gelegen haben. Vielleicht sind sie auch nicht immer geschickt damit, das ist schwer zu sagen, es ist ja auch eine schwierige Sache, solche Warnungen auszusprechen und sich dann einer gerichtlichen Auseinandersetzung stellen zu müssen. Vielleicht ist die Warnung auch mal daneben gegangen, und wer zahlt das dann.

Ehring: Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg. Herzlichen Dank.

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