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StartseiteUmwelt und VerbraucherVergleichsportale vergleichen06.02.2014

VerbraucherschutzVergleichsportale vergleichen

Wenn ein Wechsel von Gas, Strom oder der Autoversicherung ansteht, dann vergleichen Verbraucher mittlerweile die Angebote auf Internetportalen. Verbraucherschützer empfehlen mehrere Portale zu besuchen, denn nicht auf jedem sind alle Anbieter vertreten.

Von Tim Hannes Schauen

Weiterführende Information

Verbraucherschutz - Günstiger Strom schwer zu finden (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 10.01.2014)

Neue Anbieter für Nachtstrom (Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 31.10.2013)

Ob Strom oder Gas, eine Flugreise, eine neue Autoversicherung: Bei der Suche nach einem Anbieter nutzen Verbraucher immer öfter die einschlägigen Vergleichsportale im Internet. Sagt auch Horst Müller-Peters, Professor für Versicherungswesen an der Fachhochschule Köln.

"Mittlerweile spielen die eine sehr große Rolle und vor allem auch eine sehr zunehmende Rolle, das gilt vor allem für die KFZ-Versicherungen, in anderen Sparten ist es noch nicht so weit, aber beispielsweise bei Krankenzusatzversicherungen oder bei Risikolebensversicherungen passt das mittlerweile auch ganz gut, oder bei einfacheren Versicherungen, wie Hausrat, Privathaftpflicht und Ähnliches. Aber Vorreiter ist ganz klar die Fahrzeugversicherung."

Jeder zweite wechselwillige Verbraucher informiert sich mittlerweile bei Vergleichsportalen im Internet. Für das Wechselgeschäft zum Jahresende rechnete das Portal Check24 nach eigenen Angaben damit, dass alle Portale zusammen rund eine Million neue KFZ-Policen vermitteln werden. Marktführer Check24 hat alleine um die 750.000 neue Verträge verkauft.

Provisionen für Vergleichsportale

Ein ebenso großer wie lukrativer Markt, von dem alle Beteiligten profitieren: Versicherte, Portalbetreiber und Versicherer, meint Professor Müller-Peters:

"Versicherer können natürlich einerseits deutlich sparen, weil sie damit Verträge bekommen in großer Zahl, die sie sonst aufwändig mit Werbung, mit Vertretern oder Ähnlichem, erst gewinnen müssen. Sie müssen dafür allerdings sehr konkurrenzfähige Preise können, und was oft unterschätzt wird: Die Portale selbst nehmen ja auch eine ganz gehörige Provision. Also die Provision, die ein Portal bekommt im KFZ-Bereich, ist in der Regel höher als das, was Vertreter bekommen, sodass das natürlich ein massiver Kostenfaktor für die Versicherer auf der anderen Seite ist."

Die Provision für den Abschluss einer Autoversicherung, die 400 Euro pro Jahr kostet, bewege sich zwischen 50 und 100 Euro, sagt Horst Müller-Peters. Beim Abschluss eines neues Stromvertrages zahlt der Anbieter dem vermittelnden Portal etwa 30 bis 60 Euro. Das Internet macht den klassischen Versicherungsmaklern inzwischen enorme Konkurrenz. Verbraucherschützer bemängeln indes, dass sich die Vergleichsportale nicht stärker als Vertragsvermittler zu erkennen geben.

Zudem müssen sich Wechselwillige im Klaren sein, dass nicht alle Anbieter in jedem Portal zu finden sind, meint Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

"Die Regel ist, dass nur ein Teil der Versicherer an diesen einzelnen Portalen teilnehmen und da ist natürlich einen vollständigen Marktüberblick zu bekommen sehr schwierig."

Vor zwei Jahren haben die Versicherung Huk Coburg und das Portal Check24 ihre Zusammenarbeit beendet, nachdem sie über die Höhe der Provisionen in Streit geraten waren. Huk kaufte daraufhin Anteile des Portals transparo.de, zu dem nun die Allianz-Versicherung wiederum nach zwei Jahren zurückkehrt.

"Check 24 ist im Versicherungsbereich ganz klar der Marktführer, macht deutlich am meisten Verträge, danach kommt Transparo und dann kommen erstmal mit größerem Abstand überhaupt die nächsten Portale, und so eine Marktführerposition macht natürlich stark gegenüber den Versicherern, aber natürlich auch den Kunden."

Vergleichsportale unbedingt vergleichen

Um sich einen guten Überblick zu verschaffen empfehlen Verbraucherschützer, unbedingt mehrere Vergleichsportale zu konsultieren.

"Man sollte sich als Kunde, als Verbraucher auf jeden Fall über mehrere Wege informieren. Man kann zum Beispiel auch Stiftung Warentest hinzuziehen, das ist im Grunde ja auch ein Vergleich."

Stiftung Warentest oder auch die Verbraucherzentralen vergleichen gegen eine Gebühr, ohne auf Abschlüsse und Provisionen zu schielen. Wechseln muss der Kunde dann allein.

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