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VereinClemens Tönnies tritt als Schalke-Aufsichtsratschef zurück

Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen: Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies tritt zurück. (Ina Fassbender/dpa)
Schalker Aufsichtsratschef Tönnies tritt zurück (Ina Fassbender/dpa)

Der umstrittene Fleischfabrikant Clemens Tönnies legt sein Führungsamt beim Bundesliga-Club Schalke 04 nieder. Der Druck auf ihn hatte sich in den letzten Tagen erhöht.

Nach einem massiven Corona-Ausbruch in seiner Fleischfabrik mit mehr als 1.500 Infektionen war der 64-Jährige wiederholt von Fans zu diesem Schritt gedrängt worden. Nun ist er ihn gegangen, wie der Verein bestätigte. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung verzichtet der Unternehmer auch auf seinen Sitz im Wirtschaftsausschuss von Schalke und im Eilausschuss für sportliche Entscheidungen. Tönnies selbst teilte laut dpa mit, seine Hauptaufgabe sei es, sich aktuell voll und ganz auf sein Unternehmen zu konzentrieren. Er wolle es erfolgreich durch die schwerste Krise seiner Geschichte zu führen. An die Gremien des Fußball-Bundesligisten schrieb er weiter, dass ihm die Entscheidung nach so vielen Jahren sehr schwergefallen sei.

Bereits vergangenes Jahr hatte Tönnies Ärger mit den Fans aufgrund von Rassismus-Vorwürfen. Damals hatte er bei einer Veranstaltung gesagt, man solle 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, "dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren." Am letzten Bundesligaspieltag am vergangenen Wochenende hatten Fans als Zeichen des Protests gegen Tönnies eine Menschenkette um das Stadion in Gelsenkirchen gebildet. Zu Tönnies Nachfolger an der Spitze des Schalker Aufsichtsrats wurde dessen bisheriger Stellvertreter Jens Buchta gewählt.

SPD-Chef Hartmann: Rücktritt war überfällig

Der SPD-Chef von Nordrhein-Westfalen, Sebastian Hartmann, bezeichnete den Rücktritt als überfällig bezeichnet. "Arbeiterverein, Solidarität und Tradition - dazu passte Clemens Tönnies mit seinem Geschäftsgebaren und den unsäglichen und menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in seinen Schlachtbetrieben nicht", sagte der 42-Jährige und forderte weitere Konsequenzen. Schalke 04 brauche jetzt einen Neustart. Tönnies selbst dürfe sich jedoch nicht einfach so aus der Affäre stehlen. "Er muss für die Schäden, die durch sein ausbeuterisches System entstanden sind, nach wie vor gerade stehen", fügte Hartmann hinzu.

Tönnies war seit 1994 Mitglied im Aufsichtsrat von Schalke 04 und stand diesem seit 2001 vor. 2019 ließ er nach Rassismus-Vorwürfen das Amt für drei Monate ruhen.

Sportliche Erfolge und Niederlagen

Mit der Ära Tönnies verbindet der Verein zahlreiche sportliche Erfolge: Schalke 04 wurde dreimal Pokalsieger, fünfmal Vize-Meister und konnte sich zehnmal für die Champions League qualifizieren.

Doch zuletzt war der Verein sportlich und wirtschaftlich in Schieflage geraten: Die Saison 2019/2020 beendete der Club nach 16 sieglosen Spielen in Folge nur auf Rang zwölf. Schon vor der Corona-Krise hatten sich Schulden von fast 200 Millionen Euro angesammelt.

Berichte über mögliche Landesbürgschaften für den Verein in Höhe von 40 Millionen Euro hat NRW-Ministerpräsident Laschet (CDU) auf Nachfrage in Düsseldorf nicht bestätigt.

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