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StartseiteSprechstundeVererbte Bedrohung30.07.2013

Vererbte Bedrohung

Eine Reportage zum familiären Darmkrebsrisiko

Familiäre Vererbung sowie bestimmte Gendefekte können das Darmkrebsrisiko eines Menschen erhöhen. Viele Vorbelastete gehen regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen – oder lassen sich sogar präventiv operieren.

Von Martin Winkelheide

Ein Darmkrebs-Patient wird behandelt.  (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Ein Darmkrebs-Patient wird behandelt. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

"Mein Vater, der ist das erste Mal an Darmkrebs erkrankt, da war er 21 Jahre alt. Und dann im Laufe seines Lebens drei Mal."

Marion Ortmann aus Wermelskirchen ist 46 Jahre alt.

"Und dann hat er später Magenkrebs bekommen und hat dann irgendwo in der Zeitung über dominant vererbbaren Darmkrebs gelesen. Und er hatte nicht mehr lange zu leben, und ist dann mit uns drei Kindern zum genetischen Institut nach Bonn gefahren und wollte eben bestimmen lassen, ob wir diesen Gendefekt haben. Weil letztendlich seine Mutter und auch seine Oma beide an Darmkrebs gestorben sind."

Das Ergebnis des Gentests:

"Meine beiden Geschwister hatten es nicht, und bei mir wurde dieser Gendefekt halt auch festgestellt. Ich bin so ein bisschen erst einmal zusammengebrochen, weil ich ja noch dieses Bild von meinem Vater im Kopf hatte, wie er so jämmerlich zugrunde gegangen ist."

Marion Ortmann lässt sich beraten. Und sie geht regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen.

"Ich konnte zu diesen jährlichen Vorsorgeuntersuchungen gehen und das selber mit beeinflussen."

"Das Ergebnis hat mich schon etwas geschockt."

Wolfram Nolte ist 68 Jahre alt. Er lebt in Neuss. Auch er entscheidet sich dafür, jährlich seinen Dickdarm inspizieren zu lassen, als er erfährt, dass er ein familiäres Darmkrebs-Risiko hat.
Kurz vor einer der Routineuntersuchungen hat er Beschwerden. Er geht ins Krankenhaus.

"Und es hat sich dann tatsächlich gezeigt, in der Darmspiegelung und im CT, dass ein Tumor vorhanden war."

Ein Polyp in seinem Darm hatte sich sehr schnell zu einem Tumor entwickelt.

"Vor allem: Es hat schon eine Streuung stattgefunden. Lymphknoten, die entfernt wurden, zeigten auch Auffälligkeiten. Und es zeigte sich dann auch nachfolgend, in der nachfolgenden Chemotherapie, dass ich Metastasen in der Leber hatte."

Die Chemotherapie schlägt gut an.

"…sodass nach ungefähr sechs Monaten dann gesagt werden konnte: tumor- und metastasenfrei."

Nach zehn Monaten – ein Rückfall. Erneute Behandlung.

"Die zeigte auch gute Wirkung, aber nicht so rapide wie beim ersten Mal. So dass ich jetzt also gut anderthalb Jahre therapiefrei bin."

Marion Ortmann:

"Ich habe einen extrem langen Darm und der ist wohl sehr eng und keilkurvig. Und ich konnte schlecht abführen, brauchte mindestens zwei bis drei Mal so viel Abführmittel, und trotzdem war der Darm nicht so richtig sauber. Und die eigentlichen Untersuchungen waren auch sehr anstrengend."

Genügt die regelmäßige Darmspiegelung - einmal im Jahr? Diese Frage stellte sich Marion Ortmann.

"Das hat mir kein gutes Gefühl gegeben, weil ich wollte ja Sicherheit haben. Ich wollte die Sicherheit haben, dass dieses eine Jahr ich Ruhe habe. Aber die hatte ich irgendwie nie, weil ich das von meinem Vater im Kopf hatte, und als das dann rauskam, dass der Darm so lang ist und dass die Untersuchungen nicht mehr sicher genug sind, habe ich mich relativ schnell auch dazu entschlossen, eine Darmverkürzung auch vorzunehmen.
Diese Angst, die ich ständig habe, doch irgendwann einmal an Darmkrebs zu erkranken, die macht mich sonst auch kaputt. Und dann habe ich mich zu dieser Operation entschlossen, und das war das Beste, was ich habe machen können."

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