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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin erster Schlussstrich beim Loveparade-Prozess 06.02.2019

Verfahren eingestelltEin erster Schlussstrich beim Loveparade-Prozess

Die Richter im Loveparade-Prozess haben richtig gehandelt, meint Moritz Küpper in seinem Kommentar. Alles andere als eine Einstellung des Verfahrens gegen sieben der Angeklagten wäre sinnlos gewesen. Tragisch sei nicht dieses Prozessende, sondern eher die Vorgeschichte des Verfahrens.

Von Moritz Küpper

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Tunnel mit Kerzen zum Gedenken der Opfer, Ort der Massenpanik auf der Loveparade 2010, Duisburg, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. (imageBROKER)
Tunnel mit Kerzen zum Gedenken der Opfer, Ort der Massenpanik auf der Loveparade 2010 in Duisburg (imageBROKER)
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Nun ist also Schluss. Schluss beim sogenannten Love-Parade-Strafprozess vor dem Landgericht Duisburg. Für sieben Angeklagte. Dieser Beschluss des Landgerichts Duisburg heute, war keine Überraschung, hatte sich bereits angedeutet – und ist auch noch kein Abschluss des Verfahrens. Denn: Drei der Angeklagten – jene, bei denen das Gericht eine mittlere Schuld festgestellt hatte und daher die Einstellung gegen eine Geld-Zahlung angeregt hatte – haben diesem Vorschlag widersprochen. Der heutige Tag, er war also nur eine Art Schlussstrich, denn ohne richtiges Ende, aber er nimmt das End-Ergebnis wohl vorweg – und steht so symbolisch für die gesamte Aufarbeitung.

Zu wenig Zeit für zu viele Zeugen

Um es klar zu sagen: Es ist das gute Recht der drei Angeklagten, jener Lösung nicht zuzustimmen. Sie hätten, so hieß es fast unisono, das Anrecht auf eine Beurteilung ihres Verhaltens, auf ein Urteil. Doch: In Wahrheit wissen auch sie, dass es in diesem Prozess wohl nie dazu kommen wird. Zu komplex ist der ganze Sachverhalt, zu umfangreich das Material, zu groß die noch anstehende Zahl der zu vernehmenden Zeugen und zu klein die Anzahl der Tage bis zur absoluten Verjährung im Juli 2020.

Schwer vermittelbar – aber trotzdem richtig

Es ist das eine, eine allgemeine Verantwortung zu erkennen – was alleine ja durch das Verfahren und die Anklage geschehen ist –, aber das andere, eine strafrechtliche individuelle Schuld festzustellen. Erst recht unter Zeitdruck. Und aus diesen Gründen ist es nachvollziehbar, dass die Richter so entschieden bzw. dieses Angebot unterbreitet haben. Das ist – um es deutlich zu sagen – eine richtige Entscheidung, rechtlich nachvollziehbar – aber sie bleibt dennoch schwer vermittelbar. Denn: Nicht nur die eigentliche Katastrophe mit den 21 Toten und über 600 Verletzten ist eine der größten Tragödien der Landesgeschichte. Auch der folgende Umgang damit wird vielerorts als Katastrophe nach der Katastrophe, beschrieben.

Schon an der Vorgeschichte hakt es

Zu früh wurde sich damals auf einen Kreis von potentiell Angeklagten festgelegt, zu lange verlor sich die Staatsanwaltschaft in ihren Ermittlungen und Gutachten, wohl zu schnell lehnte eine Kammer des Landgerichts Duisburg die Eröffnung des Verfahrens ab. Dies wurde dann – vom Oberlandesgericht Düsseldorf – angeordnet. Doch: Der heutige Tag, das heutige, ja, Zwischen- und Teil-Ergebnis, dieses Strafprozesses, es hat seine Ursachen auch eben in dieser Vorgeschichte.

Übergroße Erwartungen an das Gericht

Ja, der Ablauf der letzten Wochen und wohl auch der kommenden Monate, war und ist vorhersehbar – und bleibt eben dennoch für die Angehörigen und Opfer, aber auch für die Öffentlichkeit schwer verständlich. Zumal über die Jahre natürlich auch der Frust, die Trauer, das Unverständnis, mitunter gar die Wut, wuchs. Auf die Abläufe, auf die handelnden Personen. All diesen Anforderungen, dieser Erwartungshaltung konnte das Gericht nicht gerecht werden. Es hat ernsthaft und akribisch gearbeitet, sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht – und dennoch wird dieses Strafverfahren wohl nun ohne Urteil enden. Heute – und wohl auch demnächst. Und das passt – so bitter es klingt – zu dieser Tragödie.

Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper, Jahrgang 1980, studierte Politik- und Kommunikationswissenschaften und Volkswirtschaftslehre in München und Washington, D.C. und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Er promovierte an der Universität Bonn und arbeitete als Redakteur bei Capital, in der Online-Redaktion des Deutschlandradios sowie der Deutschlandfunk-Sportredaktion. Seit 2015 ist er als Deutschlandradio-Landeskorrespondent in Nordrhein-Westfalen tätig.

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