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StartseiteKommentare und Themen der WocheVW hat sich mal wieder freigekauft28.02.2020

Vergleich mit VerbraucherzentralenVW hat sich mal wieder freigekauft

VW hat sich nach langem hin und her mit dem Bundesverband der Verbraucherzentralen auf Entschädigungszahlungen für Hunderttausende betrogene Dieselkunden geeinigt. Für VW habe sich der lange, steinige Weg offenbar gelohnt, meint Dietrich Mohaupt. Es gebe wieder einmal kein Urteil.

Von Dietrich Mohaupt

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18.09.2019, Niedersachsen, Braunschweig: Ein VW steht vor der Stadthalle. Am 30. September startet am Oberlandesgericht Braunschweig ein Verfahren zur Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen. Rund 430 000 Autokäufer schlossen sich der Klage an. Foto: Sina Schuldt/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Sina Schuldt)
Der Vergleich steht: VW muss betroffene Dieselfahrer entschädigen (picture alliance / dpa / Sina Schuldt)
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Na also, geht doch - mag jetzt manch ein Beobachter erleichtert denken. Richtig - es geht! VW hat sich mit dem Bundesverband der Verbraucherzentralen auf Entschädigungszahlungen für Hunderttausende betrogene Kunden geeinigt - und das, man glaubt es kaum, "nur" knapp fünf Jahre nachdem die Abgasmanipulationen an bestimmten Dieselmotoren des Konzerns aufgeflogen waren.

Der Weg zur Einsicht war wirklich lang – und er war steinig. Dass jetzt rund 260.000 VW-Dieselkunden Entschädigungen zwischen 1.350 und 6.257 Euro erhalten sollen – je nach Alter, Kilometerleistung und Modell des betroffenen Wagens – das klingt erst einmal ganz erfreulich. Immerhin 830 Millionen Euro will VW insgesamt für diese Entschädigungen bereitstellen – das sei eine "faire und praktikable Vergleichslösung", so die Rechtsvorständin des Konzerns, Hiltrud Werner.

Verbraucherschützer wollten mehr

Und da klingt schon an, dass VW durchaus froh ist, auf diesen Teil der Aufarbeitung des Dieselskandals endlich einen Deckel machen zu können. Zumal dieser Deckel mit 830 Millionen Euro wesentlich einfacher zu stemmen sein dürfte, als die Milliardenschweren Zahlungen, zu denen VW in den USA verdonnert wurde. Vor allem hat der Konzern sich mit dem Vergleich weitere jahrelange, nicht unbedingt Imagefördernde Gerichtsverhandlungen erspart.

Kritisch ließe sich jetzt anmerken, dass VW sich mal wieder freigekauft hat, es gibt wieder einmal kein Urteil, sondern eine außergerichtliche Einigung. Und dieses leicht ungute Gefühl schwingt irgendwie auch in den Äußerungen der Verbraucherschützer mit. Man habe für mehr gestritten, musste vzbv-Vorstand Klaus Müller eingestehen, aber mehr sei einfach nicht drin gewesen. Immerhin habe man den Verbrauchern eine zeitnahe Entschädigungszahlung im üblichen Rahmen erstritten! Begeisterung klingt anders. Für VW hingegen hat sich der lange, steinige Weg offenbar wieder einmal gelohnt – am Ende bleibt wieder die alte Erkenntnis: Was kümmert es den Mond, wenn Hunde ihn anbellen?

Dietrich Mohaupt  (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Dietrich Mohaupt (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Dietrich Mohaupt, geboren 1961 in Dannenberg an der Elbe und aufgewachsen in Salzgitter. Nach dem Abitur Studium der Politikwissenschaft in Bamberg. Es folgten ein Hörfunk-Volontariat in Bielefeld und – nach einer Zwischenstation beim privaten Hörfunk in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel – der Wechsel als freier Journalist zum NDR. Seit 2011 ist er als Landeskorrespondent beim Deutschlandradio tätig - zunächst in Schleswig-Holstein und aktuell in Niedersachsen.

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