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StartseiteVerbrauchertippRechtsschutz für Unfall-Opfer11.12.2018

Verkehrsrechtsschutz-VersicherungenRechtsschutz für Unfall-Opfer

Bei einem Verkehrsunfall ist der Schuldige durch seine KfZ-Haftpflicht geschützt, das Opfer aber muss sich Schmerzensgeld oder Schadensersatz oft mühsam erstreiten. Doch eine Verkehrsrechtsschutz-Versicherung kann helfen, eigene Ansprüche durchzusetzen.

Von Philip Banse

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Ein Polizist nimmt am 29.01.2014 einen Verkehrsunfall an dem ein Ford Focus, ein VW Golf 3 und ein Mercedes Transporter Viano beteiligt sind in Leipzig (Sachsen) auf. Foto: Jan Woitas | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa)
Manche Haftpflichtversicherungen zahlen erst, wenn das Unfallopfer einen Anwalt einschaltet (picture alliance / dpa)
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Bei Verkehrsunfällen gibt es in der Regel zwei Seiten: Den Schuldigen, der Schäden begleichen muss. Der ist durch seine KfZ-Haftpflicht vor dem Ruin geschützt. Auf der anderen Seite steht das Opfer, der oder die Geschädigte, die gerne Geld hätte: Schmerzensgeld etwa oder Schadenersatz. Und hier kommt es oft zu einem sehr ungleichen Kampf, sagt Sophie Mecchia von der Stiftung Warentest.

"In so klassischen Unfallsituationen sagt der Unfallgegner wahrscheinlich: Mein Gott, ich würde auf jeden Fall zahlen. Aber da steht ja die Versicherung hinter dem, die sagt: Ja, nee, das sehen wir jetzt nicht so."

Opfer müssen oft einen Anwalt einschalten

Da bestreitet die Versicherung, dass der Schuldige wirklich Schuld hat; sie bestreitet, dass der Schaden wirklich so groß ist wie angegeben; sie bestreitet, dass die Reha-Maßnahme wirklich nötig war. Manche Haftpflichtversicherungen zahlen überhaupt erst, wenn das Unfallopfer einen Anwalt einschaltet. So ein Verkehrsrechtsstreit mit einer Versicherung kann allerdings schnell Tausende von Euro kosten – vor allem, wenn er verloren wird. Deswegen verzichten viele Unfallopfer lieber auf die Auseinandersetzung – und damit auch auf ihnen vielleicht zustehendes Geld. Viel mutiger und entspannter kann man so einen Streit angehen mit einer Verkehrsrechtsschutzversicherung, sagt Sophie Mecchia. Sie hat für die Stiftung Warentest 23 "sehr gute" Verkehrsrechtschutzversicherungen gefunden. Je nach Haushaltsgröße und Anzahl der Fahrzeuge gibt es diesen Schutz schon für 50-70 Euro pro Jahr. Das lohne sich längst nicht nur für Autofahrer.

"Man möchte vor Gericht eigene Ansprüche durchsetzen, dann ist das bei einem Autounfall vielleicht der Blechschaden, aber bei einem Personenunfall, den man als Fußgänger, als Fahrradfahrer hat, da geht es ja um viel mehr. Schon der Sturz allein zieht ja schon Probleme nach sich. Und als Fußgänger und Radfahrer ist man im Verkehr ja der weitaus schwäche Teilnehmer. Insofern

Bußgelder und Streit um Mietwagen

Zumal die "sehr guten" Versicherungen auch noch in viel mehr Situationen helfen: Etwa, wenn man sich gegen ein Bußgeld wehren möchte oder gegen die Behauptung, man habe fahrlässig eine Straftat gegangen im Verkehr. Viele helfen auch, wenn man sich mit Leihfahrrad-, Mietwagen- oder Carsharing-Unternehmen streitet, von dem ein bestimmter Schaden denn nun verursacht wurde.

"Uns ist es wichtig, dass der Versicherungsschutz auch dann hilft, wenn man einen Arbeitswegeunfall hat und mit dem Sozialversicherungsträger in Streit gerät. Das gibt es ja auch immer wieder, dass die sann sagen: Nee, das war nicht der Arbeitsweg, sie waren ja noch Brötchenholen. So. Das ist eine Sache, die wir wichtig finden, die dann bei den sehr guten Tarifen auf jeden Fall mit dabei ist."

Mit Selbstanteil wird es noch billiger

Darüber hinaus bieten viele "sehr gute" Versicherungen auch Rechtsschutz im Vertrags- und Sachenrecht. Dann hilft die Versicherung etwa auch in Sachen Dieselbetrug, wenn sich der Autohändler weigert, manipulierte Autos zurückzunehmen.

"Dann sind aber nicht nur die Rechtsstreitigkeiten, die man mit dem Autohändler oder Verkäufer erfasst. Sondern auch Streitigkeiten mit der Werkstatt, wenn man meint, die Reparaturrechnung ist zu hoch, das ist auch alles da mit drin."

Doch auch die sehr guten Verkehrsrechtsschutzversicherungen haben natürlich Grenzen: Bei vorsätzlich gegangenen Straftaten helfen sie nicht vor Gericht; die meisten helfen auch nicht dabei, gegen Falschparker-Strafzettel vorzugehen. Denn auch Verkehrsrechtsschutzversicherungen sollen im Kern vor wirklich großen finanziellen Desastern schützen. Wer es sich leisten kann, auch mal 150 Euro aus eigener Tasche zu zahlen, sollte einen Vertrag mit Selbstbehalt wählen, der ist dann noch mal ein paar Euro günstiger.

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