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StartseiteVerbrauchertippKokosöl nur in Maßen unbedenklich26.11.2018

Vermeintliches pflanzliches AllheilmittelKokosöl nur in Maßen unbedenklich

Glaubt man den Versprechen im Internet, dann ist Kokosöl ein Allheilmittel, dass gesundheitliche Risiken minimiert und das Wohlbefinden steigert. Die Stiftung Warentest sieht das anders. Sie hat 15 Kokosöle getestet. Ihr Fazit: Kokosöl schmeckt zwar gut, kann aber auch krank machen.

Von Dieter Nürnberger

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Thailändisches Essen auf einem weißen Teller. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
Vor allem asiatische Gerichte werden oft mit Kokosöl zubereitet (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
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In einigen tropischen Ländern wird Kokosöl seit jeher eine positive gesundheitliche Wirkung bescheinigt. Hierzulande sind solche Interpretationen allein schon durch Auflagen eingeschränkt, denn Werbung mit Gesundheitsversprechen - etwa auf dem Etikett eines Produkts - ist gesetzlich streng reglementiert. Nur bestimmte, nachgewiesene Gesundheitsaussagen sind überhaupt auf Produkten erlaubt. Unseriöse Versprechungen sind deshalb überwiegend im Internet zu finden, sagt Ina Bockholt von der Stiftung Warentest:

"Unter anderem soll es gegen schwere Krankheiten wie Alzheimer, Krebs oder Masern wirken. Es soll Bakterien, Pilze und auch Viren sozusagen killen. Es soll auch beim Abnehmen helfen, zudem Haut und Haare schön machen. Kurz: Kokosöl ist ein Allheilmittel - wenn man den Vermarktungsversprechen glaubt."

Unseriösen Vermarktungsversprechen wohl gemerkt. Denn bislang gibt es keine verlässlichen, wissenschaftlichen Studien über eine positive Wirkung am Menschen.

Risiken für Herz und Kreislauf

Tatsächlich warnen Ernährungsexperten bei Kokosöl sogar ausdrücklich vor Risiken für Herz und Kreislauf. Zumindest dann, wenn zu viel davon verzehrt wird. Grund ist die Verteilung der Fettsäuren.

"Kokosöl besteht zu mindestens 90 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Das sind gesundheitlich nachteilige Fettsäuren. Es ist erwiesen, dass sie schlechtes Cholesterin im Blut erhöhen und so eben Herz-Kreislauf-Erkrankungen befördern können. Deutlich bessere Öle sind Raps- und auch Olivenöl - die sind reich an ungesättigten Fettsäuren und tun dem Herz-Kreislauf-System richtig gut."

Allein zwei Teelöffel Kokosöl würden schon zwei Drittel des Tagesbudgets an gesättigten Fettsäuren abdecken. Sie kommen zudem in Käse, Wurst und Schokolade vor.

Kokosöle im Test

15 Kokosöle wurden untersucht. Mit einer Ausnahme waren es allesamt Bioprodukte. Sie erinnern vom Aussehen übrigens eher an Fett, werden aber Öl genannt, weil sie in den Tropen eine flüssige Form haben. Warentesterin Ina Bockholt.

"Man kann damit kochen und braten; es aber auch kalt nutzen, um es beispielsweise in Smoothies zu geben. Es gab viele Kokosöle, die gut schmeckten. Wenn man diese Öle nutzt, führt das dazu, dass man wirklich eine schöne Kokosnote an das Essen bekommt. Wir hatten fünf gute Öle, sieben waren befriedigend, zwei waren ausreichend und eines mangelhaft."

Mangelhaft wurde das Kokosnussöl "GutBio" von "Aldi Nord" bewertet. Der Grund: Es enthält fünf verschiedene Schadstoffe in teilweise sehr hohen Konzentrationen, darunter auch Mineralölbestandteile und Weichmacher. Nach eigenen Angaben habe der Discounter das Produkt inzwischen aus den Regalen genommen, so die Stiftung Warentest.

Exotisches Geschmackserlebnis

Fazit: Kokosöl erfüllt zwar wissenschaftlich nicht die damit verbundenen Gesundheits- oder Wohlfühlversprechen, taugt aber als maßvolle Zugabe bei der Zubereitung von Speisen für ein exotisches Geschmackserlebnis. Ina Bockholt:

"Viele Kokosöle bekommt man für rund 13 Euro pro Liter. Sie werden häufig in kleineren 200-Milliliter-Gläsern verkauft. Die fünf besten Produkte im Test kommen von dm, Edeka, Lidl, Veganz und Alnatura."

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