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StartseiteUmwelt und VerbraucherKeine Tiere unterm Weihnachtsbaum12.12.2018

Vermittlungsstopp im TierheimKeine Tiere unterm Weihnachtsbaum

Tierschützer beobachten, dass Tiere zu Weihnachten verschenkt werden. Nach den Festtagen nimmt das Interesse bei den neuen Besitzern ab - und die Tiere werden wieder zurückgegeben. In vielen Tierheimen gilt daher momentan: Anschauen erlaubt. Abholen: erst nächstes Jahr wieder.

Von Heike Braun

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Leo, der zweijährige Schäferhundmischling bellt und wedelt mit dem Schwanz. Er will auf sich aufmerksam machen. So als wollte er sagen: "Nimm mich mit. Ich bin ein guter Hund." Doch Leo wird über Weihnachten im Tierheim Siegen bleiben. Da hat Tierheimleiter Tobias Neumann eine ganz klare Losung ausgegeben.

"Zu Weihnachten soll natürlich kein Tier von uns unterm Weihnachtsbaum landen. Grundsätzlich ist es jetzt so, dass wir sagen: Die Vermittlungen, die jetzt anberaumt sind, die finden noch statt. Aber neue Vermittlungen werden jetzt nicht mehr angegangen."

Der kleine Cäsar hat mehr Glück. Der schwarzweiße Kater mit dem verspielten Blick ist schon vor drei Wochen vermittelt worden. Seine neuen Besitzer holen ihn bald ab, erzählt seine Pflegerin Isabelle, die ihn gerade füttert.

"Der ist jetzt nur hier drin, weil er am Samstag in sein neues Zuhause geht. Und der bekommt jetzt noch eine Wurmkur."

Weihnachten und Silvester - keine ideale Zeit

Vermittlungen von Hunden und Katzen dauern in der Regel drei Wochen. Denn die Tierheim-Mitarbeiter schauen sich das neue Zuhause vorher an. Bei Hunden sollen Mensch und Tier auch ein paar mal miteinander Gassi gegangen sein. Vor Weihnachten, ist das den Tieren nicht mehr zuzumuten, sagt der Heimleiter von Siegen.

"Wenn man jetzt eine Vermittlung angeht, vor Weihnachten, dann ist der richtige Weihnachtsstress. Dann kommt Silvester, wo es donnert und knallt und so weiter. Das ist auch nicht das Ideale. Gerade bei Hunden."

Hunde im Käfig in einem Tiefheim. (picture alliance / dpa / Ma Luyao)Vor Weihnachten wird kein Hund mehr aus dem Tierheim vermittelt (picture alliance / dpa / Ma Luyao)

Seit rund zehn Jahren gehen deutsche Tierheime dazu über, keine Tiere mehr kurz vor oder über die Feiertage zu vermitteln. Das Tierheim in Berlin ist -über Weihnachten - zum Beispiel ganz geschlossen. Der Tierrettungsdienst in Frankfurt und das Tierheim München bleiben für Gassi-Geher geöffnet. Überall gilt die Devise: Von uns landet kein Tier unterm Weihnachtsbaum.

"In der Vorweihnachtszeit, muss das nicht mehr sein. Also, vor Weihnachten, unterm Weihnachtsbaum geht kein Tier. Wenn, dann erst im neuen Jahr wieder. Also die, die jetzt schon länger auf der Liste stehen, wo Hunde sind, da wissen wir schon länger, dass die gehen, also die gehen noch raus und ziehen noch um. Aber sonst bleiben wir hartnäckig. Ein richtiger Tierfreund würde das verstehen, glaube ich."

Massive Tierrückgaben im Januar

Das sieht man beim Deutschen Tierschutzbund in Bonn genauso - und kann es auch mit Zahlen untermauern. Die Tierrückgaben im Januar, sind in den letzten zehn Jahren bei Hunden um bis zu 40 Prozent, bei Katzen sogar um bis zu 50 Prozent angestiegen. Gerade Großstadt-Tierheime vermerken einen deutlichen Anstieg, bei der Tierrückgabe nach Weihnachten. Die unüberlegt angeschafften Lebewesen sind nicht nur süß, bellen und machen Miau. Sondern gerade junge Tiere machen auch schon mal ein "Geschäftchen" mitten in der Wohnung, sagt Kristina Bergerhausen vom deutschen Tierschutzbund.

Das ist für einige schon Grund genug, die Tiere - nach Weihnachten - wieder zurück zu bringen. Seit Neustem gibt es aber noch einen anderen Trend: Immer häufiger landen die übereilt angeschafften Tiere im Januar - statt wieder im Tierheim- bei ebay. Für Heimleiter Tobias Neumann: ein moderner Weihnachts-Horror.

"Der normale Weg wäre zu sagen: OK, das war eine dumme Geschichte, ich schau mal, wer mir helfen kann. Und da sind Tierheime die, die normalerweise helfen. Heute ist es so: ich schaue mal, wie ich da noch ein bisschen Geld machen kann. Und da ist ebay was helfen kann. Dann gehe ich auf die Plattform und versuche darüber mein Tier zu vermarkten. Das funktioniert auch, bis zu dem Zeitpunkt, wo das Tier ein gewisses Problemverhalten hat. Wo es alt ist, wo es krank ist. Diese Tiere landen dann im Tierheim."

Ein Tier ist kein Pokemon

"Paul! Komm hierher!" Mario Weber wohnt in Köln. Er geht schon seit Jahren mit Hunden aus den Kölner Tierheimen Gassi. Seine Wohnung ist zu klein für ein Tier. Aber wer Tiere liebt, kann sich mit der Gassi-Geh-Variante gut behelfen, meint der 55-jährige. Den Weihnachtskaufrausch bei Tieren, findet er unerträglich.

"Mein Gott, das sind doch Lebewesen. Das ist doch kein Pokemon, das man weg wirft, wenn das Kind es doof findet. Ich gehe schon seit Jahren hier am Rheinufer mit den Tieren Gassi. Die hole ich mir immer aus dem Tierheim. Mein Sohn macht das in Berlin, zum Beispiel auch."

Zum Glück gibt es viele Menschen, wie Mario Weber, die sich im Tierschutz auskennen. Sie haben sich ihre Tiere schon vor Wochen ausgesucht. Hund, Katze, Kaninchen und Co. werden vor der Abgabe geimpft, entwurmt und noch einmal tierärztlich durchgecheckt. Das dauert natürlich seine Zeit. Diese Tiere werden aber auf jeden Fall, auch noch kurz vor Weihnachten abgegeben.

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