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StartseiteVerbrauchertippExtra-Geld vom Chef19.02.2019

Vermögenswirksame Leistungen Extra-Geld vom Chef

Vermögenswirksame Leistungen - das klingt schon nach Bürokratie. Dabei geht es hierbei um Geld, das vielen Berufstätigen zusteht, jedoch zu selten auch in Anspruch genommen wird. Das ist schade, sagt die Stiftung Warentest - denn es kann ein recht ansehnlicher Betrag herauskommen.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Vorgesetzter spricht mit seiner Angestellten. (imago/Westend61)
Vermögenswirksame Leistungen - also die Firmen-Zulage vom Chef - lohnen sich durchaus für Arbeitnehmer, sagt die Stiftung Warentest (imago/Westend61)
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Die Grundidee der Vermögenswirksamen Leistungen ist einfach: Arbeitgeber fördern den Vermögensaufbau ihrer Mitarbeiter. Allerdings ist die Umsetzung umso komplizierter. Denn zuerst muss sich der Arbeitnehmer informieren, was der jeweilige Tarif- oder Arbeitsvertrag im Unternehmen an Zahlungen und Regeln dafür vorsieht.

Dann folgt ein spezieller Vertrag mit einer Bank. Und schließlich zahlt dann der Arbeitgeber den vereinbarten Betrag zum Vermögensaufbau ein. Der Höchstbetrag dafür liegt derzeit bei 40 Euro, so Karin Baur von der Stiftung Warentest.    

"Viele schreckt auch ab, dass es halt relativ wenig Geld ist. Wenn der Arbeitgeber dann beispielsweise nur zehn Euro oder so zahlt, dann denken viele, dass es sich überhaupt nicht lohnt, da etwas zu machen. Das stimmt aber nicht. Denn man arbeitet ja doch viele Jahre und auch, wenn es nur zehn statt beispielsweise 40 Euro pro Monat sind, kommen doch einige Tausend Euro zusammen - die man verschenkt, wenn man es nicht macht."  

Zusätzlich staatliche Förderung möglich

In Verbindung mit den Vermögenswirksamen Leistungen kann es zudem eine staatliche Förderung geben - die Arbeitnehmersparzulage. Sie ist aber abhängig von der gewählten Anlageform des Arbeitnehmers.

Die Sparzulage gibt es für Aktienfonds, Bausparverträge und für die Tilgung eines Baukredits. Beim Bausparen kann zusätzlich auch Wohnungsbauprämie beantragt werden. Allerdings ist die Arbeitnehmersparzulage an eher geringe Einkommensobergrenzen gebunden.      

"Bei Bausparverträgen ist die Einkommensgrenze 17.900 Euro. Das ist das Bruttoeinkommen abzüglich beispielsweise der Werbungskosten oder was sonst so von der Steuer abgesetzt werden kann. Bei Aktienfonds ist es ein bisschen höher - dann sind es rund 20.000 Euro. Wenn man alleinstehend ist, dann ist man wahrscheinlich recht schnell über dieser Grenze. Aber es kann sich vielleicht dann lohnen, wenn man verheiratet ist und somit nur einer verdient."

Aufstockung aus eigener Tasche möglich

In der Regel laufen die Verträge über sieben Jahre, sie sollten nicht grundlos gekündigt werden. Für einen nahtlosen Übergang schließen Arbeitnehmer vor Ablauf des alten gleich einen neuen Vertrag ab. Wer Anspruch auf staatliche Zulagen oder einen attraktiven Anlagevertrag abgeschlossen hat, sollte sogar über eine Aufstockung der Vermögenswirksamen Leistungen aus eigener Tasche nachdenken, sagt Warentesterin Karin Baur.      

"Zum Beispiel haben wir einen Banksparplan für die VL gefunden, da beträgt die Rendite tatsächlich 2,75 Prozent pro Jahr. Wenn man sich anschaut, was es derzeit sonst an Zinsen gibt, dann ist das fantastisch. Und dann kann man natürlich sagen: Ok, mein Arbeitgeber gibt mir derzeit zwölf Euro für VL, dann stocke ich dies aus eigenen Mitteln noch auf und nehme diese guten Zinsen mit. Da kann man dann sogar bis zu 100 Euro pro Monat einzahlen."      

Wieviel am Ende dabei herauskommt, hängt natürlich auch von der Anlageform ab, die der Arbeitnehmer selbst auswählen kann. Aus Sicht der Stiftung Warentest sind hier Aktienfondssparpläne am attraktivsten, trotz stets möglicher Kurschwankungen.  

"Man sagt ja, wenn man langfristig anlegt, kann man auch Kurseinbrüche aussitzen. Langfristig hat der Weltaktienindex - und denn würden wir als Grundlage hier auch empfehlen - 7,7 Prozent pro Jahr gemacht. Die kommen jetzt nicht Jahr für Jahr heraus, weil es manchmal vielleicht sogar 20 Prozent sind, in anderen Jahren geht es eben auch mal ins Minus, aber wenn man lange dabei ist, kann man in dieser Größenordnung schon rechnen."

Fazit: Vermögenswirksame Leistungen lohnen sich durchaus, so Warentesterin Karin Baur. Und das, obwohl dafür auch Steuern und Abgaben gezahlt werden müssen.

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