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StartseiteVerbrauchertippEs geht auch ohne Plastiktüte17.04.2019

VerpackungEs geht auch ohne Plastiktüte

"Jute statt Plastik" - schon vor 40 Jahren gab es die ökologische Plastik-Alternative beim Einkaufen. Heute ist das Thema aktueller denn je: Der Einzelhandel reagiert mit wieder verwertbaren Verpackungen, Pfandsystemen oder konsequenten "Unverpackt-Läden".

Von Angelika Gördes-Giesen

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Ein Mann packt in einem Supermarkt Obst in einen Plastikbeutel  (picture alliance / dpa Themendienst / Benjamin Nolte)
Plastiktüten sollen aus dem Einzelhandel verschwinden - zum Umweltschutz (picture alliance / dpa Themendienst / Benjamin Nolte)
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Ganz praktisch, so ein "Coffee to Go": einfach bestellen, bezahlen und mitnehmen. Dann aber wandert der Plastikbecher in den Müll. Es geht aber auch anders, zum Beispiel mit Pfandsystemen. Man kauft einen wieder verwendbaren Becher, Kaffee hinein und bringt ihn beim nächsten Mal wieder mit, gibt ihn ab und bekommt ihn dann denn gleich wieder gefüllt und bezahlt nur noch den Kaffee.

Klingt einfach, aber Pfand- oder Tausch-Systeme sind immer noch die Ausnahme, so Ingrid Waltring von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Rheine: "Es ist vielleicht unbequemer, man wird unter Umständen nicht mehr alles in einem Markt kaufen können. Man muss bewusst einkaufen, nicht planlos."

So bieten einige Supermärkte jetzt an der Obst und Gemüsetheke wiederverwertbare Plastik-Verpackungen an, so die Erfahrung von Vitus Wucherpfennig, zuständig bei der Kreisverwaltung Borken für die Lebensmittelüberwachung. "Die Händler bieten schon Mehrwegnetze an, die man beim nächsten Einkauf wieder mitbringen kann; dass da nicht für einen Apfel eine Plastiktüte verwendet wird, sondern man legt die Sachen in ein Netz, an der Kasse wird gewogen und die Netze kann mehrfach verwenden."

Eigene Verpackung birgt Hygienefalle

Man kann natürlich auch seinen eigenen Beutel mitbringen, wie zum Beispiel beim Brötchenkauf in der Bäckerei; klingt einfach, ist aber aus hygienischen Gründen schon ein bisschen kompliziert, erklärt Verbraucher-Beraterin Ingrid Waltring: "Die Hygienevorschriften stehen ganz oben und die Einzelhändler sind verpflichtet darauf zu achten, das keine Verpackung mit der Ware, dem Personal in Berührung kommt. Man hat keinen Anspruch darauf gesetzlich gesehen, dass die Händler unsere Verpackung annehmen."

Aber es geht, so kann man in einigen Supermärkten Käse, Wurst und Fleisch an der Frischetheke in mitgebrachten Boxen abfüllen lassen. Das muss der Händler aber genau mit den Lebensmittel-Kontrolleuren abstimmen, denn für leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch gelten ganz besondere Hygienevorschriften.

Doch es kann funktionieren, so die Erfahrungen von Vitus Wucherpfennig und seinem Kontrollteam: "Bevor das System eingeführt wird, gucken wir vor Ort, wie das System aussieht. Es muss auch ein Hinweis für die Verbraucher an der Fleischtheke angebracht sein, damit der Verbraucher weiß, wie die einzelnen Schritte sind."

Und das heißt: Die mitgebrachten Boxen müssen sauber und gut verschließbar sein. "Als Kunde muss man die Dose oben auf die Theke auf ein Tablett stellen. Die Verkäuferin nimmt es dann runter auf einen definierten Bereich und der ist genau gekennzeichnet und nur da darf das Tablett stehen."

Und in die Box kommt dann die Wurst oder der Käse. Dann wird die Schale auf dem Tablett zurückgegeben: "Genau. Und Sie verschließen das mit dem Deckel selbst und dann bekommen Sie einen Bon, den sie selbst auf die Dose aufkleben." Das Tablett muss natürlich regelmäßig gesäubert werden.

Keine Verpackung bedeutet auch Mehrarbeit

Für die Händler bedeutet der Einkauf ohne Einwickelpapier und Plastiktüte Mehrarbeit, weil zum Beispiel nicht alles aus der Fleischtheke in eine Box darf. Hähnchenfleisch muss zum Beispiel immer separat eingepackt werden, weil es oft mit Salmonellen belastet ist und so die Keime leicht auf Wurst übertragen werden könnten:

"Anstatt des Tablett-Systems kann man auch ein Pfandsystem einführen, das heißt, die Dosen werden gekauft im Supermarkt befüllt. Man nimmt sie dann mit nach Hause, spült sie und gibt sie dann beim nächsten Einkauf in eine Sammelbox. Abends dann, nach Arbeitsende, werden diese Boxen dann gereinigt und so stehen immer neue Boxen zur Verfügung."

Noch sind diese Systeme eher die Ausnahme als die Regel. In vielen Städten gibt es aber Geschäfte, die bewusst auf die Verpackung verzichten, so die sogenannten "Unverpackt-Läden". Mit einem breiten Angebot.

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