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StartseiteSport Aktuell"Die Hemmschwelle sinkt"25.06.2018

Verrohung der Fans"Die Hemmschwelle sinkt"

Der schwedische Nationalspieler Jimmy Durmaz wurde nach einem Foul im Spiel gegen Deutschland rassistisch beschimpft und erhielt sogar Morddrohungen. Ähnlich erging es dem Kolumbianer Sánchez. Eine Entwicklung, die in letzter Zeit zugenommen habe, berichtet der Würzburger Fanforscher Harald Lange.

Harald Lange im Gespräch mit Marina Schweizer

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Der schwedische Nationalspieler Jimmy Durmaz hält ein Statement gegen Rassismus vor der gesamten Mannschaft. (imago sportfotodienst)
Der schwedische Nationalspieler Jimmy Durmaz hält ein Statement gegen Rassismus. (imago sportfotodienst)
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Auch in der Vergangenheit habe es solche Phänomene gegeben, aber diese Konzentration an Vorfällen sei schon bemerkenswert. Man könne dies zum einen mit zunehmender Verrohung der Gesellschaft erklären. Andrerseits erlebten die Zuschauer die Fußballspiele immer virtueller: "Weit weg von der Lebensrealität, wird uns das Spiel über Medien und soziale Netzwerke vermittelt und transportiert. Da sinkt natürlich auch die Hemmschwelle, zu solchen Beleidigungen zu greifen", erklärt Harald Lange im Deutschlandfunk. Der Zuschauer habe nicht mehr den Menschen vor Augen, sondern mehr und mehr ein Kunstprodukt. 

Gerade bei den Nationalmannschaften habe eine Professionalisierung stattgefunden: "Die werden dann zusammengesetzt und professionell betreut, auch die Medienarbeit beispielsweise des DFB ist da sehr professionell", sagt Lange. Es werde unpersönlicher und nur noch die Informationen, die der PR dienten, würden öffentlich. Dies stütze das Bild einer virtuellen Mannschaft.

Der Wuerzburger Fan-Forscher Harald Lange. (imago sportfotodienst)Der Wuerzburger Fan-Forscher Harald Lange. (imago sportfotodienst)

Ilkay Gündogan und Mesut Özil hätten gerade - nachdem sie sich zusammen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografieren ließen - die Wut der deutschen Fans zu spüren bekommen. "Es gibt innerhalb der Fankultur Gruppen oder einzelne Fans, die so etwas auch suchen: Reibungspunkte, die letztendlich gar nichts mehr mit dem Spiel zu tun haben, aber die dazu geeignet sind, dass man hier und da mal Frust ablassen kann" erklärt Fanforscher Harald Lange. Aktuell exponierte Spieler seien oft Ziel solcher Attacken.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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