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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Maske als einfaches Mittel zum guten Zweck24.09.2020

Verschärfte Corona-RegelnDie Maske als einfaches Mittel zum guten Zweck

Wer die Maske trägt, ist kein Schlafschaf, wie die unsäglichen Anti-Corona-Demonstranten behaupten, sondern ein Mensch mit Herz und Verstand, meint Michael Watzke. Denn die Maske schützt vor Corona, darauf deutet eine überwältigende Zahl wissenschaftlicher Forschung hin.

Von Michael Watzke

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Ein Mann hebt einen Maßkrug, während er eine Gesichtsmaske mit einem Bild von König Ludwig trägt. (imago images / Sven Simon / Bearbeitung: Deutschlandradio)
Die Maske hilft, sagt Michael Watzke (imago images / Sven Simon / Bearbeitung: Deutschlandradio)
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Wer heute durch die Münchner Innenstadt ging – etwa vom Marienplatz zum Stachus –, der sah grauenvolle Bilder. Bilder, die er oder sie noch vor einem Jahr in einem düsteren Science-Fiction-Film vermutet hätte: Tausende Menschen gehen mit Masken durch die Straßen, ihre Nasen und Münder durch ein Stück Stoff derart verdeckt, dass man ihre Gesichtszüge nicht erkennen, dass man also nicht wissen kann: Schauen sie gerade glücklich, traurig, gleichgültig? Lauter Menschen ohne Miene, lauter Blicke ohne Ausdruck - das ist wahrlich kein schönes Bild. Das könnte einem Angst machen.

Ein Absperrband auf dem Schulhof der Brinkmannschule in Langenberg im Kreis Gütersloh weist daraufhin, dass der Spielplatz geschlossen ist. (David Inderlied/dpa) (David Inderlied/dpa)Corona: "Wir brauchen einen Wettbewerb der Regionen um das beste Konzept"
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Trotzdem sollten wir uns über die Bilder aus München freuen. Darüber, dass nur sehr wenige Passanten keinen Mundschutz tragen. Darüber, dass fast alle Menschen einsehen, dass die Maske weder eine Schikane dunkler Mächte noch ein Symbol der Unfreiheit ist. Sondern schlicht und einfach das effektivste und schmerzloseste Hilfsmittel, das wir derzeit gegen die Verbreitung des Coronavirus haben, solange es noch keinen Impfstoff gibt.

Wer die Maske trägt – ob bereitwillig oder widerwillig – ist kein Schlafschaf, wie die unsäglichen Anti-Corona-Demonstranten behaupten. Sondern ein Mensch mit Herz und Verstand. Verstand deshalb, weil die überwältigende Zahl wissenschaftlicher Studien und Forschungsergebnisse darauf hindeutet, dass der Mund-Nasenschutz tatsächlich vor Corona schützt.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Herz deshalb, weil Maskenträger diese Unannehmlichkeit nicht nur ertragen, um sich selbst zu schützen, sondern auch um Mitmenschen zu schützen. Vor allem jene, die diesen Schutz am meisten brauchen. Und das sind nicht nur die Alten, die Kranken, die Menschen aus Risikogruppen. Mit dem Tragen einer Maske und verantwortungsvollem Abstandhalten schützt man in München derzeit auch Grundschulkinder. Denn die müssen - wenn die Infektionszahlen weiter steigen – bald auch im Unterricht Masken tragen. Jeder, der eine Tochter oder einen Sohn im Grundschulalter hat, wird seinem Kind das ersparen wollen.

Die Maske ist ein Mittel zum Zweck

Denn Masken sind nicht schön. So bunt und ausgefallen man sie auch gestaltet – sie bleiben hässlich und werden – hoffentlich – nie zum Mode-Accessoire werden. Die Maske ist ein Mittel zum Zweck. Und wir sollten froh sein, dass so ein einfaches Mittel einen so guten Zweck erfüllen kann. Die Masken, die wir im Alltag tragen, tun nicht weh, und sie machen auch nicht krank – wie die AfD-Fraktion im bayerischen Landtag gerade erst behauptet hat, ohne irgendeinen ernstzunehmenden wissenschaftlichen Beleg.

Wenn wir Glück haben, dann können wir unsere Masken schon bald an den Nagel hängen, wegschmeißen oder als Andenken an eine schwierige Zeit behalten. Eine Zeit der Entbehrungen, aber auch eine Zeit des Zusammenhaltens. Die Zeit einer Pandemie, wie die Menschheit sie vielleicht, wahrscheinlich, hoffentlich nur alle hundert Jahre erlebt. Die Maske wird uns dann daran erinnern, wie wir diese Zeit bewältigt haben. Ob wir uns mit Stolz oder mit Scham an das Jahr 2020 erinnern.

Michael Watzke  (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke, geboren 1973 in Remscheid, absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Er studierte Politik und Soziologie in München und Washington DC. Nach Stationen bei SZ und BILD arbeitete er als Chefreporter für Antenne Bayern. 2003 gewann er den Axel-Springer-Preis. Danach Ausbildung an der Drehbuch-Werkstatt der HFF München. Als Autor des TV-Dramas "Das letzte Stück Himmel" (Regie: Jo Baier) erhielt er den Robert-Geisendörfer-Preis und war für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Arbeit als Regisseur und Produzent. Seit 2010 berichtet er für Deutschlandradio als Bayern-Korrespondent aus München.

 

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