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StartseiteCorsoStrategien der QAnon-Bewegung29.10.2020

Verschwörungsmythen im PopStrategien der QAnon-Bewegung

Verschwörungserzählungen haben Hochkonjunktur. So greift der QAnon-Mythos mit seiner Widerstandsmentalität auch auf die Popkultur zurück. „Das meiste davon ist Fantasie, das ist Unsinn, das ist Größenwahn," sagte der Philosoph Jan Skudlarek im Dlf.

Jan Skudlarek im Corsogespräch mit Raphael Smarzoch

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Eine Person trägt auf dem Ärmel ihres Shirts das Logo von QAnon. (imago images / Sachelle Babbar)
Wie gefährlich ist QAnon? (imago images / Sachelle Babbar)
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"Immer wenn es Krisen gibt, gibt es Verunsicherungen und immer wenn es Verunsicherungen gibt, suchen Leute nach weltanschaulichem Halt," so erklärt der Philosoph Jan Skudlarek im Corsogespräch die große Popularität von Verschwörungserzählungen allgemein und der QAnon-Bewegung im besonderen. Ein gängiger Mechanismus sei es, dass diese Bewegung Referenzen aus der Pokultur aufnehme. Für QAnon seien es zum Beispiel popkulturelle Motive, etwa das jemand wie SpionInnen Geheiminformationen oder kryptische Nachrichten und Rätsel weitergibt, die sogenannten Q-Drops. Ein anderes popkulturelles Motiv sei die Erlöserfigur, und als Erlöserfigur wird im QAnon-Kontext dann zum Beispiel auch Donald Trump gedacht."

Underdog-Haltung und Widerstandsmentalität

Verschwörungserzählungen nehmen oft eine bestimmte Underdog-Haltung und eine bestimmte Widerstandsmentalität ein, "eine Wir-gegen-den-Mainstream-Mentalität. Ob sie das wirklich verkörpern, steht auf einem anderen Blatt." Ihre Perspektive sei die von David gegen Goliath, die einer Revolution von unten, die die Mächtigen stürzen würde. "Das meiste davon ist Phantasie, das ist Unsinn, das ist Größenwahn, und doch ist es eine Erzählung, die immer wieder auch konstruiert und gebraucht wird", sagte Skudlarek.

"Das hat dann nichts mehr zu tun mit der Wahrheit."

Auch Prominente wie jüngst der Schlagersänger Michael Wendler, seien anfällig für Behauptungen der QAnon-Bewegung, auch wenn sie nachweislich als falsch bewiesen wurden, weil sie gewohnt seien, im Mittelpunkt zu stehen und ein gewisses Sendungsbewusstsein haben. Das habe bisweilen religiöse Züge. "Ich würd sagen, dass wir sektenähnliche Strukturen in der QAnon-Bewegung sehen." Es würden zudem weltanschauliche Brücken gebaut zum Antisemitismus, zur Elite- oder zur Demokratiefeindlichkeit. "Das hat dann nichts mehr zu tun mit der Wahrheit."

Zeitalter der Alternativerzählungen

Durch das Internet lebten wir in einem Zeitalter der Alternativerzählungen, sagte Jan Skudlarek. Problematisch werde es, wenn die Meinungen sich gegen andere richteten, wenn andere zu Sündenböcken gemacht würden, wenn man Rufmord betreibe und letzten Endes eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit äußere. Wenn das auf den Portalen und im Netz stehen bleibe, entstünden Haßspiralen. "Und das wird sich nicht ändern, solange wir Populisten haben, Menschen wie Donald Trump, die genau in diesem Sündenbockmechanismus, in diesen Hassspiralen mitmachen und das auch befeuern."

Wir müssten also bedenken, wie wir miteinander Agieren im Internet. Die entkörperte Kommunikation über das Netz, das kulturgeschichtlich sehr jung ist, lade dazu ein zu vergessen, "dass andere Menschen wirklich als Menschen da sind. Man sagt da Sachen, die man anderen nicht ins Gesicht sagen würde."

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