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StartseiteVerbrauchertippRechtsschutz nur bedingt sinnvoll08.03.2019

VersicherungRechtsschutz nur bedingt sinnvoll

Wie viel Schutz bieten Rechtsschutzversicherungen im Ernstfall? Oft sind zwar eine Menge Dinge mitversichert, doch selbst teure Policen bieten kein Rundum-sorglos-Paket. Bei strittigen Fällen kann es sogar sein, dass die Versicherung nicht einspringt.

Von Klaus Deuse

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Zwei Frauen stehen diskutierend vor ihren beschädigten Autos. (imago/Jochen Tack)
In verkehrsrechtlichen Streitfällen ist eine Rechtsschutzversicherung durchaus empfehlenswert, sagt die Verbraucherzentrale NRW (imago/Jochen Tack)
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Der Aufprall war nicht heftig, die Beule an ihrem Auto dennoch ordentlich, erinnert sich die Bochumerin Marion Wiemann. Doch da für sie die Schuld an dem Blechschaden außer Frage stand, holte sie nicht die Polizei dazu. "Wir hatten uns eigentlich sehr vernünftig unterhalten und sehr vernünftig geeinigt. Es war ganz klar, dass er der Schuldige war. Und am Abend dieses Tages bekam ich dann einen Anruf, dass ich schuld gewesen wäre und nicht er. Ja, und dann habe ich sofort meine Rechtsschutzversicherung eingeschaltet."

Die dann die Interessen von Marion Wiemann mit Erfolg vertreten hat. In solchen verkehrsrechtlichen Streitfällen, sagt die Juristin Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW, ist eine Rechtsschutzversicherung durchaus empfehlenswert. "Habe ich mit meinem Auto oder mit meinem Fahrzeug einen Unfall oder habe ich als Fußgänger einen Unfall und ich möchte meine Ansprüche geltend machen, dann hilft mir eine Verkehrsrechtsschutzversicherung auf jeden Fall."

Gewerkschaft ersetzt den Arbeitsrechtsschutz

Erwägen kann man auch einzeln den Abschluss eines Arbeitsrechtsschutzes, wobei die ganz persönlichen Umstände den Ausschlag geben sollten.

"Wenn man jetzt sagt, okay, im beruflichen Bereich habe ich eine Wackelposition in der Firma. Oder ich gehe davon aus, dass ich mich irgendwie mit meinem Arbeitgeber da mal überwerfe und eine rechtliche Auseinandersetzung habe. Solche Sachen kann man natürlich mit über die Rechtsschutzversicherung versichern."

Wer einer Gewerkschaft angehört, braucht keinen privaten Arbeitsrechtsschutz, da Gewerkschaften ihre Mitglieder in solchen Streitfällen kostenlos vertreten. Mit einer allgemeinen Rechtsschutzversicherung dagegen erwirbt man keineswegs ein Rundum-sorglos-Paket. Auch wenn solche Versicherungen über 300 Euro im Jahr kosten können. Darum gibt Verbraucherberaterin Weidenbach zu bedenken:

"Eine allgemeine Rechtsschutzversicherung, die muss man sich wirklich überlegen. In diesen Rechtsschutzversicherungen sind zwar viele Dinge versichert, aber sie haben auch sehr, sehr viele Ausschlüsse. Das heißt: Im Grunde kann ich als Verbraucher gar nicht beurteilen, ist so was wirklich für mich hundertprozentig wichtig oder nicht."

Tipp: alte Policen weiterlaufen lassen

Bei einem Privatrechtsschutz etwa sind Auseinandersetzungen über alle Arten von Verträgen, Steuerfragen und Angelegenheiten rund um Schadensersatz eingeschlossen. Damit ist man jedoch nicht aller möglichen Sorgen ledig. Ausgeschlossen ist in der Regel der gesamte Baubereich.

Dazu gehören Streitigkeiten mit Handwerken oder bei der Baufinanzierung. Nicht mitversichert sind außerdem Rechtsstreitigkeiten zu Kapitalanlagen, da die Versicherungsgesellschaften diese als spekulativ einstufen. Nur gegen einen Aufpreis kann man den Bereich des Erb- und Familienrechts hinzubuchen. Ebenso wie einen Mietrechtsschutz.

"Dann muss man auf jeden Fall neben der privaten Rechtsschutzversicherung das noch mal als Zusatzbaustein mitversichern lassen. Das heißt, es muss natürlich auch extra bezahlt werden."

Aber auch wer seine Jahresprämien regelmäßig bezahlt hat, darf nicht davon ausgehen, dass die Rechtsschutzversicherung ihn auch automatisch in strittigen Fällen unterstützt. Eine Kostenübernahme gibt es nur dann, wenn für die Versicherung eine ausreichende Erfolgsaussicht besteht. Darum rät Elke Weidenbach vor Abschluss einer Rechtsschutzversicherung, genau abzuwägen, gegen welche Risiken man sich überhaupt versichern sollte.

Und noch ein Tipp: Da viele Versicherungsgesellschaften in den vergangenen Jahren ihre Konditionen geändert haben, sollte man die alte Rechtsschutz-Police weiterlaufen lassen. Denn im Zweifelsfall bekommt man heute bei einem Neuabschluss für das gleiche Geld weniger geboten.

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