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StartseiteWirtschaft und GesellschaftVersicherungsbranche steht vor Problemen21.02.2013

Versicherungsbranche steht vor Problemen

Niedrige Zinsen und neue Gesetze drücken die Aussichten

Zwar hat der europäische Branchenprimus Allianz eine glänzende Bilanz vorgelegt. Die gesamte Versicherungsbranche steht jedoch vor erheblichen Problemen. Vor allem die Niedrigzinsphase belastet die Unternehmen und deren Kundschaft.

Von Brigitte Scholtes

Ein Kunde füllt einen Antrag auf Abschluss einer Lebensversicherung aus. (picture alliance / dpa / Jörg Schmitt)
Ein Kunde füllt einen Antrag auf Abschluss einer Lebensversicherung aus. (picture alliance / dpa / Jörg Schmitt)

Das Umfeld für die Versicherungsbranche ist schwierig. Vor allem die Lebensversicherungen leiden unter den geringen Kapitalmarktzinsen, sagt Christian Badorff, Analyst bei Standard & Poor's:

"Niedrigzinsen sind eine größere Herausforderung aus unserer Sicht, die sich so langsam auch in den Beständen niederschlagen wird. Das ist angesichts eines relativ wenig variablen Garantiezinses eigentlich aus unserer Sicht die größte Herausforderung. Als positive Faktoren sehen wir relativ große Stabilität auf der Kapitalanlageseite nach wie vor, glauben aber, dass mittelfristig eben doch der niedrige Zins sich auch in den Kapitalanlageergebnissen zeigen wird."

Mit Neuanlagen haben die Versicherer im vergangenen Jahr allenfalls noch 3,2 Prozent Zinsen erzielen können, das lag nur noch knapp über der durchschnittlichen Garantieverzinsung von 3,1 Prozent. Dabei sind Altkunden vier Prozent, Neukunden nur noch 1,75 Prozent zugesagt worden.

Und selbst diesen niedrigen Zins konnten einige Gesellschaften offenbar nur mit Mühe erwirtschaften. Deshalb hatte die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem die Auszahlungen aus den Lebensversicherungen begrenzt werden sollen. Dabei geht es um die sogenannten Bewertungsreserven. Die entstehen, wenn der Versicherer ein Wertpapier hält, das aktuell niedriger gehandelt wird als der Wert, zu dem es in der Bilanz steht.

Weil derzeit die Zinsen so niedrig sind, sind etwa die Anleihekurse sehr hoch. Es entstehen also hohe Bewertungsreserven. Für Anleihen aber stehen sie nur auf dem Papier, solange sie nicht vor dem Ende ihrer Laufzeit verkauft werden. Denn sie besitzen einen festen Anfangs- und Endwert.

Eine volle Ausschüttung würde also die Neukunden belasten, argumentiert die Bundesregierung. Deshalb sollte die Hälfte dieser Reserven einbehalten werde. So sollten die Versicherungen Kapitalpuffer für schlechte Zeiten aufbauen können. Der Bundesrat hatte diesen Gesetzentwurf jedoch im Dezember gestoppt, weil er befürchtete, dass diese Puffer den Aktionären zugute kommen könnten.

Das bedauert Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht:

"Es gilt auch: Das niedrige Zinsniveau mag uns noch viele Jahre begleiten. Die Versicherer müssen sich darauf einstellen und bei der Produktgestaltung neue Wege gehen."

Das könnte etwa bedeuten, die Garantiezusagen nur für bestimmte Zeiträume festzulegen.

Auch die Sachversicherungen leiden unter dem Niedrigzinsumfeld. Doch den Schaden- und Unfallversicherern ist es im vergangenen Jahr gelungen, Prämienerhöhungen durchzusetzen. Vor allem die Kfz-Versicherer haben sich dadurch aus ihrer schwierigen Lage befreien können.

Christian Badorff von Standard & Poor's:

"Wir gehen davon aus, dass Prämien weiter ansteigen werden, gehen also davon aus, dass Schaden-Kostenquoten, die ein Maß für die Profitabilität von Schaden-Unfallversicherern ist, sich leicht verbessern wird gegenüber dem Vorjahr."

Aus eigener Kraft wie diese Sparte für die Zukunft vorsorgen können die privaten Krankenversicherungen nicht unbedingt. Etwa ein Zehntel der Versicherungsnehmer ist privat krankenversichert, der Rest über die gesetzliche Krankenkasse. Vor allem die SPD, die Grünen und die Linken dringen auf ihre Abschaffung beziehungsweise auf eine Bürgerversicherung, in die alle Bürger einzahlen sollen.

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