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StartseiteVerbrauchertippWenn die Coronainfektion ein Arbeitsunfall ist21.05.2021

Versicherungsschutz bei Long-CovidWenn die Coronainfektion ein Arbeitsunfall ist

Eine Infektion mit dem Coronavirus am Arbeitsplatz kann als Arbeitsunfall gewertet werden. Falls Beschäftigte danach unter Long-Covid leiden, können sie unter Umständen Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung erhalten.

Von Klaus Deuse

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Auf zwei Monitoren sind am Klinikum Stuttgart Computertomographieaufnahmen der Lunge eines Covid19-Patienten zu sehen. Die linke Aufnahme wurde zu Beginn der Behandlung der Coronainfektion angefertigt - die rechte Aufnahme 13 Tage später. Die Ausbreitung der weißen Bereiche in der rechten Aufnahme zeigen eine stärke Infektion mit Wassereinlagerungen in der Lunge. Dadurch ist eine künstliche Beatmung notwendig. Mit Hilfe von Lungen-Aufnahmen erkrankter Covid-19-Patienten forschen Radiologen in Stuttgart nicht nur an bessere Behandlungmethoden, sondern auch an den Langzeitfolgen des Virus. (dpa/picture alliance/Sebastian Gollnow)
Auch wenn die eigentliche Covid-19-Erkrankung schon längst überstanden ist, kann es sein, dass Patienten immer noch stark eingeschränkt sind (dpa/picture alliance/Sebastian Gollnow)
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Bei einer Infektion mit dem Coronavirus am Arbeitsplatz kann die Erkrankung durchaus als Arbeitsunfall eingestuft werden, erläutert die Sozialrechtsexpertin Katrin Willnecke von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi: "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Infektion am Arbeitsplatz erfolgte, ist zum Beispiel gegeben, wenn mehrere Beschäftigte einer Abteilung bzw. eines Betriebes erkrankt sind oder nachweislich Kontakt mit erkrankten Beschäftigten oder Kundinnen bzw. Kunden hatten."

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Selbst wenn die Infektionen symptomlos verlaufen, sollte in solchen Fällen erstens der Präventionsdienst der zuständigen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse eingeschaltet und zweitens vom Arbeitgeber eine Verdachtsanzeige gestellt werden. Erstattet der Arbeitgeber keine Anzeige, dann können dies die Beschäftigten auch selbst in die Hand nehmen.

"Hierzu genügt eine E-Mail oder ein formloses Schreiben an die zuständige Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse mit dem Satz: Ich beantrage die Anerkennung meiner während der Tätigkeit erworbenen Infektion mit Covid-19 als Arbeitsunfall," so Willnecke.

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Bei Beschäftigten im Gesundheitswesen, der Wohlfahrtspflege und in den Laboratorien ist eine Erkrankung mit Covid-19 am Arbeitsplatz bereits als Berufskrankheit anerkannt. Das gilt übrigens auch für Friseurinnen und Friseure. Bei Beschäftigten in allen anderen Branchen, sagt Katrin Willnecke, ist zu überprüfen, ob es sich um einen Arbeitsunfall handelt. Sie sagt: "Das betrifft vor allem Beschäftigte, die während ihrer Arbeit Kontakt mit anderen Menschen hatten wie zum Beispiel die Bereiche des öffentlichen Nahverkehrs und Fernverkehrs, der Logistik, Zustellerinnen und Zusteller, den Handel, Kinder- und Schülerbetreuung, das Flugpersonal und das Flughafenpersonal."

Covid-19 als Berufskrankheit

Wird die Infektion als Arbeitsunfall anerkannt, bringt das für Betroffene etliche Vorteile. Willnecke sagt: "Die zuständige Berufsgenossenschaft zahlt den Test, die Heilbehandlung und wenn notwendig die medizinischen, beruflichen sowie die sozialen Rehabilitationen wie Lohnersatzkosten, Rehabilitationskosten sowie die Kosten für Umschulungsmaßnahmen."

Und wer bei Langzeitfolgen dauerhaft erwerbsgemindert bleibt, erhält eine Rente. Da viele Beschäftigte nicht wissen, was in solchen Fällen zu tun ist, hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die wichtigsten Informationen dazu in einer Handlungshilfe zusammengestellt. Unabhängig davon bietet eine Berufsunfähigkeitsversicherung eine finanzielle Absicherung, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

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"Eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet, wenn der bisherige Beruf durch eine Krankheit oder eines Unfalls nach längerer Zeit, das sind nach den Bedingungen meistens sechs Monate, in erheblichem Umfang, meistens 50 Prozent, nicht mehr ausgeübt werden kann."

Das gilt auch bei Spätfolgen nach einer Corona-Erkrankung wie für jede andere Krankheit auch, allerdings nur bei bereits bestehenden Versicherungen. Und für die Zeit nach Corona rät Verbraucherberater Grieble, bei einem Vertragsabschluss Nachfragen zur Gesundheit wahrheitsgemäß zu beantworten. Auch die nach bisherigen Atemwegserkrankungen.

"Ansonsten besteht die Gefahr, dass im Fall einer späteren Berufsunfähigkeit der Versicherer keinen Cent zahlt. Und weil das so wichtig ist, ist es sehr sinnvoll, die Antworten auf die Gesundheitsfragen vorher mit dem eigenen Arzt zu besprechen."

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

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