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StartseiteKommentare und Themen der WocheGrundstein für die digitale Zukunft19.03.2019

Versteigerung der 5G-FrequenzenGrundstein für die digitale Zukunft

Die 5G-Frequenzversteigerung ist ein wichtiger Schritt für die digitale Zukunft des Landes, meint Ursula Mense - auch wenn zunächst nur die Industrie davon profitiere. Auch die Angst vor dem Funkmasten-Ausrüster Huawei dürfe den Netzausbau nicht verzögern.

Von Ursula Mense

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March 1, 2018 - Barcelona, Spain - 5G logo during the Mobile World Congress day 4, on March 1, 2018 in Barcelona, Spain.  (imago / Joan Cros)
Das Mobilfunknetz 5G: im Jahr 2020 soll es seinen Betrieb aufnehmen (imago / Joan Cros)
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Was für eine Aufregung: No-Spy Abkommen werden angedacht, das Verwaltungsgericht in Köln angerufen, nicht zuletzt auch noch an die Gefahren erinnert, die Handy-Strahlung für die Gesundheit haben könnte. Und das alles, weil ab heute Frequenzen für Mobilfunklizenzen versteigert werden. Zum 5. Mal.

Dabei wird nur der Grundstein gelegt, für ein schnelles mobiles Internet in der Zukunft. Erst in einigen Jahren wird es möglich sein, von den versprochenen Anwendungen auch zu profitieren. Nur macht sie das nicht weniger wichtig. Im Gegenteil: Dieser Grundstein ist richtig und überfällig, wenn wir irgendwann nicht mehr das von allen Seiten beklagte digitale Schlusslicht sein wollen.

Vorteile für die Industrie

Ja – von dieser Frequenzversteigerung profitiert vor allem die Industrie! Ist das etwa ein Manko? 5G ist hundertmal schneller als 4G, es erlaubt mehr Geräte in einer Funkzelle, die gleichzeitig bedient werden können, der Datentransfer passiert fast in Echtzeit! Alles Vorteile für kommunizierende Maschinen und Roboter in vernetzten Fabrikhallen, für ferngesteuerte Medizintechnik, für selbstfahrende Autos! Mit einem Wort: für all das, was wir seit Langem für erstrebenswert und notwendig erachten für die digitale Zukunft unserer Industrie, ja für unser Land! Und das soll nun schlecht sein, weil wir als Verbraucher, als Privatmenschen erst mal nicht davon profitieren?   

Funklöcher auf dem Land bleiben

Ja - von dieser Frequenzversteigerung werden ländliche Gebiete nichts haben. Und gerade sie wären jetzt mal dran. Die Frequenzen haben aber keine große Reichweite und können keine Hindernisse überwinden. Deshalb klappt das nicht und es werden langfristig nur Menschen in Ballungsgebieten davon profitieren und Unternehmen, die dort angesiedelt sind. Das hat also technische Gründe. Erst in den kommenden Jahren werden Frequenzen versteigert, die auch große Flächen abdecken können. Natürlich ist das schlecht, weil die, die heute schon im Funkloch sitzen, das noch länger ertragen müssen. Was aber nichts daran ändert, dass die Versteigerung heute gut ist und eine technisch wichtige Voraussetzung für den allseits und schon so lange geforderten digitalen Fortschritt.

Keine Angst vor Huawei?

Unser Umgang mit den möglicherweise berechtigten Ängsten vor dem asiatischen Funkmasten-Ausrüster Huawei hilft uns dabei auch nicht weiter. Dass er auf Geheiß der chinesischen Führung ganze Versorgungsstränge lahmlegen und Daten ausspionieren könnte, dieser Gefahr würde man nur begegnen, wenn man Huawei konsequent verbannen und die gesamte Netzwerktechnik in die Hände europäischer Anbieter legen würde. Zu dumm nur, dass sich da momentan keine Namen aufdrängen. So ist es leider nur allzu wahr: Ohne Huawei-Technik würde der gesamte Netzausbau noch länger dauern.

Ursula Mense (© Michael Bause)Ursula Mense (© Michael Bause)Ursula Mense, Jahrgang 1953, hat in Münster, Marburg und London Germanistik und Anglistik studiert. Nach einem längeren USA-Aufenthalt hat sie für verschiedene öffentlich-rechtliche Radio- und TV-Sender mit den Schwerpunkten Umwelt-, Agrar- und Sozialpolitik gearbeitet und Magazine unterschiedlichen Formats moderiert. Seit 2014 gehört sie zum Team der Dlf-Redaktion "Wirtschaft und Gesellschaft".

 

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