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StartseiteCorsoPop-Diplomatin zwischen Taiwan und China09.04.2019

Verstorbene Musikerin Teresa TengPop-Diplomatin zwischen Taiwan und China

Teresa Teng gilt als größte Pop-Heldin Taiwans. Mit 42 Jahren früh verstorben, lebt sie bis heute weiter - nicht nur durch ihre Musik, sondern jetzt auch durch ein Themenrestaurant, das ihr zu Ehren in Peking eröffnet wurde. Es ist ein Museum, eine Karaokebar und ein Brückenkopf zwischen den Staaten.

Von Axel Dorloff

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Teresa Tang 3D virtualization concert holds in Taipei, Taiwan, China on 09th May, 2015. (imago stock&people )
Teresa Teng - verstorbene Pop-Ikone aus Taiwan - hier als Hologramm bei einem 3D-Konzert in Taipeh 2015 (imago stock&people )
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Der weiße Altbau ist mit Stuck-Ornamenten verziert. An der Frontseite hängt ein etwa fünf Meter hohes farbiges Gemälde von Teresa Teng. Darauf trägt sie ein rotes Kleid mit weißen Blumen. Drinnen stehen die Fans bereits auf der Karaoke-Bühne oder essen taiwanesische Gerichte. Im Themen-Restaurant für Teresa Teng, Taiwans größter Pop-Ikone. Und das mitten in Peking, der Hauptstadt der Volksrepublik. 

Lieder mit Symbolkraft

Zhao Ziyou ist ein 21-jähriger Student. Ein Fan, seitdem er als kleiner Junge die alten Teresa-Teng-Platten seines Großvaters aus Südchina gehört hat: "Sie ist immer noch die größte Pop-Ikone der chinesisch-sprachigen Musikkultur. Sie repräsentiert die Musikindustrie in Taiwan und ist gleichzeitig unglaublich berühmt auf dem Festland. Ihre Stimme und ihre Lieder symbolisieren vielleicht die größte Brücke zwischen Festland-China und Taiwan. Ihre Stimme verbindet die Menschen."

Die Rezeption von Teresa Teng erzählt viel über chinesische Geschichte. Ende der 70er-Jahre, als in China die Reform- und Öffnungspolitik begann, schwappte ihre Musik aufs Festland – und wurde von der Kommunistischen Partei offiziell verboten. Sie galt als schmutziges Kulturgut aus dem Westen, als dekadent und pornographisch. Die Regierung in Taiwan hat damals mit Teresa-Teng-Musik das Festland beschallt. Provokation mit riesigen Lautsprechern.

Politische Appelle und Solidaritätskonzerte

"Die Situation in Festland-China unterscheidet sich von der in anderen Regionen der Welt. Ich denke schon, dass man die Popularität von Teresa Tang auch damit erklären kann, dass die Regierung ihre Songs anfangs verboten hat. Denn alle Menschen sind neugierig. Wenn Du etwas verbietest, wollen sie herausfinden, was es genau ist."

Auch wenn das Verbot ihrer Musik in der Volksrepublik damals aufgehoben wurde - für die Führung in Peking blieb Teresa Teng ein Ärgernis. Besonders ihre politischen Appelle. 1989 hat sie Solidaritätskonzerte für die chinesische Demokratiebewegung gegeben.

"Sie hoffte, dass ihre Landsleute auf dem Festland mal die gleiche Demokratie und Freiheit genießen können wie die Menschen in Taiwan, sagt sie in einem alten Mitschnitt eines Konzerts auf der taiwanesischen Insel Kinmen, nahe dem chinesischen Festland. Nur in einer Lebenswelt mit Demokratie und Freiheit, gäbe es die Chance, persönliche und individuelle Träume zu verwirklichen."

Zahl der Fans steigt stetig

Die Spezialität im Teresa-Teng-Themen-Restaurant in Peking ist ihr Lieblingsgericht: Zhu Ti. Schweinefuß, wie ihn ihre Mutter zubereitet hat. Der junge Fan Zhao Ziyou sieht sich im angrenzenden Museum die Alltagsgegenstände aus ihrem Leben an: Ölbilder, Fotos und Möbel.

"Ihre Popularität wird sich in China noch lange halten. Auch wenn Teresa Teng jetzt schon seit 24 Jahren tot ist - die Zahl ihrer Fans steigt immer weiter, gerade in jüngster Zeit. Jedes Jahr werden Platten neu aufgelegt. Es gibt so viele Alben!"

Zhao Ziyou hat über 100 CDs von Teresa Teng, dazu die Kassetten und Schallplatten-Sammlung seines Opas. Jetzt arbeitet er an einem Projekt: iteresateng.com. Eine Online-Datenbank ihrer Musik und ihres Schaffens. Ein Projekt des Fanclubs – gemeinsam mit Fans aus Taiwan, die Zhao Ziyou nie gesehen hat.

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