Freitag, 20. Mai 2022

Kritik an Bundesverteidigungsministerin
Lambrecht lässt das nötige Fingerspitzengefühl vermissen

Christine Lambrecht hätte ihren Sohn besser nicht mit an Bord eines Regierungshubschraubers nehmen sollen, kommentiert Frank Capellan die Kritik an der Bundesverteidigungsministerin. Schließlich wisse sie, dass sie unter Beobachtung steht. Doch auch darüber hinaus komme bei Lambrecht inzwischen zu viel zusammen.

Ein Kommentar von Frank Capellan | 10.05.2022

Christine Lambrecht (SPD), Verteidigungsministerin
Christine Lambrecht (SPD), Bundesverteidigungsministerin (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)
Um es vorweg ganz klar zu sagen: Ja, eine Verteidigungsministerin darf auch in Kriegszeiten Urlaub machen! Es ist sogar wichtig, wenn sie rund um die Uhr gefragt ist und über Leben und Tod mitzuentscheiden hat. Ob es auf Sylt sein muss, sei mal dahingestellt. Bei „Gosch am Kliff“, dem bekannten Fischrestaurant bei Kampen, sitzt man eben auf dem Präsentierteller und wen die "Bild"-Zeitung auf dem Kieker hat, der sollte keine unnötigen Vorlagen für unliebsame Fotos liefern.

Sohn postet Foto von sich im Regierungshubschrauber

Das gilt erst recht für den 21-jährigen Sohn von Christine Lambrecht, der bei Instagram ein Foto postet, auf dem er stolz im Regierungshubschrauber sitzt. Rechtlich mag das alles in Ordnung sein, für den Sohn wurde der entsprechende Lufthansa-Tarif bezahlt. Doch die entsprechenden Richtlinien der Flugbereitschaft dürfen getrost einmal infrage gestellt werden. Sieben Mal schon durfte der Lambrecht-Sohn seine Mutter auf diese Art bei Auslandsreisen begleiten, die sie in ihrer Zeit als Justizministerin unternommen hat. Mit welcher Begründung eigentlich?

Familie und Beruf vereinbaren - das kann es hier nicht sein

Es geht hier, bei einem erwachsenen, jungen Mann wohl kaum darum, dass die Verteidigungsministerin Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen hat. Bei ihrer Außenamtskollegen Annalena Baerbock mit zwei Töchtern im Grundschulalter, die sie in diesen Zeiten kaum noch zu Gesicht bekommt, wäre das schon eine andere Sache. Die Grüne hat dennoch bisher auf entsprechende Reisen verzichtet. Sozialdemokratin Lambrecht allerdings setzt sich ohne Not dem Verdacht aus, ihren Truppenbesuch in Schleswig-Holstein ganz bewusst möglichst nah an ihren Urlaubsort gelegt zu haben.

Es begann mit der Misere um die 5.000 Helme für die Ukraine

Bei ihr kommt mittlerweile zu viel zusammen. Mit der Misere um die 5.000 Helme für die Ukraine, die sie voller Inbrunst als großes Geschenk Deutschlands zu verkaufen suchte, hat alles begonnen. Seither scheint die Sozialdemokratin kein Fettnäpfchen auslassen zu wollen. Jetzt muss sie sich als Helikopter-Mutter verspotten lassen. Dabei ist es zu billig, allein von einer Kampagne gegen eine Frau zu sprechen. Soldaten in Stöckelschuhen im Einsatz in Mali zu besuchen ist einfach unangemessen, und wenn ein Minister dort in Anzug und Lackschuhen auftaucht, wäre das genauso zu kritisieren.
Lambrecht fremdelt mit der Truppe, sie lässt das nötige Fingerspitzengefühl vermissen. Und nein: Wissend, dass sie enorm unter Beobachtung steht, hätte sie ihren Sohn vor Ostern besser nicht mit an Bord nehmen sollen.
Frank Capellan, Hauptstadtstudio
Frank Capellan, Hauptstadtstudio
Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD und Familienpolitik.