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StartseiteVerbrauchertippWie sich Unverheiratete absichern können10.07.2018

Verträge, Wohnrecht, KinderWie sich Unverheiratete absichern können

Wenn es um Eigentumsfragen, Erbschaftsangelegenheiten oder das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder oder Haustiere geht, sollten Paare die Romantik außer Acht lassen, raten Experten. Denn sonst kann es insbesondere für Unverheiratete bei der Trennung oder dem Tod des Partners ein böses Erwachen geben.

Von Sina Fröhndrich

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IPaar liegt Rücken an Rücken im Bett (Illustration) (imago stock&people)
Wenn die Liebe aus ist, beginnt oft der Streit ums Geld und um die Kinder - deshalb sollten Paare schon vorab Sorge für die Regelung ihrer Verhältnisse tragen. (imago stock&people)
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Ehescheidung Sorgerecht, Unterhalt und Co

Ein Paar lebt seit 20 Jahren zusammen, glücklich, aber unverheiratet – als er plötzlich stirbt, steht sie ohne alles da. Vor allem beim Thema Erbe sollten unverheiratete Paare also vorsorgen, sagt die Rechtsanwältin für Erbrecht Karin Vetter aus Rastatt.

"Wenn ich kein Testament habe, greift die gesetzliche Erbfolge, das heißt, es erben die gemeinsamen Kinder oder, wenn ich eine Patchworksituation habe, erben nur die Kinder des Verstorbenen. Oder wenn ich keine Kinder habe, dann erben die Eltern oder Geschwister. Wenn ich das nicht möchte, brauche ich zwingend ein Testament, um den Partner abzusichern. Ich kann dann sagen, ich berufe ihn als Erben oder ich bedenke ihn in meinem Testament, indem ich ihm zum Beispiel diese Immobilie zuwende."

Beide Partner sollten als Hauptmieter im Mietvertrag stehen

Das geht etwa durch ein Wohnrecht. Wird eine Immobilie gemietet, sollten beide als Hauptmieter im Mietvertrag stehen – scheitert die Beziehung, kann der eine den anderen nicht einfach so vor die Tür setzen. Details wie die Frage, wer bekommt die Kaution, lassen sich in einem Partnerschaftsvertrag festlegen. Auch die Verteilung von Möbeln und Haushaltsgeräten kann vertraglich geregelt werden, sagt die Münchner Rechtsanwältin Beate Wernitznig:

"Wobei hier erst einmal die Erkenntnis geschaffen werden muss, dass es in der nichtehelichen Beziehung nicht darauf ankommt, wer was kauft und damit die Rechnungen aufhebt – sondern, dass die Gegenstände, die für die nichteheliche Lebensgemeinschaft angeschafft werden, beiden gehören. Wenn man das nicht will, könnte man in einem Partnerschaftsvertrag regeln: Der der bezahlt hat, dem gehört es alleine."

Außerdem können Paare in so einem Vertrag vereinbaren: Was passiert mit gemeinschaftlich finanzierten Gegenständen? Wer kommt für gemeinsame Schulden auf im Falle einer Trennung?

Ein Partnerschaftsvertrag lässt sich auch – wenn beide einverstanden sind – ändern. Ein Notar kommt vor allem dann in Spiel, wenn es etwa um Wohneigentum geht.

Schmutzige Schlammschlachten vermeiden

Wichtig: Der Partnerschaftsvertrag regelt nicht nur, was passiert, sollte die Beziehung scheitern. Er kann auch das tägliche Zusammenleben gestalten. Ein Beispiel: Paare können festlegen, ob einer dem anderen Unterhalt zahlt, weil er mehr verdient – und der andere den Job reduziert – etwa um sich verstärkt um gemeinsame Kinder zu kümmern. Rechtsanwältin Beate Wernitznig.

"Denn so lange man noch friedlich miteinander umgeht, kann man die Themen deutlich entspannter regeln: Wie lang kann jemand zuhause bleibe, wie lang wird Unterhalt bezahlt, wie lang darf der betreuende Elternteil nur Teilzeit arbeiten.

Wenn man solche Dinge festlegt, spart man sich viele schmutzige Schlammschlachten, wo dann darüber gestritten wird: Das Kind ist bis vier Uhr im Kindergarten, du kannst bis fünf vor vier arbeiten gehen. Das würde ich entzerren, um mir quasi ganz konkret vorzustellen, wie lange wollen wir, dass ein Elternteil ganz konkret bei dem Kind zu Hause ist."

Fast noch wichtiger zu klären ist die Frage des Sorgerechts, sagt Anwältin Wernitznig. Das kann schon vor der Geburt bei den Jugendämtern beantragt werden. Was besonders wichtig ist, sollte der Mutter bei der Geburt etwas zustoßen.

Auch für den Fall, dass ein Partner krank werden sollte, gilt es, sich abzusichern. Eine Vorsorgevollmacht regelt - wie bei Eheleuten auch – beispielsweise den Zugriff auf Konten, aber auch was der andere im Krankheitsfall entscheiden darf. Karin Vetter:

"Die muss griffbereit sein für den Notfall, aber es geht ja auch um niedrigschwellige Maßnahmen, wenn jemand nach einer OP unruhig ist und ein Bettgitter braucht, kann ich so etwas nur entscheiden, wenn ich eine solche Vollmacht habe."

Zurückhaltung ist fehl am Platz

Wie viele uneheliche Paare so vorsorgen und auch einen Partnerschaftsvertrag abschließen, ist nicht bekannt. Die Anwältin Wernitznig beobachtet insgesamt zwar inzwischen etwas mehr Offenheit dafür – trotzdem gebe es auch eine gewisse Zurückhaltung.

"Es ist in vielen Dingen erst einmal eine Unkenntnis, dass man viele Rechte nicht hat und eine gewisse Scheu, dass beim Partner so offen anzusprechen, dass man eine finanzielle Absicherung möchte, weil man immer Angst hat, man bekommt unterstellt, dass schon die Trennung im Raum steht."

Für Unverheiratete gilt also: Romantik außen vor lassen – denn ohne Ring heißt auch ohne Rechte.

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