Montag, 17.02.2020
 
Seit 21:05 Uhr Musik-Panorama
StartseiteVerbrauchertippViele Ansprechpartner, wenig Hilfe31.12.2019

Vertragsabschlüsse über Vergleichsportale Viele Ansprechpartner, wenig Hilfe

Treten bei Vertragsabschluss über Vergleichsportale Probleme auf, haben Kunden oft mehrere Ansprechpartner - den Anbieter, das Vergleichsportal oder gar Zwischenvermittler. Da wird oft die Verantwortung hin und her geschoben. Doch man kann dem bösen Erwachen vorbeugen.

Von Stefan Römermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein typischer Wechselstromzähler. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Oft werden auch Stromverträge über Vergleichsportale abgeschlossen (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Mehr zum Thema

Versicherungen Teure Police für wenig Leistung?

Oberlandesgericht Dresden Finanztip darf sich nicht mehr "werbefrei" nennen

Urteil Check24 muss seine Kunden besser informieren

Das Angebot im Vergleichsportal sah nach einem echten Schnäppchen aus, erzählt Florian Tuczek aus Leipzig.

"Ich wollte einen Handyvertrag und da war dann auch noch Internet dabei. Und das ganze klang mit 5,99 Euro ganz gut. Rufnummer Portierung null Euro, wie viele andere Sachen auch: Null Euro."

Doch nach der Bestellung stellte sich schnell heraus: Das Mitnehmen seiner alten Telefonnummer würde nicht klappen. Tuczek stornierte den Vertrag deshalb innerhalb der gesetzlichen 14 Tage Widerrufsfrist. Und hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Schließlich bekam er sogar eine Bestätigung für den Widerruf zugeschickt. Trotzdem wurden Begrüßungsschreiben und Rechnungen verschickt. Immer wieder schrieb Tuczek deshalb an den Kundenservice seines neuen Telefonanbieters und an das Vergleichsportal. Vergeblich.

"Immer wieder ein Fax, noch ein Fax. Auf das Fax wurde auch nicht richtig reagiert. Sie haben dann eine Abbuchung gemacht."

Mehrere Ansprechpartner

Das Problem: Wer über ein Online-Portal beispielsweise einen Telefonvertrag oder eine Versicherung abschließt hat meist gleich mehrere Ansprechpartner: Das Portal, den neuen Anbieter, bei dem man Kunde werden möchte und manchmal noch eine weitere Firma zwischendrin für die Abwicklung. Kommt es zu Problemen oder Fehlern im Bestellablauf, wird die Verantwortung dann oft hin und hergeschoben, erklärt Internet-Expertin Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Zwei Frauen stehen diskutierend vor ihren beschädigten Autos. (imago/Jochen Tack) (imago/Jochen Tack)Wechsel der Autoversicherung / Günstigster Tarif muss nicht der beste sein
Vergleichsportale oder die Stiftung Warentest können billigere Alternativen aufzeigen. Doch wer das günstigste Angebot wählt, muss meist auch Abstriche beim Versicherungsschutz machen. Genau hinschauen lohnt sich.

"Es ist tatsächlich so, dass man Rechte aus dem Vertrag nur gegenüber dem Anbieter selbst hat, mit dem man den Vertrag geschlossen hat und das Vermittlungsportal hier fein raus ist und sagen kann: Wir haben nur vermittelt und das haben wir getan."

Nur wenn zum Beispiel bei der Bestellverarbeitung ein Fehler passiert ist oder die während der Bestellung angezeigten Konditionen nicht mit der Auftragsbestätigung übereinstimmen, haften auch die Internet-Portale. Doch selbst dann reagieren diese auf Reklamationen eher unfreundlich, erklärt Verbraucherschützerin Henschler.

"Die bügeln und wiegeln ab und verweisen letzten Endes auf den Vertragspartner. Sie wollen also mit der Sache auch nichts zu tun haben."

Sie rät Verbrauchern deshalb, bei Reklamationen im Zweifelsfall lieber zweigleisig zu verfahren.

Auftragsbestätigung genau prüfen

"Wenn Fehler aufgetreten sind, wendet man sich idealerweise an beide. Also sowohl an das Vermittlungsportal, aber auch schon an den Vertragspartner, damit der zumindest informiert ist und die falschen Daten zumindest nicht übernimmt."

So hat es auch Florian Tuczek mit seinem Mobilfunkvertrag gemacht. Trotzdem brauchte es Monate und viele Anschreiben, bis endlich alle Rechnungen storniert waren, erzählt er.

ushalt zeigt den Stromverbrauch sekündlich an und liefert diese Information an einen Kleincomputer.  (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch) (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)Steigende Strom- und Gaspreise / Wann ist ein Wechsel des Energieanbieters ratsam?Die nächste Erhöhung der Strompreise für Privathaushalte steht an. Lohnt es sich, Einspruch zu erheben und worauf sollte man bei der Wahl des Tarifs achten?

"Und dann haben sie halt geschrieben, dass ich jetzt nichts mehr zahlen muss. Ich war also irgendwie nach einem halben oder dreiviertel Jahr aus der Sache wirklich raus."

Um solchen Ärger so weit wie irgendwie möglich schon im Vorfeld zu vermeiden, sollten Verbraucher unbedingt die Auftragsbestätigung genau prüfen und Fehler sofort reklamieren, rät Verbraucherschützerin Henschler.

"Checken: Habe ich das alles genauso da eingegeben, und möchte ich das so, bevor dann der eigentliche Vertrag in die Wege geleitet wird. Zusätzlich hat man natürlich auch noch ein Widerrufsrecht für online geschlossene Verträge. Aber generell lieber gleich am Anfang schauen, ob alles so richtig ist. Sonst läuft man den Problemen nur hinterher."

Gibt es trotzdem Probleme, können sich Verbraucher Hilfe bei einem Rechtsanwalt und den Verbraucherzentralen holen, falls sie allein nicht weiter kommen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk