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StartseiteKommentare und Themen der WocheAuch wir werden uns an den Klimawandel anpassen müssen15.07.2021

Verwüstungen und Tote nach UnwetternAuch wir werden uns an den Klimawandel anpassen müssen

Die Häufigkeit und Stärke solcher Starkregen wie jetzt in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen werde mit jedem Zehntel Grad höherer Temperatur wahrscheinlicher, kommentiert Werner Eckert vom SWR. Der Kampf gegen den Klimawandel sei deshalb wichtig, auch wenn wir ihn nicht völlig aufhalten werden.

Ein Kommentar von Werner Eckert

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Die Menschen schauen in dem Ort Schuld im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter auf die Zerstörungen. Mindestens sechs Häuser wurden durch die Fluten zerstört. (dpa)
Verwüstungen nach Unwetter in Rheinland-Pfalz (dpa)
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Es ist eine Tragödie, was da in der Eifel in einigen Orten geschehen ist. In Schuld etwa oder anderswo an der Ahr. Diese Ereignisse kann man nicht kommentieren, da bleibt nur die tiefe Betroffenheit und Anteilnahme. Aber so hilflos wir im konkreten Fall der Wucht der Elemente gegenüberstehen: Wir können viel tun, um Schlimmeres zu verhindern.

Der Ortskern von Gelsdorf (Kreis Ahrweiler)ist nach dem Starkregen überflutet. Tief Bernd bringt Regen über Eifel und Hunsrück, die Hochwassergefahr steigt. (picture alliance/dpa | Thomas Frey) (picture alliance/dpa | Thomas Frey)Forscher zu Unwetter-Katastrophe - "Risiko für solche Ereignisse eigentlich für jeden Standort in Deutschland"
Das Risiko für Ereignisse wie das aktuelle Unwetter werde im Zuge des Klimawandels zunehmen, sagte Jürgen Jensen vom Institut Wasser und Umwelt im Dlf. Sich auf solche Extremereignisse einzustellen sei schwierig, aber es gebe Möglichkeiten – etwa bei der staatlichen Katastrophenabwehr.

Das eine ist der Kampf gegen den Klimawandel. Nicht das einzelne Gewitter – aber die Häufigkeit und Stärke solcher Starkregen – die werden mit jedem Zehntel Grad höherer Temperatur wahrscheinlicher. Mehr Wärme bedeutet mehr Wasser in der Atmosphäre, das wieder runter muss. Und die starke Erwärmung der Arktis – die dadurch geringe Temperaturdifferenz zwischen Pol und Äquator – lässt die Höhenströmung, den Jetstream, schwächeln, der ansonsten die Hochs und Tiefs zügig weiterschiebt. Die bleiben dann an einem Ort – so wie Tief "Bernd" eben bei uns. Und laden alles Wasser an der gleichen Stelle ab. Der gleiche Effekt führt unter anderen Vorzeichen auch zu Dürre und Hitze, wie wir sie in den vergangenen Sommern erlebt haben – und da ist der Zusammenhang wissenschaftlich noch besser belegt.

Müssen den Wandel auch aushalten

Weil die Klimakrise die Sache eben verschärft, ist so wichtig, was die EU-Kommission gestern erst vorgeschlagen hat: konkrete Schritte, um den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas runterzubringen. Und: wer immer jetzt auch aus Deutschland die Pläne der Kommission fleddern will, sollte Vizepräsident Frans Timmermans im Ohr haben, der gesagt hat, wer immer ein Stückchen aus unserem Paket rausnimmt, muss ein anderes reinlegen. Aber wir werden den Wandel nicht völlig aufhalten. Wir werden ihn zum Teil auch aushalten müssen.

In der Hochwassergefahrenkarte von Rheinland-Pfalz ist der Ort Schuld, den es jetzt so hart getroffen hat, als "mäßig" gefährdet eingestuft. Das ist kein Mangel. Das macht nur deutlich, dass es fast jeden treffen kann. Und deshalb müssten viel mehr Gemeinden noch Hochwassergefahrenanalysen machen. Das ist in Zukunft kein Luxus mehr – die Gefahr wächst durch den Klimawandel und da muss neu abgewogen werden. Und Hochwasserschutz war und ist immer Abwägungssache, das hat gerade der Leiter des Stuttgarter Tiefbauamts deutlich gemacht. Für Starkregen seien die Kanäle seiner Stadt nicht ausgelegt, das sei weder wirtschaftlich noch technisch machbar, sagt er. Es gibt viele Werkzeuge darüber hinaus: Hochwasserschutz in der Fläche, weniger Versiegelung, mehr Versickerung… Auch wir müssen uns an den Klimawandel anpassen, nicht nur die Anderen.

Aber am Ende bleibt die Tatsache: Das Ahrtal ist ein enges Flusstal mit felsigen Rändern. Der dünne Boden war bereits vor Tief Bernd vollgesogen – da konnte wohl nichts mehr die Fluten halten.

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