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StartseiteEuropa heuteVolkssport Gardening23.10.2018

Very british (2/5)Volkssport Gardening

Wohl duftend und perfekt angelegt – die Briten sind Meister der Gartenkunst. Viele Hobbygärtner schauen die tägliche Gartensendung "Flying Gardener" in der BBC. Moderator Chris Beardshaw gilt als James Bond der britischen Gartenszene.

Von Kirsten Zesewitz

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Der britische Gärtner und Fernsehmoderator Chris Beardshaw bei der Chelsea Flower Show 2018 (picture alliance/ empics/ Danny Lawson)
Der britische Gärtner und Fernsehmoderator Chris Beardshaw bei der Chelsea Flower Show 2018 (picture alliance/ empics/ Danny Lawson)
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Es ist Mittwochnachmittag, kurz vor drei. Zeit für den "Flying Gardener" auf BBC2. Jane Wilson setzt Wasser für den Tee auf. Soeben hat sie ihr Kreuzworträtsel im "Daily Telegraph" beendet. Sie legt die Zeitung auf den Küchentisch, nimmt eine Porzellantasse aus dem Schrank, legt Kekse dazu und trägt das Tablett in den Salon. An den Wänden hängen Bilder von Kühen und Schafen – eine Erinnerung an die Zeit, als Jane Wilson einen Bauernhof besaß. Jane ist 84 Jahre alt. Gartensendungen sind ihre Leidenschaft.

Jane Wilson macht es sich im Sessel gemütlich, ihre Füße hat sie auf ein Bänkchen gelegt. Der "Flying Gardener" dauert eine halbe Stunde. Chris Beardshaw heißt der Moderator: In Jeans und T-Shirt begrüßt er die Zuschauer. Beardshaw gilt als der James Bond der britischen Gartenszene. Deshalb fliegt er auch mit einem Hubschrauber durch die Gegend. Heute ist er in Irland unterwegs. 

Ein Hauch Exotik im irischen Garten

Sie kenne keine Gärten in Irland, sagt Jane Wilson. Einmal sei sie auf der Insel gewesen, da hätte der Rhododendron ganz zauberhaft geblüht. Jane Wilson nimmt einen Schluck Tee. Neben sich hat sie einen Notizblock liegen, für alle Fälle. Schließlich schaue sie die Gartensendungen nicht nur zum Spaß: Jane Wilson will etwas lernen, auf dem Laufenden bleiben in Sachen Technik und Gartendesign. 

"Ich habe diese Gartensendungen schon immer gemocht. Man sieht die Gärten anderer Leute, lernt ihre Pflanzpläne kennen, bekommt Tipps. Ich schreibe mir die Ratschläge auf, irgendwann kann ich sie bestimmt mal gebrauchen. Man lernt ja immer dazu. Gerade im Gartenbau wird ständig was erfunden. Ich hatte doch selbst mal eine Farm! Ich will eben wissen, wie sich die Dinge entwickeln, was man heute so macht." 

Der Hubschrauber ist gelandet. An der Südküste Irlands, bei Skibbereen. Das Klima hier ist mild, dank des Golfstroms wachsen sogar tropische Pflanzen. Der "Flying Gardener" ist an diesem Nachmittag bei John und Claudia O’Leara zu Gast. Auch sie würden gern einen Hauch Exotik in ihrem Garten haben, sagt Claudia. Die beiden wohnen allerdings auf einer Steilküste, der Seewind habe bisher all ihre Versuche zunichte gemacht. Nun soll der "Flying Gardener" helfen. 

"Sehen Sie, deshalb ist das Fernsehen so interessant: Man sieht in diesen Gartensendungen Sachen, die wir hier nicht kennen. Dieser Busch dort zum Beispiel, in England könnten wir den nicht anpflanzen. Der würde erfrieren im Winter."

Jane notiert sich alle Ratschläge - zum Nachmachen

Jane Wilson hat ihren Notizblock zur Hand genommen. Der Moderator ist in einem besonders schönen Garten unterwegs: Zitronenbäume wachsen hier, Oleander, Bougainvillea und Hibiskus. Ganz nah zoomt die Kamera an eine Blüte heran: Wie ein Fächer breiten sich die aprikosenfarbigen Blätter um eine dunkelrote Mitte aus, umgeben von feinen gelben Staubhaaren.  

Jane Wilson schreibt sich den Namen auf. Hibiskus rosa sinensis. Im Feng-Shui stehe die Pflanze für Reichtum, sagt Moderator Chris Beardshaw. Auf saurer Erde gedeihe sie besonders gut. Jane Wilson notiert.  

Der Gärtner geht weiter, plötzlich hat er eine Crocosmia in der Hand. Ihre orangen Blüten reihen sich ährenförmig am Fruchtstengel auf, die grünen Blätter sind schmal und lang. Jane Wilson horcht auf. Die habe sie auch in ihrem Garten. Lehmigen Boden mag Crocosmia gern.  

"Meine ist allerdings schöner, finde ich. Wir hatten auch mal diese orangene im Garten, das ist eine Montbretia. Aber jetzt habe ich eine dunkelrote, mit Namen Lucifer. Die blüht grandios. Also schöner als diese da."

Jane Wilson gießt sich Tee nach. Was jetzt kommt, kennt sie schon. Der Moderator packt einen Bambusbaum in seinen Hubschrauber. Er mache das immer so, erklärt sie: Nehme Büsche und Blumen aus anderen Regionen mit, um sie im Garten seiner Gastgeber anzupflanzen. Der Bambusbaum ist für John und Claudia O’Leara bestimmt. 

Der Klassiker unter den Gartensendungen: "Gardener's World"

Der Laderaum ist voller Pflanzen und Blumen. Aus dem Cockpit zeigt der Moderator auf einen Koniferenwall in der Landschaft. Dicht gedrängt stehen sie nebeneinander, schirmen das Hinterland gegen den Wind ab. Daran könne sich jeder Gärtner ein Beispiel nehmen, sagt Chris Beardshaw.  

Jane Wilson ist eine Anhängerin der "Gardeners World". Sie ist der Klassiker unter den britischen Gartensendungen. Seit 35 Jahren weiht die "Gardeners World" Millionen englischer Fernsehzuschauer in die Geheimnisse geschmackvollen Gärtnerns ein.  

Der "Flying Gardener" ist fertig mit seinem Werk. Im Garten von John und Claudia O‘Leara hat er aus Bambuszweigen einen Windschutz gebaut. Für die tropischen Pflanzen, die von nun an in Claudias Garten wachsen sollen. 

Jane Wilson reißt den obersten Zettel ihres Notizblock ab und legt ihn unter die Blumenvase auf dem Kaminsims. Den Hibiskus müsse sie bei Gelegenheit im Gartenmarkt nachfragen, erklärt sie. Vielleicht würde er gut zu Lucifer passen.

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