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StartseiteKultur heuteFrei von allem Gedöns der Spezialeffekte 24.07.2014

"Viel Lärm um nichts"Frei von allem Gedöns der Spezialeffekte

Der amerikanische Regisseur Joss Whedon ist der Erfinder von Fernsehserien wie "Buffy – im Bann der Dämonen" oder "Angel - Jäger der Finsternis". Und er hat eine ganze Reihe Comics gezeichnet. Jetzt kommt seine Verfilmung von Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts" aus dem Jahr 1600 ins Kino. Nach bereits zwölf Tagen war alles im Kasten.

Von Christoph Schmitz

Filmszene aus "Viel Lärm um nichts" ("Much Ado About Nothing") von Joss Whedon (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Filmszene aus "Viel Lärm um nichts" ("Much Ado About Nothing") von Joss Whedon (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Weiterführende Information

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Eigentlich hätte der amerikanische Regisseur, Drehbuchautor und Comiczeichner Joss Whedon dringend Urlaub gebraucht. Das war im Sommer 2011. Whedon hatte gerade die Dreharbeiten zu seinem Science-Fiction-Thriller "Marvel's The Avengers" beendet, groß besetzt mit vielen Stars. Vor dem Schnitt hatte der Regisseur nur wenige Tage zum Ausruhen. Er entspannte sich. Aber nicht mit Comics, sondern mit Shakespeare, mit der Verfilmung der Komödie "Viel Lärm um nichts" aus dem Jahr 1600. Nach zwölf Tagen war alles im Kasten, teils mit Freunden unter den Schauspielern von "Marvel's The Avengers" gedreht, daheim, in der Privatvilla des Regisseurs und seiner Frau, der Produzentin des Films. Es ist ein Schwarz-Weiß-Film geworden, frei von allem Gedöns der Spezialeffekte des Science-Fiction, reines Schauspiel, Shakespeares Text im Original, mehr oder weniger, allerdings kräftig gekürzt, von Whedon selbst, der obendrauf auch noch die Filmmusik komponiert hatte. Ein Self- und Homemade-Shakespeare durch und durch.

Leichtigkeit einer wohlverdienten Sommerfrische

Joss Whedon hat Shakespeares Komödie in die Gegenwart versetzt. Die siegreich aus dem Krieg nach Messina heimkehrenden Prinzen, Grafen und Edelmänner sind bei Whedon mächtige junge Männer in schicken Anzügen. Sie kommen aus der Hochfinanz oder aus Ministerien oder aus den Chefetagen von Hollywood, so klar wird das nicht, jedenfalls drehen sie alle am ganz großen Rad. Die Frauen daheim in der kalifornischen Villa sind schön und tragen luftige Sommerkleider. Bodyguards sichern das Anwesen, Zimmermädchen huschen durch die Räume, die Sonne scheint, Vorhänge wehen im Wind, alles atmet die Ruhe und Leichtigkeit einer wohlverdienten Sommerfrische. Gelöst, natürlich und frei von theatralischen Attitüden sprechen die Schauspieler den artifiziellen Renaissancetext. Shakespeare im Plauderton könnte man sagen, was im Originalton ebenso überzeugend wirkt wie in der Synchronfassung.

Bei Joss Whedons "Viel Lärm um nichts" ist alles viel zu lau

Die Wortgefechte zwischen Benedikt und Beatrice lassen die versteckte Zuneigung der beiden schnell ahnen. Nur ein paar Finten ihrer Freunde sind nötig, und schon tappt das Paar in die Liebesfalle. Auch die Intrige des gefangenen und unterlegenen Kriegsgegners verfängt schnell. Das Brautpaar Claudio und Hero ist flott entzweit. Das alles plätschert in Joss Whedons Verfilmung umstandslos und heiter dahin. Man folgt seiner Entspannungsübung über Sein und Schein in Liebesdingen nicht ungern, wird mit ihr dennoch nicht so recht froh. Dass diese coolen Typen so hohe Vorstellungen von Moral haben sollen und dass sie so naiv dem Spiel der einen und der Boshaftigkeit der anderen auf den Leim gehen sollen, mag man kaum glauben. Vor allem aber sieht man der Inszenierung immer wieder an, wie flott sie auf die Beine gestellt wurde. Viele Szenen vermitteln den Eindruck, als habe der Regisseur seinen Schauspielern die Regieanweisungen nur so aus dem Stegreif zugerufen. Doch auch ein hausgemachter Shakespeare bedarf der sorgfältigen Vorbereitung. Eine kurze Sommerpause reicht dafür offensichtlich nicht. Das Vergnügen ist eine ernste Sache, wenn es denn eines werden soll. Das haben die packenden Shakespeare-Verfilmungen der letzten Jahrzehnte von Kenneth Branagh über Baz Luhrmann bis Ralph Fiennes deutlich gezeigt. Bei Joss Whedons "Viel Lärm um nichts" ist alles viel zu lau.

 

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