Samstag, 28. Mai 2022

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Vierbeinige Naturschützer im niedersächsischen Moor

Im Landkreis Göttingen haben sich die Islandponies seit 9 Jahren bewährt. Sie grasen im naturgeschützten Hochmoor Hühnerfeld am Rande des Kaufunger Waldes. Gerade haben 30 junge Islandponies das Naturschutzgebiet betreten; eine 30 ha Fläche, auf die Menschen keinen Fuß setzen dürfen. Über Sinn und Zweck dieses seltenen Naturschutzprojektes mit Pferden berichtet Elke Drewes.

von: Elke Drewes | 23.07.2002

Im Landkreis Göttingen haben sich die Islandponies seit 9 Jahren bewährt. Sie grasen im naturgeschützten Hochmoor Hühnerfeld am Rande des Kaufunger Waldes. Gerade haben 30 junge Islandponies das Naturschutzgebiet betreten; eine 30 ha Fläche, auf die Menschen keinen Fuß setzen dürfen. Über Sinn und Zweck dieses seltenen Naturschutzprojektes mit Pferden berichtet Elke Drewes.

Dicke Wuschelmähnen und Fell in allen Schattierungen von Milchkaffee bis Schokobraun - die Ponieherde galoppiert über den Asphalt mitten hinein ins grüne Naturschutzgebiet. Die braunen Pferde sind schnell verschwunden hinter Eichen, hohem Adlerfarn und dichtem Pfeifengras. Herbert Eggers von der Naturschutzbehörde des Landkreises Göttingen hat die Islandponies als Naturschützer engagiert.

Die fressen z.B. das Pfeifengras. Der Name kommt sicherlich daher, dass man das früher zum Pfeifenreinigen genommen hat, weil es lange gerade Halme hat. Das Pfeifengras ist ein dominantes Gras, das sich sonst sehr stark ausbreitet. Die Ponies fressen härtere Gräser als die Rinder und junge Binsen, das zeichnet die Ponies aus.

Rinder im Hutewald haben sich schon bewährt. Doch Pferde noch effektiver als Rinder, die nur weiches Gras mögen. Das frische weiche Gras wiederum kann für Ponies gefährlich werden. Deshalb treibt Islandpferdezüchter Rainer Althans seine jungen Pferde erst im Juli ins Naturschutzgebiet, weil dann genug überreifes Gras da ist.

Frisches Gras ist wie Gift, weil zuviel Eiweiß drin ist, aber überständiges Gras, das ist schon größer, fester, das verholzt ist, das braucht das Pferd zur Verdauung.

Die Ponies fressen also genau die Gräser, die reichlich wuchern und sich hartnäckig gegenüber anderen Gräsern durchsetzen. Außerdem halten die Naturschützer auf 4 Hufen den üppigen Adlerfarn im Zaum.

Der Adlerfarn - und zwar haben die ein unterirdisches Sprosssystem und verbreiten sich unter den anderen Pflanzen durch und wie man es hier sieht: bilden sie so dichte Bestände, wo kaum etwas anderes wachsen kann. Die zertreten das, zerliegen das, knabbern auch ein bisschen dran rum.

Mit großem Maul und kleinen harten Hufen schaffen die Ponies Platz für seltene Pflanzen und Kräuter.

Sonnentau, das seltene weiße Schnabelried, Arnika, die haben wir hier, aber sie werden immer weniger und sollen eine feste Bleibe finden und nicht bedroht werden von anderen Beständen.

Die Ponies sorgen also dafür, dass alle Pflanzen im natürlichen Gleichgewicht bleiben. Die Bezirksregierung Braunschweig ist für das Naturschutzgebiet verantwortlich. Sie zahlt für die Pflege einen Zuschuß von rund 130 Euro pro Hektar an den Pferdehalter. Bei einem Gebiet von 30 ha sind das also fast 4000 Euro. Aber nicht nur deshalb ist Islandpferdezüchter Althans sehr zufrieden mit der einmaligen Weide im Hochmoor- Naturschutzgebiet.

Isländer sind genügsam und kommen gut zurecht. Im Sommer ist das für 3 Monate ideal. Es ist gut, dass sie nicht fett werden, genau das Richtige. Es geht es ihnen sehr gut hier.

Angst, dass seine Pferde im Moor versinken, hat er nicht.

Die wissen genau, wo sie hintreten, probieren aus, wo sie hintreten. In Island gibt es ähnliche Verhältnisse, damit muss das Tier fertig werden.

Glückliche Pferde im Naturschutzgebiet – das war allerdings nicht von Anfang an so. Ein Problem musste Rainer Althans bewältigen, als er seine Pferde zum ersten Mal ins Hochmoor trieb.

3 Tage später waren die Pferde ziemlich abgemagert und wir haben ihnen Wasser angeboten und Heu. Das Heu war nicht wichtig, aber sie haben sofort viel Wasser getrunken, obwohl hier soviel Wasser war.

Warum die Ponies das Wasser im in den Moorgräben verschmähen – Herbert Eggers vom der Göttinger Naturschutzbehörde hat eine Erklärung.

Es ist rein und klar, schmeckt auch gut uns, aber nicht den Ponies, weil es zu sauer ist.