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StartseiteForschung aktuellBienen stecken Hummeln an 20.02.2014

Viren und ParasitenBienen stecken Hummeln an

Entomologie. - Die Probleme der Bienenvölker sind inzwischen ins Bewusstsein der Menschen gedrungen. Die Tiere leiden unter Parasiten, Pflanzenschutzmitteln und Krankheiten. Wie Forscher der Royal Holloway Universität in London in der aktuellen Ausgabe von "Nature" schreiben, sind einige dieser Pathogene in der Lage, auch wilde Verwandte der Honigbiene krank zu machen.

Von Joachim Budde

Eine Hummel fliegt auf eine Blume zu (dpa/picture alliance/Ralf Hirschberger)
Eine Hummel fliegt auf eine Blume zu (dpa/picture alliance/Ralf Hirschberger)

Wenn das Deformed-Wing-Virus schlimm zuschlägt, schlüpfen infizierte Honigbienen mit verkrüppelten Flügeln und sind flugunfähig. Doch auch wenn sie äußerlich normal erscheinen, das Virus schwächt die Bienen. Sie leben weniger lang. Nosema ceranae wiederum ist ein Mikropilz. Er entfaltet seine fatale Wirkung im Darm der Insekten. Der Parasit löst Durchfall aus und schwächt die Bienen so sehr, dass sie eingehen. Honigbienen und ihre Königinnen werden weltweit gehandelt. Auf diesem Weg gelangten die beiden Krankheitserreger vermutlich aus Asien nach Europa. Forscher der Royal Holloway Universität in London haben sie ausgewählt, um zu testen, ob man auch wilde Verwandte der Honigbiene damit anstecken kann. Im Labor mischten sie Hummeln das Virus und den Parasiten ins Futter, sagt Dr. Matthias Fürst.

"Für Deformed-Wing-Virus finden wir hier: Ein Drittel bis ein Viertel der Lebenserwartung ist reduziert, also sie sterben wesentlich eher als Hummeln, welche nicht infiziert wurden, für Nosema ceranae finden wir diesen Trend nicht, es gibt allerdings andere Studien, die auch mit Nosema ceranae gearbeitet haben, und unter leicht anderen Bedingungen als unser experimenteller Aufbau zeigen auch diese Studien, dass Nosema ceranae die Lebenserwartung durchaus stark reduzieren kann in Hummeln."

Zwar hatten schon vorher Forscher die Erreger in Hummeln nachweisen können. Doch das allein war kein Beweis dafür, dass die Tiere tatsächlich erkranken und woher sie die Erreger haben. 

"Was wir wirklich zeigen hier ist, dass sie tatsächlich eine Krankheit hervorrufen, also die Lebenserwartung vermindern, dass sie weit verbreitet sind, und dass nicht nur im Labor wir diese Krankheit sehen, sondern auch draußen im Feld, was wir testen konnten, indem wir den Virus untersuchten, ob dieser aktiv ist oder nicht."

Dazu fingen die Wissenschaftler an 26 Orten in Großbritannien Hummeln und Bienen ein und untersuchten, wie sehr die einzelnen Insekten beider Arten mit den Krankheitserregern belastet waren. Sie fanden ein Muster.

"Wenn wir sehr hohe Belastungen an den Honigbienen haben, sehen wir genau an diesem Ort auch sehr hohe Belastungen an Hummeln. Während an einem anderen Ort, wenn wir relativ geringe Belastungen in Honigbienen sehen, sind die Belastungen auch relativ gering in Hummeln."

Daraus schließen die Forscher, dass die Hummeln sich bei den Bienen anstecken. 

"Was wir hier finden ist, dass an jedem Ort Honigbienen und Hummeln sehr, sehr ähnliche Virenvarianten in sich tragen, während Honigbienen und Hummeln an verschiedenen Orten relativ verschiedenen Virenvarianten in sich tragen, was ein weiterer Hinweis ist, dass die beiden Arten den Virus noch immer gegenseitig sich übertragen."

Für die Honigbienen mit Tausenden von Arbeiterinnen pro Kolonie sind die Krankheiten schon gefährlich. Für Hummelkolonien mit maximal ein paar hundert Arbeiterinnen können die Konsequenzen fatal sein.

"Wenn alle Arbeiter etwas schlechter arbeiten, am Ende eines Hummelzyklus im Endeffekt ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass keine Königinnen und Männchen produziert werden können, weil nicht genug Energie in diesen Kolonien ist, was dann natürlich die Populationen sehr stark verringern kann."

 

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