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StartseiteWissenschaft im BrennpunktPartnerschaften in der Natur20.10.2019

Volker Arzt: "Kumpel und Komplizen"Partnerschaften in der Natur

Mensch und Hund haben sich zu beidseitigem Nutzen zusammengetan. Auch in vielen anderen Bereichen lässt sich in der Natur ein partnerschaftliches Miteinander der Arten beobachten: bei Pilzen und Bakterien, Bäumen und Fischen. Ein Physiker beschreibt diese Symbiosen sehr anschaulich.

Von Michael Lange

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Reiter hinter einer Meute Jagdhunde im Herbst. (imago / Barry Bland)
Mit Hunden jagt der Mensch erfolgreicher als allein (imago / Barry Bland)
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Seit Charles Darwin betrachten viele Wissenschaftler die Natur als ständigen Wettbewerb. Im Kampf jeder gegen jeden geht es um das Überleben des Fittesten und die Verbreitung der eigenen Gene auf Kosten der anderen. Dabei gibt es zahlreiche Beispiele, die dem widersprechen. Sogar Tiere und Pflanzen verschiedener Arten unterstützen sich gegenseitig zum Nutzen beider.

Nützliches Miteinander der Arten

Kleine Putzerfische säubern die Schuppen großer Raubfische und befreien sie von Parasiten. Sie schwimmen sogar in ihr Maul und beseitigen dort Essensreste. Algen und Pilze tun sich zusammen, so dass sie von außen als ein einziges Lebewesen erscheinen, als Flechten. Bäume und Pilze bilden gemeinsam ein unterirdisches Netzwerk, indem sie sich gegenseitig mit Nahrung und Wasser versorgen und sogar miteinander kommunizieren. Auch der Mensch verlässt sich auf andere Arten. So vertraut unser Darm auf die Mitwirkung vieler Bakterien bei der Verdauung, und auch Mensch und Hund haben sich zum beiderseitigen Nutzen zusammengetan.

Wenn Tiere andere retten

Viele dieser Formen des biologischen Zusammenlebens, die Volker Arzt beschreibt, sind als Symbiosen altbekannt. Biologen wissen längst: Das Miteinander verschiedener Arten widerspricht nicht dem darwinschen Wettbewerb um die Verbreitung eigener Gene. Denn Symbiosen entwickelten sich durch Koevolution und nützen letztlich beiden Partnern. Etwas komplizierter wird es, wenn einzelne Tiere andere retten, auch wenn sie dabei ihr Leben riskieren. Der Verbreitung eigener Erbanlagen dient dieses Verhalten nur dann, wenn Retter und Gerettete verwandt sind. Aber auch unter nicht verwandten kommt in der Natur selbstloses Verhalten vor. Über den Ursprung lässt sich in diesen Fällen nur spekulieren.

Dem Physiker und Naturfilmer Volker Arzt gelingt es, das Miteinander von Tieren und Pflanzen anschaulich zu beschreiben. Vielfach greift er dabei auf seine Erfahrungen als Tierfilmer zurück. Durch seine bildhaften Formulierungen vermenschlicht er das Verhalten der Tiere bisweilen. Aber er verlässt nicht das wissenschaftliche Fundament. Immer wieder erklärt er, wie das jeweilige Verhalten zustande kam, was es aus Tiersicht bedeutet und was wir als Menschen darin sehen. Konsequent bleibt er in der Position des Beobachters. So ist ein leicht verständliches, gut lesbares Buch entstanden. Viele Bilder tragen dazu bei. Trotz aller farbenfrohen Formulierungen geht der Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit nicht verloren.

Kumpel und Komplizen
Warum die Natur auf Partnerschaft setzt
Von Volker Arzt
Bertelsmann Verlag, 368 Seiten, 25 Euro

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