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StartseiteSport am WochenendeWeg vom Turnhallenmief, hin zum Hochglanzprodukt02.04.2018

Volleyball-BundesligaWeg vom Turnhallenmief, hin zum Hochglanzprodukt

Professioneller Volleyball genießt in Deutschland öffentlich nur wenig Beachtung. Deswegen versucht die Bundesliga seit Jahren, etwas gegen das Aufmerksamkeitsdefizit zu tun. Neue Volleyball-Standorte werden entwickelt, alte Spielstätten aufgemotzt, und es wird offensiv um neue Investoren geworben.

Von Daniela Müllenborn

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VBL Allianz MTV Stuttgart vs. Ladies in Black Aachen 31. Maerz 2018 Allianz MTV Stuttgart, Volleyball, Bundesliga, Damen, Saison 2017/18, (in blau), Play-off Halbfinale, gegen Ladies in Black Aachen (in schwarz); Femke Stoltenborg 2, gegen Mckenzie Adams links/ FOTO: TOM BLOCH *** VBL Allianz MTV Stuttgart vs Ladies in Black Aachen 31 March 2018 Allianz MTV Stuttgart Volleyball Bundesliga Women Season 2017 18 in blue Play off semi-final against Ladies in Black Aachen in black Femke Stoltenborg 2 against Mckenzie Adams left PHOTO TOM BLOCH xtbx (imago sportfotodienst)
Szene aus einem Volleyballspiel in der Bundesliga-Saison 2017/18 (imago sportfotodienst)
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Alpenvolleys Grenzübergreifender Volleyball

Volleyball Eine Sportart motzt sich auf

Play-off-Viertelfinale um die deutsche Volleyball-Meisterschaft. Der Traditionsklub "Power-Volleys Düren" empfängt die Alpen-Volleys Haching, einen Liga-Neuling, dem das Dürener Publikum respektvoll Beifall spendet:

"Ja das ist so ein Konstrukt, da hat es ne Wildcard gegeben, das ist also nicht über den sportlichen Aufstieg gegangen, sondern über Geld. Das kann einem gefallen oder nicht, es ist ein Gegner, den man schlagen muss."

Per Wildcard in die Bundesliga: die Alpen-Volleys. Eine grenzübergreifende Kooperation zwischen dem TSV Unterhaching, der sich 2014 nach dem Rückzug seines Hauptsponsors aus der 1. Liga verabschieden musste, und dem österreichischen Serienmeister Tirol. Mit Spielorten in Innsbruck und in Haching. Ein Projekt, das in der Liga nicht nur auf Gegenliebe stößt. Trotzdem zieht der Macher der Alpen-Volleys, Hannes Kronthaler, eine bislang positive Bilanz:

"Sicher, ein paar kritische Stimmen wird es immer noch geben, aber ich glaube auch, dass sich die Vereine, die vorher schon mehrheitlich für uns waren, und die paar, die vielleicht noch nicht genau gewusst haben, was sie erwartet, ganz gut überzeugen konnten."

Belebend für die Liga

Die Alpen-Volleys - ein willkommener Konkurrent, der das Geschäft in der Volleyball-Bundesliga belebt, anders als die sportlich chancenlosen Mannschaften aus Rottenburg oder Solingen, vom Tabellen-Ende, meint zumindest Marvin Prolingheuer, Spieler beim Traditionsklub Power-Volleys Düren:

"Innsbruck ist gut für die Liga. Wenn man jetzt sieht, Solingen, ja, die haben in dieser Saison ein Spiel gewonnen, und jetzt versuchen sie, sich da irgendwie wieder hochzuschaukeln, oder so was. Das ist für das Niveau der Liga, man muss es ja auch vermarkten, da ist das nicht so gut. Von daher ist es gut, dass die hier sind."

Anderes Beispiel: Die Rhein-Main Volleys, vor drei Jahren von einem finanzstarken Unternehmer in Frankfurt installiert. Der damals frischgebackene Aufsteiger aus dem nahegelegenen Rüsselheim stellte seine Bundesliga-Lizenz zur Verfügung. Die Liga begrüßt solche Projekte. Auch Kaweeh Niroomand, Boss beim deutschen Branchen-Riesen Berlin.

"Volleyball hat leider im Vergleich zum Fußball nicht die Tradition, dass sich Vereine bis an die Spitze entwickeln könnten. Insofern sind wir auf Investoren angewiesen. Vergleichbar ist das mit Gründungen in der Start-up-Szene. Und nun kommt es darauf an, ob sich andere Investoren auch dafür begeistern können und sich daran beteiligen und ob dieses Produkt vom Markt, im Sport wären das die Zuschauer oder die Medien, angenommen wird."

Hin zum Hochglanzprodukt

Neue Volleyball-Standorte entwickeln und die alten aufmotzen: Im Kampf um die Gunst von Zuschauern, Medien und Investoren hat die Volleyball-Bundesliga vor vier Jahren den Versuch begonnen, sich in der 1. Frauen- und der 1. Männer-Bundesliga professioneller aufzustellen und die Sportart attraktiver zu machen. Dazu gehört ein einheitliches Erscheinungsbild, wie zum Beispiel gleicher Bodenbelag in allen Hallen, LED-Werbe-Banden und mehr Zuschauerplätze. Weg vom Turnhallenmief, hin zum Hochglanzprodukt. Für die Vereine teilweise finanziell und organisatorisch schwer zu stemmen, doch das Ergebnis spricht für sich, findet Rüdiger Hein, Chef der Power-Volleys Düren und gleichzeitig Vizepräsident der Liga.

"Insgesamt merkt man es jetzt auch an den Fernsehzahlen. Man merkt es an Sport 1, die gesagt haben, wir wollen fernsehtaugliche Bilder haben, und wenn wir Schulsporthallen haben, mit Sprossenwänden an der Seite, was wir jahrelang beklagt haben, dann muss man sich nicht wundern. Und jetzt haben wir bei den Damen Einschaltzahlen jenseits der 200.000. Also mehr als beim Handball oder Basketball. Das ist ein bisschen ein Ergebnis vom Masterplan. Es hat gezündet."

Jetzt hofft die Liga, dass sie auch endlich den langersehnten Liga-Sponsor findet. Den hatte sie ihren Vereinen im Rahmen des Masterplans längst versprochen, damit auch Geld zurückfließen kann. Bislang haben die Vereine nämlich ausschließlich investiert. Und dann ist da noch eine andere Baustelle: Viele Zweitligisten trauen sich den Aufstieg und die damit verbundenen kostspieligen Auflagen nicht zu. In der 1. Liga mit aktuell elf Teams, droht man unter sich zu bleiben. Deshalb soll beim Umsetzen des ehrgeizigen Masterplans jetzt erst mal innegehalten werden:

"Es macht ja keinen Sinn, die Schrauben immer weiter anzuziehen, ohne Rücksicht auf Verluste. Man muss ja auch bedenken, dass wir die Liga bei den Herren gar nicht so voll kriegen, also wir kriegen elf Vereine, maximal zwölf und dann ist da Schluss und da müssen wir sehen, dass wir Anschluss kriegen an die 2. Liga, sonst wird die Sache eintönig."

"Es ist ein Event"

Und Eintönigkeit ist genau das, was das Produkt Volleyball-Bundesliga nicht gebrauchen kann. Sie braucht, laut Verband, innovative Ideen und kreative Vereine. Wie zum Beispiel den TSV Herrsching, der mit pfiffigen Marketing-Konzepten vier Jahre lang in der Bundesliga überlebt hat. Jetzt droht dem selbst ernannten "geilsten Klub der Welt" allerdings das Aus, weil Investoren und freiwillige Helfer an ihre Grenzen stoßen. Diese Woche soll sich entscheiden, ob es in Herrsching weitergeht, mit Erstliga-Volleyball. Marvin Prolingheuer von den Power-Volleys-Düren würde die Herrschinger vermissen:

"Es ist ein Event. Die machen ne Show da. Es ist geil da zu spielen."

Jedes Spiel ein Event – genau das ist es, was die Volleyball-Bundesliga mit ihrem Masterplan verfolgt.  Ein Event neben und auf dem Platz, das wollen auch die Zuschauer in Düren, wo sie dem Gegner respektvoll Applaus spenden. Egal ob Traditionsverein, Retortenklub oder einen Liga-Neuling mit Wildcard.

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