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StartseiteKultur heuteVom Leuchtturm bis zur freien Szene24.03.2011

Vom Leuchtturm bis zur freien Szene

Hamburgs neue Kultursenatorin zur kulturpolitischen Zukunft der Hansestadt

Wichtiger als der Griff in den Geldtopf sei ein Klima des Vertrauens zwischen Kulturverwaltung und Kulturschaffenden. Dafür will sich Hamburgs neue Kultursenatorin Barabara Kisseler einsetzen. Das kulturelle Profil der Stadt zu schärfen, sei mehr als eine Frage des Geldes.

Barbara Kisseler im Gespräch mit Karin Fischer

Barbara Kisseler ist seit März 2011 Hamburger Kultursenatorin (picture alliance / dpa)
Barbara Kisseler ist seit März 2011 Hamburger Kultursenatorin (picture alliance / dpa)

Karin Fischer: Kulturpolitisch war das vergangene Jahr kein Gutes für Hamburg. Es wurden Fehler gemacht, heißt es lapidar bei Jonathan Franzen, der Satz war problemlos auf die Hansestadt zu übertragen. Nach dem Rücktritt der früheren Kultursenatorin Karin von Welck und bis zum Engagement der Kölner Intendantin Karin Beier für das Hamburger Schauspielhaus glich die Stadt einem Porzellanladen, in dem Kulturpolitiker als Elefanten ihr Unwesen trieben. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, die massiven Kürzungen in der Kultur sollen zurückgenommen werden, und vor der Sendung habe ich Barbara Kisseler, die parteilose neue Kultursenatorin, gefragt, wie und wo genau, was ihre ersten Maßnahmen sein sollen.

Barbara Kisseler: Also ich glaube, als allererste Maßnahme wird es gar nicht darum gehen, in den großen Geldkoffer zu greifen. Das wird noch kommen bei der Aufstellung des Haushaltes. Ich glaube, als Allererstes wird es darum gehen, wieder ein Klima des gegenseitigen Vertrauens zu schaffen zwischen Kulturbehörde auf der einen Seite und unserer eigentlichen Kultur-Klientel, also den Institutionen und den Künstlern, auf der anderen Seite, dass diese Klientel einfach weiß, sie hat in uns einen Anwalt für ihre eigenen Belange. Das scheint mir das Vordringlichste zu sein.

Fischer: Neben der immer teurer werdenden Elb-Philharmonie, die prioritär behandelt wurde, habe es wenig Konzepte für eine Kulturstadt Hamburg gegeben. Das monierten Kulturschaffende immer wieder und sie forderten eine Art Masterplan, mindestens aber die Diskussion darüber, welche Kultur in der Hansestadt nun zählen solle. Nun würde man ja gerne sagen, jede Art von Kultur, vom Leuchtturm bis zur freien Szene, aber das geht vielleicht wegen der Schuldenlage schlecht.

Kisseler: Also ich glaube, dass es falsch wäre, die Stadt ausschließlich von ihren finanziellen Möglichkeiten her zu denken. Auch wenn das jetzt etwas wohlfeil klingen mag, aber Kultur ist, glaube ich, mehr als die Summe diverser Bankverbindungen. Und für mich wird es erstmal darum gehen, dass Hamburg das Potenzial, was es hat, sowohl - um in den Schubladen zu bleiben - im Bereich der Hochkultur, als auch der freien Szene, dass man das noch mal einer genauen Bestandsanalyse unterzieht, und dass man sich dann überlegt, wo will die Stadt in den nächsten Jahren punkten, wo möchte sie intensiv wahrgenommen werden, und wie wollen wir da auch gemeinsam mit den Institutionen dieses, wenn Sie so wollen, neue Gesicht der Stadt entwickeln.

Fischer: Was denken Sie denn persönlich, Frau Kisseler, wo Hamburg punkten könnte und sollte?

Kisseler: Ich finde, Hamburg hat eine wirklich sehr, sehr gute Theaterszene. Die Hamburger Theaterlandschaft strahlt auch in die Bundesrepublik aus. Zugegebenermaßen ist das dem Schauspielhaus in den letzten Jahren nicht so ganz überzeugend geglückt. Da bin ich aber ziemlich optimistisch auch für die Zeit des Interregnums jetzt mit Vogel und Kurfess, dass das gelingen wird. Das ist der eine Bereich.
Ein weiterer Bereich ist ganz sicherlich auch die Museumslandschaft der Stadt, wo man allerdings auch erstmal ein bisschen neu sortieren muss und den Protagonisten auch Gelegenheit geben, ihre eigenen Vorstellungen zu entwickeln. Und last but not least auch die Musikstadt Hamburg. Die wird allerdings auch besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, weil sich in diese Musikstadt Hamburg auch die Elb-Philharmonie einfügen muss.

Fischer: Sie waren Chefin der Staatskanzlei in Berlin und Sie bringen ja von dort die Erfahrung mit, dass mit Kultur auch in einer armen, ja verarmten Stadt gepunktet werden kann. Selbst wenn wir jetzt nicht nur über Geldtöpfe sprechen wollen, was aus Berlin ist übertragbar?

Kisseler: Ich glaube, vor allen Dingen die Erkenntnis, dass das, was ich im Kulturbereich investiere, immer relativ wenig ist - die Kultur-Etats, mit denen heilt man eigentlich den maroden Etat einer Stadt am wenigsten -, dass man da natürlich sich drüber im Klaren sein muss, das, was ich da investiere, das spare ich an anderer Stelle, wenn ich es richtig mache, eigentlich an Folgekosten ein. Ob das im Bereich der kulturellen Bildung ist, oder ob das im Bereich der Sozialarbeit ist, da hat Kultur einen berechtigten, finde ich, Sekundäreffekt. Und das muss man sich in diesen ganzen Rechenexempeln, die gerne angestellt werden, wenn es um die Erhöhung geht, das muss man sich klar machen.

Fischer: Barbara Kisseler war das, neue Kultursenatorin von Hamburg, über mögliche Ziele für die Kulturentwicklung der Stadt.

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