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StartseiteUmwelt und VerbraucherVom Moloch zur Stadt mit grünem Gewissen09.07.2010

Vom Moloch zur Stadt mit grünem Gewissen

Mexiko-Stadt baut den Umweltschutz aus

In Mexiko-Stadt leben zwischen 22 und 25 Millionen Menschen. Die Metropole gilt als die Stadt mit der schlechtesten Luft. Doch das soll sicch nun ändern.

Von Anne Demmer

Mexiko verstärkt den Umweltschutz. (AP)
Mexiko verstärkt den Umweltschutz. (AP)

Morgen für Morgen schieben sich abertausende Autos, Taxis, Lastwagen und schrottreife Kleinbusse Stoßstange an Stoßstange durch die breiten Avenidas von Mexiko-Stadt. Mehr als vier Millionen Menschen fahren zur Arbeit ins Zentrum der Megacity. Bis vor Kurzem galt die 22-Millionen-Stadt als der größte Smog-Moloch der Welt. Doch das ändert sich gerade. Denn der "Grüne Plan" von Marcelo Ebrard Casaubón, des linksgerichteten Bürgermeisters von Mexiko-Stadt, soll für eine Wende sorgen. Der öffentliche Nahverkehr wird ausgebaut, das U-Bahnnetz erweitert. Der Plan sieht Einsparungen beim Wasserverbrauch vor, ein effizientes Müllentsorgungssystem, Radwege, Fußgängerzonen und den Ausbau der Solarenergie. Vor allen Dingen will er den Bewohnern von Mexiko-Stadt das Statussymbol Auto austreiben. Sie sollen aufs Rad steigen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Das Herzstück der kleinen mexikanischen Umweltrevolution: Der Métrobus. Guillermo Calderón ist Chef des Schnellbusnetzes.

"Insgesamt 50 Kilometer lang sind die zwei Metrobuslinien mit eigener Spur. Eine halbe Millionen Menschen werden damit befördert. Eine dritte Linie wird gerade gebaut. Und unsere Mission ist es eben, Emissionen zu reduzieren. 80.000 Tonnen Treibhausgase werden damit jährlich bereits eingespart."

Modernste Busse mit geringen Abgaswerten. Ein weiterer Vorteil: Das Schnellbussystem ist auch um ein Vielfaches billiger als es der Bau einer neuen U-Bahn-Linie wäre. Die feuerroten Busse fahren auf einer eigenen Spur, den Stau lassen sie hinter sich. Für viele Pendler ist der Metrobus vor allen Dingen die billigere Alternative. Laut einer Umfrage lassen dafür 15 Prozent der Nutzer sogar ihr Auto stehen.

"Es ist viel billiger als mit dem Auto zu fahren. Da bezahle ich zwischen 50 und 100 Pesos am Tag allein für Benzin und für den Metrobus nur fünf."

"Er ist schneller als mein Auto und er fährt sehr oft. Das Auto lasse ich zu Hause, ich fahre mit dem Métrobus, jeden Tag."

"Es sollten definitiv mehr Metrobuslinien eingeführt werden. Hauptsache die Regierung investiert in öffentliche Verkehrsmittel, statt neue Straßen zu bauen."

Aber auch das Fahrrad soll zum Abbau der Emissionen beitragen. An Sonntagen ist die Hauptverkehrsader von Mexiko-Stadt für Autofahrer tabu. An diesem Tag erobern Radfahrer, Skater und Fußgänger die breite Prachtstraße "Paseo de la Reforma". Radfahren sollen selbst Mexikaner, die gar kein eigenes Fahrrad haben. Das Verleihsystem "Ecobici" nach europäischem Vorbild, das erst vor wenigen Monaten eingeweiht wurde, soll die Leute animieren, kurze Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen. Für umgerechnet 15 Euro im Jahr stehen den Städtern an 85 Stellen über 1000 Fahrräder zur Verfügung. Ein Pilotprojekt, das schon bald ausgeweitet werden soll. Bernardo Baranda Sépulveda fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Baranda leitet das mexikanische Büro des Instituts für Transport- und Entwicklungspolitik ITDP, einer Nichtregierungsorganisation aus den USA. Der in Holland ausgebildete Verkehrswegeplaner und Ingenieur hat in den letzten Monaten mit einfachen Mitteln Kreuzungen und Straßen umgestaltet - verkehrsberuhigt.

"Statt eines großen Umbaus werden einfach Blumentöpfe aufgestellt. So wird die Straße für die Autos verengt und den gewonnen Raum bekommen die Fahrradfahrer."

Noch steckt die grüne Verkehrswende in den Kinderschuhen. Fahrradfahrer gelten unter den meisten Autofahrern nach wie vor als lebensmüde Draufgänger, Rechte haben sie auf der Straße nicht. Der praktizierende Radler Bernardo Baranda steigt trotzdem nicht vom Sattel. Er hofft, dass die Bedingungen besser werden – trotz der Wirtschaftskrise.

"Der Stadtregierung bleiben noch zweieinhalb Jahre im Amt. Sie hat viel erreicht, aber es gibt noch einiges zu tun so weit sind wir noch nicht – u.a. 300 km Fahrradweg, insgesamt 10 Metrobusse."

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