Montag, 17.12.2018
 
Seit 21:05 Uhr Musik-Panorama
StartseiteCorsoVom zufälligen Erfolg zum Dauerbrenner09.03.2012

Vom zufälligen Erfolg zum Dauerbrenner

The Stranglers bleiben im Rock-Geschäft

Vor ziemlich genau 35 Jahren ist das Debut der britischen Band The Stranglers" erschienen: "Rattus Norvegicus, so der Titel, galt damals als roh und sexistisch. 17 Top-40 Alben und ungezählte Konzerte später haben die Stranglers wieder eine neue CD herausgebracht.

Von Holger Zimmer

Die britische Band The Stranglers wurde nach einem Auftritt in Nizza 1980 verhaftet (picture alliance / dpa)
Die britische Band The Stranglers wurde nach einem Auftritt in Nizza 1980 verhaftet (picture alliance / dpa)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

Die Stranglers, wer hätte das gedacht. Sie sind zurück aus dem Orbit der ewig tourenden Punkbands der 70er und haben eine neue Platte aufgenommen.

Und zwar unabhängig von Moden und Trends, dem alten "Do it yourself"-Ethos folgend, betont Jean Jacques Burnel, seit den 70er-Jahren der Bassist der "Stranglers":

"Wir konnten eigentlich immer tun, was wir wollten. Als einmal eine Plattenfirma uns reinreden wollte, haben wir sie zum Teufel geschickt. Wir hatten das Glück, nicht kommerziell sein zu müssen. Wenn wir Erfolg hatten, dann eher zufällig."

"Time was once on my side" – singen sie auf der neuen CD "GIANTS". Klar - die "Stranglers" sind nicht mehr die Jüngsten. Zusammengerechnet kommen die vier Musiker auf ein Lebensalter von über 240 Jahren. Doch wenn es um den heutigen Drive der Band geht, wird JJ Burnel wieder jung:

"Uns gibt es schon so lange, wir haben eine eigene Dynamik: Die Stranglers, das ist wie eine ganze Lebensgeschichte, mit Verzweiflung, Höhen und Tiefen. Doch wir sind immer noch optimistisch - und unschuldig. Ich möchte die Welt betrachten wie ein 16-Jähriger: Mit dem Gefühl, etwas zum ersten Mal zu entdecken – ohne Zynismus."

Um sich nach fast 40 Jahren im Musikbusiness zu verjüngen, haben die Stranglers ihre neue Platte ganz in Ruhe entwickelt. In einem alten Haus in Bath im Südwesten Englands haben sie Partys gefeiert und neue Songs geschrieben. Und die sind erstaunlich lebendig ausgefallen. Vertrackt, vielschichtig, wie zu ihren besten Zeiten.

Der Titeltrack "GIANTS" klingt anfangs fast nach REM. Doch hinter dem rumpelnden Slow-Rock der alten Herren arbeitet die gut geölte Stranglers-Maschine. Die beherrscht leichtherzigen Bluespop, imposante Keyboardflächen, knackige Bassläufe sowie rhythmische Brüche, die an ihre Hits wie "Golden Brown" erinnern. "GIANTS" – das ist Stranglers-Sound von 2012:

Auch der bandtypische schwarze Humor ist runderneuert: Das Plattencover des neuen Albums "GIANTS" ziert eine Kinderschaukel – als Galgen mit vier Schlingen! Die Stranglers im Jahr 2012 haben sich einmal mehr neu erfunden, mit wachem Blick auf die Welt. Sie singen von verzweifelten Irakkriegern und haben sogar einen Tango im Repertoire, einen "Metal Tango":

"Es gibt so viele Themen: der Euro, die fehlende Demokratie in Brüssel, die allgegenwärtige Korruption. Ich stamme aus einer Generation, die glaubt, dass Musik die Menschen beeinflussen kann. Die die Pflicht hat, zu unterhalten - UND zu informieren. Wir spielen innerhalb der Grenzen unseres Talentes, aber es ist eben keine "typische Stranglers-Musik". Wir haben jetzt auch einen Tango auf Spanisch, das ist doch cool, oder?"

Tourdaten 2012:
21.04. Berlin – C-Club (GER)
23.04. Hamburg – Fabrik (GER)
24.04. Köln – Luxor (GER)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk